Widerstand im Dorf gegen Adolf Hitlers Schergen:
Mutiger Bilsdorfer Pfarrer sah Unheil voraus
Nikolaus Demmer * Nunkirchen 30.4. 1892
1954
Quelle:
www.lorig.homepage.t-online.de
von Dieter Lorig
Bild Rechts: Pfarrer Nikolaus Demmer
©
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Schon 1933 bekämpften die Nazis Pfarrer Nikolaus Demmer. Der mutige Pfarrer floh und überlebte nur so die Nazizeit
Bereits Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren sie hinter ihm her! Mehrfach musste Pfarrer Nikolaus Demmer, der steckbrieflich von den Nazis gesucht wurde, vor Adolf Hitlers Schergen fliehen. Demmers Schicksal nach seiner Flucht aus Bilsdorf ist in dem kleinen Primstalort weitgehend unbekannt
Vor 60 Jahren scheiterte Claus von Stauffenberg daran, Deutschland von Hitler zu befreien. Stauffenberg bezahlte für diese mutige Tat mit seinem Leben. Bereits zehn Jahre vorher bekämpfte der damalige Bilsdorfer Pfarrer Nikolaus Demmer die aufkommende Naziherrschaft. Mit viel Glück und trotz mehrfacher Versuche der Nationalsozialisten, ihn aus dem Pfarrhaus zu entführen, überlebte Demmer das Regime.
Über Frankreich flüchtete er 1935 - kurz nach Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich - nach Luxemburg. Dort hielt er sich bei Freunden und zweitweise auch in einem Kloster versteckt.
Im Waderner Heimatmuseum ist der Lebensweg und der Widerstand des in Nunkirchen/Saar geborenen Pfarrers anschaulich dokumentiert. Pfarrer Demmer überlebte zwar den Krieg, allerdings erkrankte er nicht zuletzt wegen der ständigen Verfolgung und des psychischen Drucks auf ihn. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 1945 als Seelsorger in Dasburg in der Eifel und später in Weiten. 1954 starb er an den Folgen einer Krankheit, die er sich auf der ständigen Flucht vor der Gestapo zugezogen hatte. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Nunkirchen beerdigt.
Sowohl in der katholischen Kirche als auch außerhalb machte der unerschrockene Pastor immer wieder Front gegen die Diktatur Nazideutschlands. Selbst ein Trierer Bischof und ein saarländischer Pfarrer fielen ihm öffentlich in den Rücken und gaben sich für die Nazipropaganda her, die schon vor der Rückgliederung des Saarlandes, aus Deutschland gezielt vorbereitet "einsickerte".
Mehrfach wurde Pfarrer Demmer steckbrieflich von den Nationalsozialisten gesucht.
Bereits 1933 musste er vor den Nazis von Mandern ins Saargebiet flüchten. Das Saargebiet stand damals noch unter Verwaltung des Völkerbundes. Der damalige Nalbacher Pastor Meffert, ein guter Freund von Demmer, verschaffte dem "widerspenstigen" Kollegen schließlich eine neue Seelsorgestelle in Bilsdorf. Aber auch an seiner neuen Wirkungsstelle in Bilsdorf "wetterte" Pfarrer Demmer von 1933 bis 1935 nicht nur von der Kanzel gegen die Nazis. Er warnte permanent vor einer Rückgliederung des Saargebietes ins Nazideutschland. "In Deutschland gibt es kein Recht und keine Gerechtigkeit mehr...", verkündete Demmer sogar öffentlich in verschiedenen Zeitungen. Waren es doch die Nationalsozialisten, die ihm schon 1932 im deutschen Mandern gedroht hatten, ihn ins KZ zu stecken...
Schulrektor bespitzelte den Pastor im eigenen Dorf
Demmer, Mitglied der Zentrumspartei, arrangierte fortan in Bilsdorf immer wieder geheime Treffen mit Widerständlern aus Saarlouis. Im Bilsdorfer Pfarrhaus besuchten ihn wiederholt Dr. Feien und Dr. Hektor. Diese Treffen wie auch die Person Demmer waren Jakob Weyrich, damaliger Schulrektor in Bilsdorf, von Anfang an ein Dorn im Auge. Aus der Bilsdorfer Schulchronik ist zweifelsfrei nachzulesen, dass der Schulrektor des kleinen Ortes über Jahre den eigenen Pastor bespitzelte. Rektor Weyrich war Ortsgruppenleiter der Organisation "Deutsche Front Bilsdorf". In dieser Funktion brachte der fanatische Schulrektor von 1933 bis 1935 sämtliche Bilsdorfer Vereine und Gruppierungen auf seine Linie für die Abstimmung zur Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland. 88 Prozent der Bewohner von Nalbach und seinen Ortsteilen stimmten am 13. Januar 1935 für einen Anschluss des Saargebietes an Deutschland. Im gesamten Saargebiet waren es gar 90 Prozent. Grund genug für Pfarrer Demmer über Nacht nun auch aus Bilsdorf vor den "legitimiert" anrückenden Nazis zu flüchten. In Bilsdorf gibt es heute nur noch sehr wenige Menschen, die sich an den unerschrockenen Pfarrer erinnern. "Er war ein großer Marien-Verehrer", erzählte Frieda Steffen im Gespräch mit dem Autor dieses Berichtes. Sie war damals zwölf Jahre alt. "Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht", bedauert die Seniorin. Andere heute noch lebende Zeitzeugen aus Bilsdorf erinnern sich daran, dass mutige Bilsdorfer Männer sogar über Nacht das Pfarrhaus bewachen mussten, um ihren Pastor vor eingeschleusten Nazis zu schützen, die ihn entführen wollten...
Dieser von mir verfasste Artikel ist am 22.6.2004 in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Dillingen & Saarlouis erschienen
copyright © Dieter Lorig 2004
Saarländische «Steckbriefe»
