Optische Telegraphenstationen im Saarland
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Karten und die meisten Bilder: link www.telegraphe-chappe.com – letzte Änderung: 20/1/2007

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Links: der 2003-2006 rekonstruierte optische Telegraph auf dem Litermont
Photo © Dieter Lorig link www.lorig.homepage.t-online.de

Im Jahre 1813 verlief eine Telegraphenlinie des napoleonischen Reiches auch durch das Gebiet des Saarlandes. Telegraphenstationen befanden sich u.a. in Lebach-Eidenborn auf dem Hoxberg [siehe link www.knorscheid-hoxberg.de/html/opttel1.html] sowie auf dem Litermont bei Nalbach. Inzwischen ist der "Förderverein Optische Telegrafenstation Litermont" dabei, die Station wieder herzustellen, die sich auf dem Litermont befand. Eine Zeremonie der Verlegung des ersten Steines hat am 20. Juli 2003 stattgefunden. Wie kam es zu dieser Telegraphenlinie und was hat es mit den Stationen auf sich? 

1. Historischer Hintergrund

Die Wirren der französischen Revolution im Jahre 1789 spülten Bonaparte Napoleon an die Macht, das linksrheinische Gebiet stand unter französischem Einfluss. Während der Zeit der ersten französischen Republik, also kurz nach der Revolution, gelang es dem französischen Geistlichen und Ingenieur Claude Chappe de Vert (1763-1805) im Jahre 1792 nach mehrjährigen, von seinen Brüdern unterstützten Versuchen, brauchbare optische Telegraphen herzustellen. 

Ursprünglich dachte er an die Verwendung der Elektrizität zu telegraphischen Zwecken, jedoch schienen ihm die damaligen Probleme mit schlecht isolierbaren Leitungen und dem hohen Spannungsabfall entlang großer Entfernungen unüberwindbar. Deswegen machte er sich daran, einen mechanischen Apparat für die Nachrichtenübermittlung zu entwickeln. Einen ersten Versuch gab es am 2. März 1791 im Departement Sarthe zwischen zwei 15 km voneinander entfernt aufgestellten Stationen in Brulon und Parce. Jedoch warf dieser Versuch noch einige Probleme auf; erst am 12. Juli 1793 fand der nächste Versuch statt. Dieser erwies sich als so erfolgreich, dass der französische Nationalkonvent noch am selben Tag den Aufbau einer französischen Staatstelegraphie beschloss, deren erste Linie schon ein Jahr später zwischen Paris und Lille errichtet wurde.

Nachdem sich früh erwies, dass diese Anlage noch einige Probleme mit zu langen und qualitativ schlechten Übertragungen hatte, arbeitete Chappe mit Hilfe des Mathematikers Monge an Verbesserungen des Systems. Es wurden verschiedene neue mechanische Konstruktionen, größere Signalgeber und mobile Stationen für den Einsatz bei schlechten Sichtverhältnissen entworfen.  Sein eigentlicher Telegraph war das Ergebnis intensiver empirischer Forschungsarbeit. Chappe hatte genauestens analysiert, wie verschiedene Farben zur Verbesserung der Erkennungsleistung beitrugen, wie die Form eines Telegraphen ausgearbeitet sein musste und anderes mehr. 


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Die erste Telegraphenlinie (1794) erstreckte sich von Paris nach Lille, und überbrückte die ca. 210 km mit 23 Zwischenstationen. An jeder Station mussten mit einem Fernrohr die beiden benachbarten Stationen ununterbrochen beobachtet, und die eingestellten Signale abgelesen und weitergegeben werden. Mit der Telegraphenlinie war es möglich, eine längere (also aus mehreren Aussagen zusammengesetzte) Nachricht innerhalb einer Stunde von Lille nach Paris zu übertragen, während die Überbringung durch berittene Boten etwa 24 Stunden gedauert hätte. Dies sollte der französischen Regierung einen strategischen Vorteil bei einem befürchteten Angriff Englands erbringen. Lille liegt etwa 50 km südöstlich von Calais, also der schmalsten Stelle des Ärmelkanals. 

Von der Wiedereroberung von le Quesnoy durch die Franzosen am 15. August 1794 konnte der Nationalkonvent in Paris über die Telegraphenlinie schon eine Stunde nach dem Einmarsch der Truppen in Kenntnis gesetzt werden. Der optische Telegraph war im gesamten Machtbereich Napoleons das wichtigste militärische Nachrichtenübertragungssystem. Insgesamt wurden in Frankreich 534 ständige Stationen über eine Strecke von ca. 5000 Kilometern eingesetzt.

Das System wurde in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts für verschiedene Langstreckenverbindungen eingesetzt. Die Telegraphenlinien führten u. a. nach San Sebastian, Toulon, Straßburg und Brest. Wie in Frankreich üblich liefen alle Linien in Paris zusammen. Erst die Erfindung des elektromagnetischen Telegraphen von MORSE ersetzte die optischen Telegraphen ab dem Jahre 1850.

2. Die Linie Metz - Mainz

Im Jahre 1813 wurde das Napoleon-Reich immer mehr durch eine Invasion bedroht. Napoleon benötigte schnelle Übertragungen, und am 13. März 1813 befahl er die unverzügliche Einrichtung einer Telegraphenlinie Metz - Mainz, die auch eine Station auf dem Hoxberg bei Lebach sowie auf dem Litermont bei Nalbach hatte. Mainz war damals ein wichtiger Sammel- und Truppenplatz. Abraham Chappe schaffte sehr schnell die provisorische Errichtung einer Linie mit 22 Stationen. Diese funktionierte erstmals am 22. Mai 1813.


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Heute geht man davon aus, dass viele der Telegraphenstationen nicht stationär aufgebaut waren, sondern transportable Einrichtungen waren. Offenbar gab es aufgrund der klimatischen und topographischen Gegebenheiten viele Schwierigkeiten mit der Übertragung. Nachdem die gegnerischen Koalitionstruppen Bad Kreuznach und die dortige Station am 1. Januar 1814 eingenommen hatten, wurde die Linie Matz - Mainz eingestellt. Wegen der Kürze der Betriebsdauer gibt es keine Überreste der Telegraphenstationen mehr. 

3. Technische Beschreibung


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Die Stationen dieser Telegraphenlinie bestanden meist aus einem Haus für die aus Soldaten bestehende Bedienungsmannschaft und einem hohen Turm, auf dem der Zeichengeber stand. Dieser Zeichengeber bestand aus einem auf dem Turm errichteten Mast, auf dem sich oben ein waagerechter, beweglicher Querbalken (Régulateur) befand. An dessen beiden Enden befand sich je ein drehbarer Zeigerbalken (Indicateur). Die drei beweglichen Teile konnten mit Seilen und Rollen gesteuert werden. Dabei ergeben sich 196 Figuren (sieben Positionen jedes Zeigers und vier des Querbalkens; 7 x 7 x 4 = 196). 

92 besonders gut erkennbare Figuren waren über ein Code-Verzeichnis mit bestimmten Bedeutungen verknüpft. Jede Nachricht wurde durch zwei Zeichen ausgedrückt, deren erstes die Seite (1...92) und deren zweites die Zeile (1...92) im Verzeichnis bedeutete. An der betreffenden Stelle im Code-Verzeichnis stand eine bestimmte Aussage (Buchstabe, Wort, Satz), die ein Element der gesamten Nachricht darstellte. Insgesamt wären maximal 92 x 92 = 8464 verschiedene, festgelegte Nachrichteneinheiten, jeweils vertreten durch zwei Balkenfiguren, möglich. 

Das Code-Verzeichnis wurde streng geheim gehalten. Es gab nur wenige solcher Zeichenbücher, die sich in der Verwahrung von Offizieren befanden. Der Bedienungsmannschaft war daher auch die Bedeutung der Zeichen, die sie aufnahmen, in ein Buch zu Kontrollzwecken eintrugen und an die nächste Station weitergaben, nicht bekannt. Ihre Aufgabe war lediglich, Tag und Nacht (bei Dunkelheit wurden an den Flügeln Fackeln angebracht) mit einem Fernrohr nach den Nachbarstationen auszuspähen und die dort gezogenen Signale weiterzugeben.

Die Nachteile dieser optischen Nachrichtenübertragung liegen auf der Hand: Wetterabhängigkeit, bei Nebel konnten keine Nachrichten übertragen werden, hoher Personalaufwand bei ständiger Beobachtung der Gegenstation und offener Zugriff auf Nachrichten.

4. Optische Telegraphen in Preußen

Nachdem die französischen Telegraphenstationen zu internationalem Ruhm gelangt waren, starteten auch in anderen Staaten verstärkte Bemühungen um nationale Telegraphenlinien. Der preußische Generalstabsoffizier von Oesfeld veröffentlichte 1818 eine erste Denkschrift zur optischen Telegraphie. Die bestehende konservative Militärbürokratie erwies sich als hartnäckiger Hemmschuh. Als General Friedrich Carl Ferdinand Freiherr von Müffling (1775 - 1851) im Januar 1821 vom König zum "Chef des Generalstabes der Armee" ernannt wurde, gewann die neue Nachrichtentechnik einen Fürsprecher an entscheidender Stelle. Nach vielen Vorstößen, Kommissionen und Planspielen folgte am 21. Juli 1832 durch "allerhöchste Kabinettsordre" die Einrichtung einer festen Linie. Den Auftrag zum Bau der Telegraphenverbindung erhielt Majaor Franz August Etzel. Bis Juni 1833 standen die Stationsorte fest. Beginnend bei der Berliner Sternwarte führte die Linie über die Dorfkirche Dahlem nach Magdeburg, über Halberstadt, Höxter und Köln nach Koblenz. Zwischen gut 7 und 11 km lagen die Stationen auseinander. Neben den üblichen neu errichteten Stationshäusern wurden auch bestehende Bauwerke wie Kirchen und Schlosstürme als Telegraphenstation genutzt. 

Der Betrieb auf der ganzen Strecke mit 61 Stationen wurde erst im Herbst 1834 aufgenommen. Mit ihren 750 Kilometern war die Linie von Berlin nach Koblenz, die später bis Trier verlängert wurde, die längste optische Telegraphenverbindung.

 

preußische Station für optische Telegraphie, um 1840

Im Gegensatz zum französischen Original hatten die Maste 6 Telegrafenflügeln. Die 6 Flügel konnten in 4 Positionen gebracht werden:0°,45°,90° und 135°. Dadurch ergaben sich rein rechnerisch 4095 verschiedene Zeichen. Es wurden so nicht nur Zahlen und Buchstaben dargestellt, sondern auch ganze Sätze, Wörter oder Redesätze (z.B. "Die Depeche ist nicht verstanden worden"). 
Der Betrieb der Linie wurde bis 1852 durchgeführt. Es konnte nur immer in eine Richtung telegrafiert werden und die Geschwindigkeit lag bei 1,5 Zeichen pro Minute. So dauerte eine Depesche von etwa 80 Wörtern von Berlin nach Koblenz bei guter Sicht mehrere Stunden; jedoch war dies erheblich schneller (aber auch teurer), als mit einem berittenen Boten. Die Zahl der jährlichen Telegramme wird auf 500 geschätzt.

5. Das Ende der optischen Telegraphie

Das Ende der optischen Telegrafenlinie wurde durch wetterunabhängige elektrische Telegrafie Mitte des 19. Jahrhunderts eingeläutet. Die letzten optischen Telegraphiestrecken wurden 1881 in Schweden außer Dienst gestellt. Die Stationen verschwanden aus den Landschaften und oft auch aus den Gedächtnissen. Immerhin steht heute auf dem Hoxberg bei Lebach wieder eine moderne "Telegraphenstation" mit mehreren Sendeantennen für verschiedene  Mobilfunkdienste.

W. Steffen, April 2004


Quellen: 

  • Thies Pfeiffer: Die Entwicklung der Telegraphie, pdf-Datei vom 8. Juni 1998,
  • Stadtarchiv Meschede: Die Entwicklung des Fernmeldewesens, pdf-Datei
  • Karl Josef Klöhs: Königswinter Optisch-mechanische Telegraphie, in "Rheinkiesel, Magazin für Rhein und Siebengebirge", Oktober 2002,
  • link www.telegraphe-chappe.com (sehr ausführliche Internetseiten zu Leben und Werk von Claude Chappe in französischer Sprache)

Nachtrag: Moderne Senderanlagen anstelle der alten optischen Telegraphen


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