Geschichte von Ensheim
66131 Saarbrücken
Quelle: link www.ensheim-saar.de
erstellt am 20/12/2004

Ensheim in gallo-römischer Zeit
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Frühe Besiedlungsspuren aus gallo-römischer Zeit in Ensheim und Umgebung belegen, dass der Ort zu den ältesten Dörfern des Bliesgaus zu zählen ist - wenn auch die älteste uns erhaltene urkundliche Erwähnung erst im Jahr 1121 erfolgt ist. Für ein älteres Ensheim spricht auch die Namensentstehung. Hoppstädter teilt die germanisch-fränkischen Siedlungsnamen in drei Gruppen ein:

Aufgrund zahlreicher Fundamentspuren ist davon auszugehen, dass Ensheim zunächst in Form von Einzelgehöften besiedelt war. Die Existenzgrundlage der damaligen Bewohner war wohl ausschließlich der Ackerbau.

Obwohl Ensheim nicht direkt an einer sogenannten "Römerstraße" lag, profitierte es aber doch von einem sog. Deverticulum, einer Art Verbindungsweg zwischen den beiden Hauptverkehrsstraßen Metz - Mainz und Bliesbolchen - Homburg; dieser Verbindungsweg verlief offenbar über Ensheim.

Auf der früheren Ensheimer Gemarkung finden sich mehrere Relikte früherer Kultstätten, was auch auf eine frühe Besiedlung schließen lässt, so zum Beispiel

Ensheim unter der Herrschaft des Klosters Wadgassen (1435-1792)
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Im Jahr 1435 erklären die Bewohner von Ensheim erstmals, daß der Klosterabt von Wadgassen ihr "oberster Herr" sei. Dennoch beginnen die Beziehungen zwischen den Wadgasser Mönchen und Ensheim schon viel früher. In Ensheim hatte beispielsweise das Kloster St. Martin-les-Glandes in Lubeln (heute: Longeville-lès-Saint-Avold) diverse Einkünfte, die später an das Kloster Wadgassen verkauft wurden. 1152 wurde dem Kloster ein allodium bestätigt. Im Jahr 1276 erhielt Wadgassen im Rahmen einer Schenkung das Patronat der Kirche St. Peter in Ensheim und wenig später auch das Recht, die Pfarrei mit einem Klosterbruder zu besetzen.

Im 13. Jahrhundert erwarb Wadgassen auch noch die bei Ensheim gelegenen Weiler Reichenbrunn und Sengscheid sowie den kleinen und Großen Stiefel bei St. Ingbert.

Erst im Jahre 1538 erwarb Wadgassen das endgültige und alleinige Eigentumsrecht über Ensheim von den Mönchen der Abtei Glandern. Damit war das Kloster Wadgassen bis zu seiner Auflösung 1792 alleiniger Grundherr in Ensheim.

Ensheim im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648)
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Aus der Zeit des 30jährigen Krieges sind für Ensheim nur dürftige Informationen überliefert worden. In der Ortschronik von Helmut und Alexander Wilhelm ist dazu nur ganz allgemein zu lesen:

"Das Saarland und die Pfalz hatten entsetzlich unter der entmenschten Soldateska zu leiden, die mit Raub, Plünderung, Vergewaltigung und Mord ganze Ortschaften ausrottete. Unsere Gegend wurde der zweifelhaften Ehre zuteil, eine ganze Serie von Nationalitäten beherbergen zu müssen, die furchtbar wüteten. ... Auf dem flachen Lande wurden die Dörfer ausgeplündert und zerstört."

Eugen Matheis berichtet, daß der Ort zeitweise, vor allem zwischen 1634 und 1636 völlig verödet gewesen sei. So wird in der Ortschronik auch davon berichtet, daß nur ca. zehn (!) Einwohner das Inferno des 30jährigen Krieges überlebt hätten. Damit stand Ensheim immer noch besser da als einige Nachbargemeinden, die entweder ganz ausgestorben waren oder nur noch einen, zwei oder drei Einwohner aufzuweisen hatten.

Auch das Kloster Wadgassen ist von diesen schrecklichen Ereignissen betroffen. Nicht genug, daß der damalige Abt Johann von Berus (1607 - 1634) , wie Tritz, op. cit., 98 berichtet, mehr ein Liebhaber weltlicher Freuden war und die Führung der Klosters gerade in dieser schweren Zeit vernachlässigte; der Graf von Saarbrücken ließ nichts unversucht, um die Mönche in Wadgassen zu spalten, um sich vielleicht so in den Besitz der Abtei setzen zu können. Die Annales der Abtei berichten über diese Zeit wie folgt:

" Der Abt mußte sein ganzes Leben im Elend zubringen. Das ganze Land war schließlich nur mehr Einöde und Wald. Hungersnot herrschte allerwege. Eine Quart Getreide kostete 15 - 20 Thaler; zudem war das Geld sehr rar. Solange die Mönche noch in Wadgassen waren, mußten sie in dieser Kriegszeit vom Wilde leben. Hirsche, Wildschweine und Rehe kamen bis vor des Klosters Pforten, wo sie gefangen werden konnten; außerdem fand man von wilden Bienen genug - auch wildes Obst. Von Nachbarn herbeigerufen kam schwedisches Militär in hiesige Gegend, welches besonders gegen Geistliche sehr hart verfuhr, Auf die grausamste Weise wurden alle Katholiken verfolgt und durch alle erdenklichen Martern gequält. Viele wurden an den Gliedmaßen verstümmelt, andere bekamen den Schwedentrank, wieder andere wurden in Fässer eingeschlossen und von den Bergen herabgewälzt. Mönchsgewand durfte sich überhaupt nicht sehen lassen; sie hatten die greulichsten Qualen zu erdulden. Wo Menschen fehlten, da ließen die rohen Soldaten ihre Wut gegen die Bilder aus." (Tritz, op. cit., 101)

Im Jahre 1635 lagen beispielsweise im und um das Kloster Wadgassen fünf Regimenter der als besonders grausam gefürchteten Kroaten. Seit dieser Zeit stand des Kloster leer und war der Zerstörung und dem Verfall preisgegeben. Von 1635 bis 1644 stand die ganze Grafschaft Saarbrücken unter österreichischer und lothringischer Herrschaft; nach dieser Zeit setzten sich bis 1649 die Franzosen hier fest. Seit 1644 hielten sich der neue Abt Philipp Gretsch (1636 - 1667) und einige Mönche wieder in Wadgassen auf. In dieser Periode der militärischen Besetzung mußte das Kloster (und damit seine Leibeigenen) wie auch alle anderen Herrschaften dieser Region für die Unterhaltung der fremden Truppen, diesmal für die Franzosen, aufkommen.

Der 30jährige Krieg wurde durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 beendet. Dennoch wurde unsere saarländische Heimat auch in den nächsten Jahrzehnten mehrfach von Krieg und Zerstörung heimgesucht.

Noch 1652 wird uns berichtet:

"Alles war verfallen und zerstört, aber nicht verbrannt. Die Güter konnten nicht bebaut werden, weil es an Leuten und Vieh fehlte. Die Herren mußten selbst die Hacke zur Hand nehmen, um das Nötigste anzupflanzen. Der boden brachte reichlich. Als man nun wieder etwas gesammelt hatte, verbarg man es zwischen zwei Gewölben über der Sakristei. Dahin brachten auch andere Leute ihr Weniges. Aber 1652 kamen die Schweden, welche noch in St. Avold lagen, und plünderten alles." (Tritz, op. cit., 103)

Im selben Jahr vermerkte der Abt auf einer Kirchenrechnung:

"Die meisten Einwohner sind tempore belli et maxime A. 1634 - 35 - 38 im höchsten Aufruhr, was sich nicht anders wohin salvirt hat, peste, fame, bello gestorben." (Tritz, a.a.O.)

Philipp Gretsch zufolge ist das Kloster Wadgassen im 30jährigen Krieg und in den Jahren danach über hundertmal (!) geplündert worden. Erst nach 1652 kehrte wieder etwas Ruhe ins Land und die Mönche konnte mit dem Wiederaufbau des Klosters beginnen.

Ensheim während der Französischen Revolution (1789 - 1815)
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Die Französische Revolution hatte zwar bereits im Jahre 1789 begonnen, aber es sollte noch drei Jahre dauern, bis auch die Saarregion und damit auch Ensheim von den revolutionären Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Bereits im Jahre 1790 wurde im Rahmen der Zivilverfassung der Kirche von der französischen Nationalversammlung beschlossen, die Kirchengüter zu verstaatlichen und alle Klöster aufzuheben. So sollte auch die Abtei Wadgassen, die 1766 aufgrund eines Tauschvertrages zwischen Nassau-Saarbrücken und dem französischen König an Frankreich gefallen war, aufgehoben werden. Der damalige Abt Bordier intervenierte nicht nur beim Deutschen Reich, sondern sogar in Paris gegen die drohende Säkularisierung - allerdings ohne Erfolg!

Am 29. Juli 1792 lehnte es die französische Nationalversammlung endgültig ab, die bereits beschlossene Aufhebung des Klosters Wadgassen wieder rückgängig zu machen.

In der Nacht vom 4./5. September 1792 flüchteten der letzte Abt Bordier, übrigens selber Franzose von Geburt, und die Mönche zunächst nach Bous, dann nach Ensheim, Trier, Köln und Vallendar und später nach Prag, wo sie im Prämonstratenserkloster Strahov Zuflucht fanden.

(Seit der politischen Wende in der früheren Tschechoslowakei im Jahre 1990 wurden auch den Kirchen und Klöstern ihre durch die Kommunisten enteigneten Besitzungen zurückgegeben. Auf diese Weise ist das Kloster Strahov heute wieder im Besitz der Prämonstratenser - wer nach Prag kommt, sollte dieses Kloster und seine überaus interessante Klosterbibliothek unbedingt besuchen.)

In Frankreich war in dieser Zeit die Radikalisierung der Revolution nicht mehr aufzuhalten: zu sehr hatten der Fluchtversuch des Königspaares ( Sommer 1791) und die nach der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich (Februar 1792) drohende militärische Konfrontation die politischen Führer in Paris beunruhigt!

Zwar erschienen schon bald nach der Kriegserklärung französische Truppen an der Saar, doch waren die Saar-Territorien (Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken und Blieskastel) noch nicht in die Auseinandersetzungen involviert. Überdies hatten sich letztere gegenüber dem französischen Parlament als neutral bezeichnet! In Frankreich selbst allerdings führte die konkrete Bedrohung von außen zu einer weiteren Radikalisierung der politischen Lage, eine Entwicklung, die u.a. in der Verurteilung und Hinrichtung des französischen Königspaares ihren vorläufigen Höhepunkt fand.


Ansicht der ehemaligen Propstei Ensheim aus dem Jahr 1811,
gezeichnet von Baumeister Carl Dercum

Nach einem ersten Vorstoß französischer Truppen an den Rhein im September 1792 kam es zu weiteren militärischen Aktionen im Jahr 1793, wo u.a. das Schloß Karlsberg bei Homburg von den Franzosen vernichtet wurde.

Ein Konventsdekret hatte bereits am 11. Mai 1793 alle Güter der linksrheinischen Territorialherren unter Kriegs-Sequester gestellt. Damit wurden auch die ehemaligen wadgassischen Besitzungen in Ensheim zum Eigentum der Französischen Republik deklariert. Wie die Ortschronik berichtet, konnten sich die Ensheimer dennoch bis 1801 als Besitzer der früheren Klostergüter fühlen!

Ensheim blieb in dieser Zeit von direkten Kriegshandlungen fast verschont: lediglich im Herbst 1793 stießen preußische Truppen über Ensheim nach Saarbrücken vor. Seine Bewohner aber mußten in dieser Zeit gleich mehrfach Kontributionen und Naturalien zur Verpflegung der Truppen stellen - zunächst für die Preußen, später für die Franzosen! In diesem Zusammenhang stellten übrigens 24 Gemeinden der früheren Grafschaft von der Leyen einen Antrag auf Anschluß an Frankreich - nur um den harten Kontributionen zu entgehen!

Mit dem Jahr 1795 war das linke Rheinufer für die nächsten 20 Jahre für Deutschland verloren. Das neue Gebiet wurde von Frankreich sofort voll vereinnahmt: bereits 1795/96 wurde der französische Revolutionskalender eingeführt, und 1797 wurde es verwaltungsmäßig neu eingeteilt: Ensheim gehörte nun zum Kanton Blieskastel, Arrondissement Saarbrücken im Departement Sarre.

Das napoleonische Reich hatte seine größte Ausdehnung um 1812 - vor dem entscheidenden Krieg gegen das zaristische Russland. Und Ensheim war ein ganz kleiner Teil davon...

Die Ensheimer genossen jetzt die Errungenschaften der Französischen Revolution ebenso wie die Franzosen (zum Beispiel die fundamentalen Rechtsgrundsätze des Code Napoléon), mußten aber auch deren Pflichten teilen. Dies bedeutete zum Beispiel für die jungen Männer die Konskription. Wer einen Ersatzmann zu stellen vermochte, konnte sich vom Wehrdienst freikaufen. Dies gelang aber sicherlich nur den allerwenigsten Konskribierten aus Ensheim. So kämpften junge Ensheimer, wie die Ortschronik berichtet, unter Napoleon "in Spanien, Österreich, Preußen und auf den Schlachtfeldern in Rußland. Dem Untergang der 'Grande Armée' auf den Schnee-und Eisfeldern entgingen die meisten, aber viele sind nicht mehr zurückgekehrt."

In den sog. Befreiungskriegen 1813-15 war Ensheim gleich mehrfach Ziel militärischer Einquartierungen preußíscher, bayrischer und russischer Truppen, die jetzt gegen den vor Moskau geschlagenen Napoleon kämpften. Vor allem die russischen Truppen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei der Ensheimer Bevölkerung, wie ein von dem in Ensheim geborenen Pfarrer Peter Bläs hinterlassenes Gedicht "Die Russen in Ensheim 1813" belegt.

Im Ersten Pariser Frieden vom Mai 1814 durfte das von den Koalitionsmächten geschlagene Frankreich Saarbrücken, St. Johann und 44 Dörfer im Umland behalten. Nach der zunächst triumphalen Rückkehr Napoleons aus seinem Exil auf Elba (März 1815) und der verlorenen Schlacht von Waterloo (Juni 1815) wurde im November 1815 der Zweite Pariser Frieden geschlossen, wo Frankreich Saarbrücken und Umgebung wieder an "Deutschland" zurückgeben mußte. Schon im Juni 1815 wurde in der Wiener Kongreßakte festgeschrieben, daß das Saargebiet unter Preußen und Bayern aufgeteilt wird: Preußen erhält den größeren westlichen Teil mit Saarbrücken, Bayern erhält den kleineren östlichen Teil, darunter als westlichsten Außenposten auch Ensheim und Eschringen.

Die nebenstehende Karte des französischen Kartographen und Geographen Edmond Demangeon (ca. 1890) zeigt den Grenzverlauf nach dem Ersten (blaue Linie) und Zweiten (rote Linie) Pariser Frieden.

Ensheimer Genealogie siehe link www.ensheim-saar.de/ehp_30.htm

Geschichte von Ensheim Teil II folgt in Bälde

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