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Sulzbach
rot = Römerstraße (Grülingstraße) Saarbr. – Ottweiler - ... - Mainz
   
 

Ortsteile: Altenwald, Brefeld (ehem. Grube), Bruchwald (bei Neuweiler), Hirschbach,
Hühnerfeld, Neuweiler, Obere Anlage, Untere Anlage, Ruhbachtal, Schnappach

ehem. Grube Mellin

GemeindensaarlandbilderKarteOrtsverzeichnis
Römerstraßen

Geschichte der Stadt Sulzbach

Wichtige geschichtliche Daten

1346erstmalige urkundliche Erwähnung
1549endgültiger Übergang in Nassau-Saarbrück'schen Besitz
1635totale Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg
1728Wiederbesiedlung des Dorfes
1866Sulzbach erhält selbständige Gemeindeverwaltung
1939Verleihung eines Gemeindewappens
1946Erhebung zur Stadt
2001Städtepartnerschaft mit Ravanusa
Geschichte der Stadt Sulzbach
(Fortsetzung) Quelle: link www.sulzbach-saar.de

Bild Rechts: Grube Brefeldlink www.sulzbach-saar.de)

Die historischen Erwerbsquellen

Schon 1462 wurde über damals noch wilde, ungeordnete Kohlengräbereien berichtet. Die Salzgewinnung geht auf das Jahr 1549 zurück [ mehr dazu]. 1736 wurde das unrentable Salzwerk endgültig stillgelegt. Auf der Schmelz stand die erste Eisenschmelze auf europäischem Kontinent, wo es 1765 gelang, mit Koks Eisen zu verhütten. Der Steinkohlebergbau ab Mitte des 19. Jahrhunderts war über 100 Jahre die bedeutendste Erwerbsquelle. Er nahm durch den Bau der Eisenbahn im Jahre 1852 einen enormen Aufschwung. Aber auch die Glasindustrie war im 19. Jahrhundert ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Aus den ehemaligen Harzhütten dieser Zeit entstanden moderne Kokereien. In der Altenwalder Kokerei mit Gasanstalt liefen 1862 die ersten Körtingschen Gasmotoren der Welt, die mit Kokereigas betrieben wurden. Weltruf erlang das koch- und lichtfeste Preußische oder Berliner Blau, das zum Einfärben von Stoffen verwandt und von Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1936 in der Blaufabrik produziert wurde.

Das Wappen

Es zeigt auf blauem Grund einen silbernen Wellenschrägbalken von rechts nach links unten. Links oben sind schräggekreuzt die silbernen goldgestielten Symbole des Bergbaues zu sehen: Schlegel und Eisen. Der Bergbau bestimmte über 400 Jahre das Schicksal der Stadt. Der silberne Fluss in Blau stellt den Sulzbach dar. Er ist in den Farben der Grafen von Saarbrücken-Commery gehalten. Der Sulzbach diente über zwei Jahrhunderte, allerdings mit geringem Erfolg, der Salzgewinnung.

Die Anfänge Sulzbachs

Kein Zeugnis kündet von der Gründung des Dorfes Sulzbach. Erst für das bereits bestehende Dorf setzt mit dem Jahre 1346 die schriftliche Überlieferung ein. Diese gibt aber über die Gründung selbst keinerlei Aufschluss, sondern unterrichtet nur über die Verhältnisse in einem vielleicht schon viele Jahre bestehenden Dorf.

Für eine Bestimmung des Gründungsdatums stehen unmittelbare Zeugnisse nicht zur Verfügung. Anhaltspunkte lassen sich nur auf drei mittelbaren Wegen gewinnen:

  • durch eine Auswertung des Ortsnamens unter namenkundlichen Gesichtspunkten,
  • durch eine siedlungsgeographische Betrachtung,
  • durch eine Untersuchung der frühest feststellbaren Grundherrschaft.

Der Ortsname selbst vermag dabei nur einen ungefähren Anhaltspunkt zu liefern. Die Benennung eines Ortes nach dem Gewässer, an dem er liegt, ist im Gegensatz zu anderen Ortsnamentypen nicht eindeutig einer bestimmten Zeit zuzuordnen. Allerdings schließt der Name mit ziemlicher Sicherheit aus, dass es sich bei Sulzbach um eine frühmittelalterliche Siedlung handelt. Denn die von Gewässern abgeleiteten Siedlungsnamen fanden erst mit den großen Rodungen des Hochmittelalters Verbreitung, so dass man auf diesem Wege eine Gründung Sulzbachs im 12. oder 13. Jahrhundert annehmen könnte.

Diesen sehr vagen zeitlichen Ansatz stützt auch die Siedlungsgeographie. Sulzbach liegt im Herzen des Saarkohlenwaldes, dessen heutige dichte Besiedlung allzu leicht darüber hinwegtäuscht, dass es sich hier um einen der unfruchtbarsten Teile des Saarlandes handelt. Vor der Entdeckung der Steinkohlenlager gab es kaum einen Anreiz, sich hier anzusiedeln, und so verwundert es nicht, dass sich die Besiedlung nur zögernd talaufwärts schob: Dudweiler am Talausgang wird 977 erstmals erwähnt, Sulzbach dagegen erst 1346 zum ersten Mal genannt. Friedrichsthal an den Sulzbachquellen ist erst 1723 gegründet worden. Auch diese Überlegungen führen also zu dem Schluss, dass Sulzbach eine Gründung des Hochmittelalters ist.

Der Untergang des Dorfes Sulzbach im Dreißigjährigen Krieg

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts werden die Nachrichten über Sulzbach sehr spärlich. Offenbar bot die ruhige und stetige Entwicklung des Ortes, der jetzt unbestritten nur noch Saarbrücken gehörte, keinen Anlass zu schriftlicher Überlieferung; die Routineangelegenheiten der Gemeindeverwaltung wurden ja noch bis ins 18. Jahrhundert meist mündlich erledigt.

Der Dreißigjährige Krieg störte diese ruhige Entwicklung zunächst kaum, da die Saarbrücker Grafen es anfangs verstanden, sich aus der Auseinandersetzung herauszuhalten. Schon 1623 aber brach im Sulzbachtal erstmals die Pest aus, 1627/1628 litt der Ort wie die ganze Grafschaft unter den zügellosen Kratzischen Truppen, die hier einquartiert waren.

Zur endgültigen Katastrophe kam es allerdings erst 1635, nachdem Saarbrücken unvorsichtigerweise ein Bündnis mit den Schweden eingegangen war. Darauf verheerten die Kroaten des kaiserlichen Generals Gallas das Land, und in diesem Sturm ging auch das Dorf Sulzbach zugrunde. Am Ende des Jahres 1635 notierte der Saarbrücker Rentmeister Klicker, dass "auf den Dörfern (um Saarbrücken) fast niemand mehr sei, die Untertanen seien teils verstorben, teils aus dem Land entwichen, sich Hungers und der Soldateska zu erwehren". Sulzbach sei "ganz bis auf ein paar Häuser abgebrannt", es gab dort noch zwei Einwohner. Auch der Nachbarort Dudweiler war fast ganz ausgestorben. Es sollte fast ein Jahrhundert dauern, bis Sulzbach wieder neu erstand.

Über die Verhältnisse am Vorabend der Katastrophe unterrichtet ein Renovaturprotokoll, das 1686 im Auftrage der Saarbrücker Regierung erstellt wurde. Damals wurde versucht, die alten Besitzverhältnisse des Dorfes zu rekonstruieren, um eventuelle Erben der verödeten Ländereien ermitteln zu können. Die Angaben dieses Protokolls mögen nicht in allen Punkten zutreffend sein - immerhin lag ja ein halbes Jahrhundert zwischen der Zerstörung des Ortes und den Angaben der befragten Zeugen (in Dudweiler lebende Nachkommen ehemaliger Sulzbacher) -, aber die Grundzüge sind sicherlich zutreffend.

Demnach bestand der Ort vor der Zerstörung aus 24 "Vogteien" oder Höfen (vgl. Karl Ludwig Jüngst "Altes Dorf und Kirche Sulzbach"). Wie 1542 ist auch jetzt ein großer Unterschied im Vermögen der Sulzbacher Einwohner festzustellen, der von dem armen Tagelöhner Scheck bis zu dem Ackermann Hans Baum reicht, der "gute Güter in Posses gehabt" hatte. Wesentlich deutlicher als damals wird aber nun, dass Sulzbach keineswegs eine reine Bauerngemeinde war. Denn in dem kleinen Ort gibt es immerhin zwei hauptberufliche Fuhrleute, und nicht weniger als sieben andere Sulzbacher widmen sich nebenberuflich dem Fuhrbetrieb. Vermutlich sind in erster Linie Kohlen und Holz transportiert worden.

Mit dem Fuhrwesen dürfte es auch zusammenhängen, dass am Ort ein hauptberuflicher Wagner und ein Wirt genannt werden (letzterer vermutlich zur Beherbergung der anreisenden Kohlenhändler). Ansonsten ist auffallend, dass in dem Dorf nun auch ein gräflicher Förster und ein "Herrendiener" leben, wobei der Diener die Jagdhunde des Grafen zu betreuen hatte. Sulzbach war also offensichtlich ein bevorzugtes Jagdrevier der Saarbrücker Herrscher. Dass der Ort insgesamt aber auch zu Beginn des 17. Jahrhunderts keineswegs reich war, beweist die beiläufige Notiz in dem Protokoll, wonach ein Bauer mit zwei Pferden und vier Gartengrundstücken - also mit einem durchschnittlichen Besitz nach Sulzbacher Verhältnissen - ausdrücklich als "arm" bezeichnet wird. Trotz der vielen Nebenerwerbszweige war also die Grundlage des Sulzbacher Wirtschaftslebens auch zu diesem Zeitpunkt recht gering entwickelt.

Die Wiedergründung des Dorfes Sulzbach im Jahre 1728

Der erste Hinweis auf die Absicht der Landesherrschaft, in Sulzbach wieder ein neues Dorf anzulegen, findet sich in einem Schreiben von Graf Friedrich Ludwig vom 14. Oktober 1727, wonach in dem Ort "wieder ein tüchtiges Dorf aufgerichtet" werden solle, einmal, damit die "daselbst in ziemlicher Anzahl sich befindenen Felder und Wiesen" sinnvoll genutzt werden könnten, zum anderen, um den Einkünften der Regierung "einige Vermehrung und Verbesserung" angedeihen zu lassen.

Da es die Regierung nicht an allerlei Vergünstigungen für die Neuansiedler fehlen ließ, meldeten sich in der Tat bald Interessenten. So konnte am 4. März 1728 durch den Fundationsbrief des Grafen die Gründung des neuen Dorfes Sulzbach rechtsgültig vollzogen werden. Jeder der Siedler - es war zunächst an 15 gedacht - sollte Äcker, Gärten und Wiesen aus den vorhandenen gerodeten Flächen (bisher zumeist von der nun aufgehobenen Schweizerei genutzt), erhalten; darüber hinaus konnte weiteres Land gerodet werden, und die umfangreichen Waldungen standen für Holzeinschlag und Schweinemast ebenfalls zur Verfügung, da hier nur für einzelne Anlieger des Bannes - die Friedrichsthaler Glashütte, die Eisenschmelze in Fischbach, das Alaunwerk am Brennenden Berg und den - zwar auf Sulzbacher Bann liegenden, aber bei der Gründung des Dorfes gesondert abgegrenzten - Neuweiler Hof - eine Mitbenutzung in geringem Umfang festgeschrieben wurde.

Die Neusiedler sollten evangelisch-lutherischer Konfession sein und nachdem einige für den Anfang geltende Vergünstigungen im Laufe der Zeit abgebaut sein würden - der Saarbrücker Regierung "wie die übrigen Untertanen der Gegend mit Leibeigenschaft zugetan sein".

Nach dem Tode des Grafen Friedrich Ludwig geriet das Siedlungsprojekt allerdings ins Stocken, zum einen durch Schwierigkeiten der Siedler untereinander, zum anderen weil man sich fragte, ob die Ansiedlung von 15 Bauern in dem Dorf nicht zu einer Beeinträchtigung der als Brennstoffquelle der immer mehr anwachsenden Industrie benötigten Waldungen führen müsse. Erst nach einigem Zögern entschloß sich die neue Fürstin, Charlotta Amalia, am 22. Februar 1730 dazu, den Fundationsbrief zu bestätigen. Allerdings sollte die Zahl der Neuansiedler von 15 auf sechs vermindert werden, da man für mehr die benötigten Äcker und Wiesen nicht beschaffen könne "ohne Schaden und Abgang der Waldungen, als welche durch anderweit angelegte Dörfer, Höfe, Eisenhütten, Glashütten und dergleichen ohnehin schon sehr verschmälert und geschwächt würden". Ausdrücklich mussten sich die Siedler verpflichten, Güter ungeteilt an einen Nachkommen zu vererben, da eine Besitzzersplitterung durch Erbteilung ja die Leistungen für die Herrschaft beeinträchtigt hätte.

Quelle: Sulzbach/Saar, Eine Stadt im Wandel der Zeit

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