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Glashütte Karlsbrunn (1717-1809)
Karlsbrunn, 66325 Großrosseln, Stadtverband Saarbrücken
erstellt am 19/11/2006

Quelle: link www.memotransfront.uni-saarland.de

Bild rechts: Reste der Glashütte. Foto: Raimund Zimmermann
© link www.memotransfront.uni-saarland.de

Der Warndtort Karlsbrunn verdankt seine Existenz der Ansiedlung einer Glashütte im frühen 18. Jahrhundert durch Glasmacher aus Wiesbaden und Otterberg/Pfalz. Graf Carl Ludwig von Nassau-Saarbrücken unterzeichnete 1717 die Gründungsurkunde der damaligen "Spiegelhütten und Glasmanufactur". Im folgenden Jahr 1718 siedelten sich erste Spiegelmacher an, um Spiegel zu produzieren, wie man das weiße Fensterglas nannte. Die Hütte bestand nur wenige Jahre, die Konkursmasse wurde 1723 an die bisherigen Betreiber der Klarenthaler Hütte vergeben, die den Karlsbrunner Betrieb neu in Gang brachten. Als Holzhauer der Karlsbrunner Hütte arbeiteten zu dieser Zeit auch Mitglieder der Familie Eisenhauer, die teilweise in Forbach und Karlsbrunn lebten (Kirchenbucheinträge 1722 bzw. 1725). Die 1741 nach den USA ausgewanderten Mitglieder der Familie zählen zu den Vorfahren von US-General und Präsident Dwight D. Eisenhower. Die Karlsbrunner Hütte wurde 1783/84 erneut kurzfristig stillgelegt, bis im Februar 1784 ein Pachtvertrag geschlossen wurde. Die ledige Metzer Unternehmerin Charlotte Adam übernahm die Pacht und erhielt die Möglichkeit zum Kauf. Jedoch nicht sie, sondern zwei adlige französische Offiziere und ihre Ehefrauen erwarben 1787 den Betrieb: zu drei Vierteln der Artillerieoberst François-Aimé de Seillon und seine Frau Marie-Charlotte Douglas, und zu einem Viertel der Artilleriehauptmann Jean Charles François Gabriel Marie d'Aubert und seine Frau Jeannette Charlotte Susanne d'Urtubie. Jean d'Aubert gehörte seit 1784 dem 1. Bataillon des Artillerieregiments d'Auxonne im Arsenal in Metz an. Der Ritter de Seillon, unter anderem Herr von Courcelles-Chaussy, war 1764-1769 Vizedirektor der Artillerie in Metz. In der Karlsbrunner Hütte arbeitete um 1790 auch Anton Hauder (oder Hoder) aus der Grafschaft Bitsch. Er war Glasschneider, das entspricht dem heutigen Graveur. Der Aufenthalt dieses Fachmannes in Karlsbrunn belegt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zeitraum des Übergangs der Hütte von der Flachglas- zur hochwertigen Tafelglasproduktion nach dem Vorbild der traditionsreichen Hütten im Pays de Bitche. Weil die Familie de Seillon auch während der Revolution Frankreich nie verließ und nie in Karlsbrunn wohnte, wurde sie von der französischen Emigrantenliste wieder gestrichen und hatte keine materiellen Nachteile. Die Familie d'Aubert hatte zwar schon seit 1787 einen Wohnsitz in Karlsbrunn, wurde aber trotzdem auf die Emigrantenliste gesetzt. Jean d'Aubert floh 1793 vor den französischen Truppen. Seine Frau Jeannette wurde in Metz im Gefängnis Refuge als Geisel gehalten, bis sie im Januar 1795 nach Karlsbrunn zurückkehren durfte. Die Glashütte stand seit 1793 unter staatlicher Sequesterverwaltung. Im Jahr 1800 leisteten die Eheleute d'Aubert in Sarreguemines den Treueeid auf die Republik. Frau d'Aubert starb am 5. Dezember 1806 und wurde auf dem Friedhof von Emmersweiler bestattet. Ihr Mann war 1804-1809 Bürgermeister von Ludweiler und der zur Bürgermeisterei gehörigen Warndt-Dörfer. Nach 1809 verzog er nach Bouzonville, wo er am 23. April 1814 starb.

Verlegung des Standortes nach Fenne

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