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Bilsdorf
letzte Änderung: 20/1/2007

Prims ab- und aufwärts
entlang der Primstalbahn

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Widerstand im Dorf gegen Adolf Hitlers Schergen:

Mutiger Bilsdorfer Pfarrer sah Unheil voraus
Nikolaus Demmer * Nunkirchen 30.4. 1892 1954
Quelle: link www.lorig.homepage.t-online.de

von Dieter Lorig

Bild Rechts: Pfarrer Nikolaus Demmer
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Schon 1933 bekämpften die Nazis Pfarrer Nikolaus Demmer. Der mutige Pfarrer floh und überlebte nur so die Nazizeit

Bereits Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren sie hinter ihm her! Mehrfach musste Pfarrer Nikolaus Demmer, der steckbrieflich von den Nazis gesucht wurde, vor Adolf Hitlers Schergen fliehen. Demmers Schicksal nach seiner Flucht aus Bilsdorf ist in dem kleinen Primstalort weitgehend unbekannt

Vor 60 Jahren scheiterte Claus von Stauffenberg daran, Deutschland von Hitler zu befreien. Stauffenberg bezahlte für diese mutige Tat mit seinem Leben. Bereits zehn Jahre vorher bekämpfte der damalige Bilsdorfer Pfarrer Nikolaus Demmer die aufkommende Naziherrschaft. Mit viel Glück und trotz mehrfacher Versuche der Nationalsozialisten, ihn aus dem Pfarrhaus zu entführen, überlebte Demmer das Regime.

Über Frankreich flüchtete er 1935 - kurz nach Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich - nach Luxemburg. Dort hielt er sich bei Freunden und zweitweise auch in einem Kloster versteckt.

Im Waderner Heimatmuseum ist der Lebensweg und der Widerstand des in Nunkirchen/Saar geborenen Pfarrers anschaulich dokumentiert. Pfarrer Demmer überlebte zwar den Krieg, allerdings erkrankte er nicht zuletzt wegen der ständigen Verfolgung und des psychischen Drucks auf ihn. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er ab 1945 als Seelsorger in Dasburg in der Eifel und später in Weiten. 1954 starb er an den Folgen einer Krankheit, die er sich auf der ständigen Flucht vor der Gestapo zugezogen hatte. Er wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Nunkirchen beerdigt.

Sowohl in der katholischen Kirche als auch außerhalb machte der unerschrockene Pastor immer wieder Front gegen die Diktatur Nazideutschlands. Selbst ein Trierer Bischof und ein saarländischer Pfarrer fielen ihm öffentlich in den Rücken und gaben sich für die Nazipropaganda her, die schon vor der Rückgliederung des Saarlandes, aus Deutschland gezielt vorbereitet "einsickerte".

Mehrfach wurde Pfarrer Demmer steckbrieflich von den Nationalsozialisten gesucht.

Bereits 1933 musste er vor den Nazis von Mandern ins Saargebiet flüchten. Das Saargebiet stand damals noch unter Verwaltung des Völkerbundes. Der damalige Nalbacher Pastor Meffert, ein guter Freund von Demmer, verschaffte dem "widerspenstigen" Kollegen schließlich eine neue Seelsorgestelle in Bilsdorf. Aber auch an seiner neuen Wirkungsstelle in Bilsdorf "wetterte" Pfarrer Demmer von 1933 bis 1935 nicht nur von der Kanzel gegen die Nazis. Er warnte permanent vor einer Rückgliederung des Saargebietes ins Nazideutschland. "In Deutschland gibt es kein Recht und keine Gerechtigkeit mehr...", verkündete Demmer sogar öffentlich in verschiedenen Zeitungen. Waren es doch die Nationalsozialisten, die ihm schon 1932 im deutschen Mandern gedroht hatten, ihn ins KZ zu stecken...

Schulrektor bespitzelte den Pastor im eigenen Dorf

Demmer, Mitglied der Zentrumspartei, arrangierte fortan in Bilsdorf immer wieder geheime Treffen mit Widerständlern aus Saarlouis. Im Bilsdorfer Pfarrhaus besuchten ihn wiederholt Dr. Feien und Dr. Hektor. Diese Treffen wie auch die Person Demmer waren Jakob Weyrich, damaliger Schulrektor in Bilsdorf, von Anfang an ein Dorn im Auge. Aus der Bilsdorfer Schulchronik ist zweifelsfrei nachzulesen, dass der Schulrektor des kleinen Ortes über Jahre den eigenen Pastor bespitzelte. Rektor Weyrich war Ortsgruppenleiter der Organisation "Deutsche Front Bilsdorf". In dieser Funktion brachte der fanatische Schulrektor von 1933 bis 1935 sämtliche Bilsdorfer Vereine und Gruppierungen auf seine Linie für die Abstimmung zur Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland. 88 Prozent der Bewohner von Nalbach und seinen Ortsteilen stimmten am 13. Januar 1935 für einen Anschluss des Saargebietes an Deutschland. Im gesamten Saargebiet waren es gar 90 Prozent. Grund genug für Pfarrer Demmer über Nacht nun auch aus Bilsdorf vor den "legitimiert" anrückenden Nazis zu flüchten. In Bilsdorf gibt es heute nur noch sehr wenige Menschen, die sich an den unerschrockenen Pfarrer erinnern. "Er war ein großer Marien-Verehrer", erzählte Frieda Steffen im Gespräch mit dem Autor dieses Berichtes. Sie war damals zwölf Jahre alt. "Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht", bedauert die Seniorin. Andere heute noch lebende Zeitzeugen aus Bilsdorf erinnern sich daran, dass mutige Bilsdorfer Männer sogar über Nacht das Pfarrhaus bewachen mussten, um ihren Pastor vor eingeschleusten Nazis zu schützen, die ihn entführen wollten...

Dieser von mir verfasste Artikel ist am 22.6.2004 in der SAARBRÜCKER ZEITUNG Ausgabe Dillingen & Saarlouis erschienen

copyright © Dieter Lorig 2004

Saarländische «Steckbriefe»


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Bilsdorf - gestern und heute
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von Dieter Lorig

Der kleine saarländische Ort kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken

25 Kilometer nordwestlich von der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken entfernt liegt in einem idyllischen Flusstal der Prims das heute 1300 Einwohner zählende Dorf Bilsdorf. Erstmals erwähnt wurde Bilsdorf im 10. Jahrhundert in einer bischöflichen Urkunde als kleine Bauernsiedlung. Georg Colesie, ein verstorbener Heimatforscher aus dem benachbarten Körprich, geht in seinen historischen Nachforschungen davon aus, dass der damalige Gründer dem Ort seinen Namen gab. Aus "Bullingestorf" entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg "Bulstroff", später Biltzdorf". "Waschechte" Bildorfer nennen ihren Ort in der heutigen Umgangssprache "Belschdroff".

Bilsdorf war von jeher eng mit der an der unteren Prims gelegenen Gesamtgemeinde "Nalbacher Tal" verbunden. Für viel Verdruss sorgten 1937 die Nationalsozialisten als sie die beiden Nachbargemeinden Körprich und Bilsdorf kurzerhand "zwangsvereinigten". Bilsdorf hieß ab diesem Zeitpunkt offiziell "Körprich 2".

Dieser unkluge politische Verwaltungsakt führte über Jahre hinweg immer wieder zu Spannungen und Streitigkeiten mit den Körprichern Ortsnachbarn. Erst 1951 wurde Bilsdorf auf Drängen seiner Ratsmitglieder wieder selbstständig.

Auch über die Lage und den Namen der gemeinsamen Bahnstation konnten sich die Körpricher und Bilsdorfer lange Zeit nicht einigen. Da die Eisenbahngesellschaft für beide Orte nur eine Haltestelle zugestand und die Körpricher diese für sich beanspruchten, kam ein kurioser Kompromiss zustande: Der auf Körpricher Gebiet gelegene Bahnhof erhielt den Namen "Bilsdorf"! Erst 1935 wurde die Eisenbahnstation in "Bahnhof Körprich" umbenannt.

Von den einstigen Spannungen zwischen Bilsdorfern und Körprichern ist heute nichts mehr zu spüren. Sowohl die Vereinsarbeit als auch die Arbeit kirchlicher Gremien sind geprägt von beiderseitiger Unterstützung und Kooperation auf vielen Ebenen. Kooperationen gab es auch schon in früheren Zeiten im schulischen Bereich. Wechselweise wurden damals gemeinsame Schulklassen, mal in Bilsdorf mal in Körprich eingerichtet. Im Jahr 1859 wurde in Bilsdorf das erste Schulhaus fertig gestellt. 1924 folgte der Bau eines großen Schulgebäudes, das nach mehreren Umbauten bis 1976 als Grundschule fungierte. Die damals frei gewordenen Schulsäle wurden 1978 in den Gebäudekomplex der Steinberghalle integriert. Heute ist diese Mehrzweckhalle nebst Zusatzgebäude das von vielen Dorfvereinen genutzte "kulturelle Zentrum" von Bilsdorf.

Elektrizität gibt es in Bilsdorf erst seit kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Zuvor mussten erhebliche Bedenken vieler Bürger gegen die neue Technik ausgeräumt werden. Ähnlich war es bei der Einführung einer zentralen Trinkwasserversorgung. Nach lebhaften Diskussionen wurde erst im Jahr 1925 die erste zentrale Trinkwasserversorgung im Ort in Betrieb genommen.

In den beiden Weltkriegen mussten insgesamt 46 junge Bilsdorfer Männer ihr Leben für das Vaterland opfern. Zudem blieben sieben Bilsdorfer Männer vermisst. Sowohl die Namen der Gefallenen als auch im Krieg vermissten Bilsdorfer sind auf einem Ehrenmal auf dem Friedhof dokumentiert.

Meilensteine in der Bilsdorfer Geschichte sind nachfolgend aufgeführte Bauprojekte: Bau einer Kapelle (1891), Neubau einer Schule (1924), Neubau einer Kirche (1949-51), Bau eines Feuerwehrgerätehauses (1958) und eines Kindergartens (1961) sowie einer Mehrzweckhalle (1978).

Seit 1974 gehört Bilsdorf als kleinster Ortsteil zur Großgemeinde Nalbach. Aus dem einst bäuerlich geprägten Ort, in dem früher viele Berg- und Hüttenleute wohnten, ist heute ein schmucker Wohnort im Grünen mit hohem Freizeitwert geworden. Es gibt heute nur noch einen einzigen großen Bauernbetrieb im Ort.

Die meisten Bewohner von Bilsdorf arbeiten in umliegenden Industrie-, Handels- und Wirtschaftsbetrieben sowie bei Banken, Sparkassen und Behörden. Die größten Arbeitgeber in der näheren Umgebung sind die Saarlouiser Ford-Automobilwerke und Dillinger Hütte.

Übrigens, es gibt in Europa noch einen Ort, der Bilsdorf heißt, und zwar in Luxemburg! link hier anklicken...

copyright © Dieter Lorig 2004