Von Dr. Maryam Ficociello, Chief Governance Officer bei Red Sea Global
Die globale Tourismusbranche befindet sich an einem kritischen Punkt. Da die Auswirkungen des Klimawandels auf der ganzen Welt immer deutlicher zu spüren sind, konzentriert sich die Diskussion über nachhaltigen Tourismus allzu oft auf den ökologischen Fußabdruck und die Schonung von Ressourcen. Das ist zwar wichtig, zeichnet aber ein unvollständiges Bild. Langfristiger Erfolg im nachhaltigen Tourismus hängt nicht nur von einer soliden Umweltplanung ab, sondern ebenso wichtig ist die Einbettung ethischer Rahmenbedingungen, Transparenz und integrativer Governance-Strukturen in die DNA der Reisezielentwicklung.
Viel zu lange wurde die Steuerung des Tourismus weithin als die ausschließliche Aufgabe der Regierungen angesehen. Diese Annahme ist nicht nur fehlerhaft, sondern schränkt auch unser Potenzial für eine wirklich verantwortungsvolle Entwicklung ein. Als Entwickler zukünftiger Reiseziele haben Entwickler die Pflicht, klare Grundsätze guter Regierungsführung in ihre Reisezielplanung, -gestaltung, ihr Geschäftsgebaren und ihr lokales Engagement zu integrieren.
Unser einzigartiges, vertikal integriertes Entwicklungsmodell bei Red Sea Global (RSG) unterstreicht diese Überzeugung: Wir besitzen und betreiben die gesamte Wertschöpfungskette vom Konzept bis zur Lieferung und machen transparente Governance zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Mandats. Auch wenn nicht alle Entwickler mit dieser Integrationsebene arbeiten, bleibt die Kernlehre dieselbe: Ob durch vertragliche Vereinbarungen mit Partnern, gemeinsam erstellte Governance-Rahmenwerke oder gemeinsame Aufsichtsausschüsse – die Verpflichtung zu Integrität, Verantwortlichkeit und ethischem Verhalten muss in jede Facette des Entwicklungsprozesses eingebunden werden. Ziel ist es, eine Kultur der kollektiven Verantwortung zu fördern, die diese Governance-Grundsätze im gesamten Ökosystem unabhängig vom Betriebsmodell aufrechterhält.
Herkömmliche Modelle versäumen es häufig, die grundlegenden Fragen zu stellen, die die notwendigen Schritte bestimmen, um eine wirklich verantwortungsvolle Entwicklung für nachhaltige Tourismusergebnisse zu erreichen. Wer entscheidet wirklich, wie „Erfolg“ in einem neuen Tourismusziel aussieht? Wessen Stimmen werden in der Planungs- und Ausführungsphase gehört? Und vor allem: Wer wird letztendlich für die Ergebnisse verantwortlich gemacht – seien es Umweltzerstörung, soziale Vertreibung oder wirtschaftliche Ungleichheit?
Wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben, besteht die Gefahr, dass selbst die gutgemeintesten Projekte scheitern, was zu Vertreibung, ökologischer Zerstörung oder sozialen Rückschlägen führt. Von Städten, in denen lokale Proteste aufgrund von übermäßigem Tourismus oder der Verteuerung der Bewohner durch Kurzzeitmieten zu verzeichnen sind, bis hin zu geschätzten Naturstätten, die irreparablen Schaden erleiden, weil sie „zu Tode geliebt“ werden. Diese Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes, bei dem Governance und Rechenschaftspflicht keine nachträglichen Überlegungen sind, sondern von Anfang an verankert sind.
Eine neue Blaupause für verantwortungsvolle Entwicklung
Genau aus diesem Grund streben wir bei RSG danach, ein globaler Pionier im Bereich Destination Governance zu sein. Unser Engagement geht über die Einhaltung von Vorschriften hinaus. Es geht darum, Governance-Rahmen mitzugestalten, die sich an internationalen Best Practices orientieren, sodass unsere Reiseziele allen Interessengruppen fair und gleichberechtigt zugutekommen. Unser Engagement für eine transparente Berichterstattung wird durch unseren jährlichen Nachhaltigkeitsbericht veranschaulicht, der sich an den GRI-Standards und den UN-SDGs orientiert und diese kritischen Fragen direkt anspricht.
Die gute Nachricht ist, dass innovative Governance-Mechanismen bereits in globalen Reisezielen erprobt und umgesetzt werden. Bei RSG integrieren wir verschiedene Umwelt- und Betriebsdatenbanken in Live-Dashboards, die unsere Teams zur kontinuierlichen Überwachung und externe Stakeholder für eine transparente öffentliche Berichterstattung nutzen. Diese Dashboards bieten eine zuverlässige Überwachung kritischer Faktoren wie Wasserqualität, Abfallerzeugung und Kraftstoffverbrauch sowie Tools zur Naturkapitalbuchhaltung, die Echtzeitdaten liefern.
Über Daten hinaus ermöglichen Anwendungen wie unsere Jewar-App die wechselseitige Kommunikation mit lokalen Gemeinschaften. Dies fungiert als direkter Kanal für Feedback und Engagement, ähnlich wie lokale Beiräte, stärkt lokale Partner und stellt sicher, dass ihre Stimmen in unserer laufenden Entwicklung und unserem Betrieb gehört werden – ein direkter Mechanismus für integrative Governance. Um den Risiken des Übertourismus proaktiv zu begegnen, haben wir uns außerdem von Anfang an dafür entschieden, das Wachstum zu begrenzen, um nicht mehr als 1 Million Besucher pro Jahr am Roten Meer und 500.000 in AMAALA unterzubringen – trotz der Möglichkeit, noch weiter zu gehen. Diese bewusste Entscheidung gewährleistet die Erhaltung unserer unberührten Umwelt und das exklusive Gästeerlebnis.
Letztlich müssen sich Reisezielentwickler an die gleichen strengen Standards halten wie jede große Institution, die Veränderungen auf globaler Ebene herbeiführt. Durch den Bau von Resorts und Attraktionen prägen wir Landschaften, Wirtschaft und Gemeinschaften für kommende Generationen. Ohne gute Governance als zentrales Funktionsprinzip besteht die Gefahr, dass selbst die sorgfältigste geplante Infrastruktur das Vertrauen und die Legitimität verliert, die sie zum Gedeihen benötigt.
Es ist an der Zeit, dass der globale Tourismussektor Governance in den Kern seiner Geschäftstätigkeit integriert – nicht als reaktive Maßnahme zur Abwendung von Katastrophen, sondern als proaktive, grundlegende Säule einer verantwortungsvollen Reisezielentwicklung. Nur dann können wir sicherstellen, dass unser Streben nach nachhaltigem Tourismus wirklich dauerhafte Vorteile für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand bringt.