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Weiskirchen 66709 Kreis Merzig-Wadern
letzte Änderung: 12/9/2005


kath. Kirche - 1830-33 Ausstattung 17.Jh.

die Stelle der alten Turmhügelburg "Finkenburg" ist gelb markiert
(vgl. Rappweiler, Neunkirchen/ Nahe, Weierweiler, Mühlenbach)

© link Landesamt für Kataster-,Vermessungs- und Kartenwesen
im Norden liegt der Schimmelkopf, der höchste Berg im Landkreis.

Ortsteile: Konfeld, Petershof, Rappweiler, Thailen, Weierweiler, Zwalbach

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Ortsverzeichnis

Armring und Fingerring aus Weiskirchen
Quelle: link www.gfnf-trier.de
Fo Weiskirchen, Kreis Merzig-Wadern, Hügel III
Material: Gold, Dm. 8,4 und 2,4 cm
H. Dm. 8,4 und 2,4 cm
Inventarnummer G L 1292/ G M 1396

Fotos: © link Rheinisches Landesmuseum Trier

1830 (III), 1851 (I) und 1866 (II) wurden im südwestlichen Hunsrück drei Großhügel mit reichen Bestattungen frühkeltischer Krieger ausgegraben. Ihre Beigaben sind nur unvollständig überliefert und zeichnen sich durch etruskische Importe und qualitätvolles Kunstgewerbe aus. Es handelt sich um sog. Prunkgräber. Die Grabhügel lagen in 30 m (Hügel I-II) und 1000 m Abstand in Sichtweite voneinander auf einem Rücken im südlichen Vorfeld des zu allen Zeiten siedlungsfreien Hunsrückhauptkammes. Auf diesem Rücken führt eine natürliche Passage quer über den Kamm als Höhenweg bzw. römische Kunststraße. Eine bewußte Plazierung der Hügel an diesem Weg kann nach Vergleichsfällen sicher angenommen werden. Der vorgeschobene Hügel III wurde dabei zuerst angelegt. Die trotz unzulänglicher Überlieferung reiche Ausstattung sowohl mit importierten etruskischen Metallgefäßen wie mit keltischem Kunstgewerbe, dazu dessen technische und gestalterische Qualität, machen Weiskirchen zu einer regionalen Schlüsselfundstelle für das Verständnis der Umsetzung mediterraner Vorlagen in keltische Kunst. Besonders nach der Ausstattung von Hügel I wurde eine frühkeltische 'Werkstatt Weiskirchen' mit eigener technischer Handschrift umschrieben, die gestalterisch auf offenbar vor Ort vorhandene etruskische Originale ('Hausschatz') zurückgriff.

Geschichte
Quelle: link www.weiskirchen.de

Erste Spuren einer frühgeschichtlichen Besiedelung in der Gegend um Weiskirchen sind geschliffene Beile der jüngeren Steinzeit (4500 - 3000 v. Chr.).

Von wesentlich größerer Bedeutung sind die Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten drei Fürstengräber aus der Frühlatènezeit (450 - 280 v.Chr.). Die Hügelgräber lagen an der von Trier über Zerf kommenden Römerstraße, die von Nordwesten nach Südosten geradlinig durch die gesamte Gemarkung von Weiskirchen fast parallel mit der Bundesstraße läuft, und deren Ursprünge vermutlich in die vorrömische Zeit zurückreichen. In den reich ausgestatteten keltischen Prunkgräbern wurden zwischen 450 und 380 v. Chr. möglicherweise drei Generationen von Männern einer Sippe bestattet. Zweifellos wurden in Weiskirchen Mitglieder einer Führungsschicht bestattet, die politisch, militärisch, wirtschaftlich und religiös sehr einflußreich war. Ihr aristokratischer Lebensstil wird durch die Grabfunde (eine Goldscheibe, Bronzefibeln, Dolch aus Eisen, Schwert, Lanzenspitzen, Bronzeschnabelkannen, Ring und Armreif aus Gold, goldener Trinkhornbeschlag, etc.) eindrucksvoll belegt [vgl. Grabfunde].

Nach dem Ende des Gallischen Krieges (58-50 v. Chr.), in dessen Verlauf auch die keltischen Treverer, als deren Vorfahren die in Weiskirchen begrabenen Adligen zu bezeichnen sind, unterworfen wurden, setzte die Romanisierung ein. Archäologische Funde aus den folgenden Jahrhunderten, wie z.B. der Grabstein des Martialis, mehrere Brandgräber, Münzfunde, Scherben und Fundamentreste in der Weiskircher Gegend sowie Überreste einer im letzten Jahrhundert unterhalb des Wildparks ausgegrabenen römischen Straßenstation sind Belege für eine Siedlungskontinuität.


Plan der "Finkenburg"
Quelle: Robert SEYLER, Burgen und Schlösser im Land an der Saar.
ZGSaargegend 6/7, 1956/67

Die erste urkundliche Erwähnung Weiskirchens erfolgte im Jahre 1030 durch eine Schenkungsurkunde der Markgräfin Judith von Lothringen an die Abtei St. Eucharius, der späteren Abtei St. Matthias in Trier. Im Jahre 1037 wird diese Schenkung durch die Markgräfin und ihren Mann, den Herzog Adalbert von Lothringen bestätigt. Wenn beide Urkunden auch Fälschungen sind, die im 13. Jahrhundert angefertigt wurden, so ist davon auszugehen, daß ihr Inhalt nicht gefälscht wurde.

Bis zum Jahr 1794 stand Weiskirchen unter der Herrschaft des Klosters St. Matthias. Dann wurde es von französischen Revolutionstruppen besetzt. 1814 übernahmen die Preußen bis 1918 die Herrschaft Der Weimarer Republik folgte 1933-1945 das "Dritte Reich". In den Nachkriegsjahren bis zur Wiedervereinigung des Saarlandes mit der Bundesrepublik Deutschland im Jahre1957 lag Weiskirchen in der französischen Besatzungszone. Mit Inkrafttretung der Gebietsreform im Jahre 1974 wurde die jetzige Einheitsgemeinde Weiskirchen mit den Ortsteilen Konfeld, Rappweiler, Thailen, Weierweiler und Weiskirchen gebildet.

Zur Bestattung im Hügel III gehört auch ein Arm- sowie Fingerring aus Gold. Einzelarmringe wurden zu dieser Zeit von Männern getragen. Goldener Schmuck wie überhaupt Goldobjekte sind als Statussymbole und Insignien eines herausgehobenen Ranges zu werten. Sie zeichnen immer nur Prunkgräber aus, die durch isolierte Lage, auffällige Fernbeziehungen und erlesene Ausstattung die herausgehobene Position des Toten für seine Gemeinschaft herausstellen

Der aus Goldblech gearbeiteten hohle Armring besitzt auf der Außenseite eine Lötnaht und eine in der gleichen, seinerzeit noch neuartigen Technik gearbeitete Umarbeitung.

Der durch drei ziselierte und gravierte Ziergruppen und umlaufende Perlrippe gekennzeichnete Ring entspricht einem regional gut bezeugten Bronzearmringtyp. Die üblicherweise plastischen Zierknoten sind hier jedoch durch einen Flächendekor aus Leiern und Palmetten ersetzt. Die Ringplatte des Fingerrings trägt ein von Perlbändern gesäumtes, achsensymmetrisches Blattornament, ergänzt durch gepunzte Kreisaugen. Die Muster heben sich radikal von den bis dahin bekannten Ziermotiven ab und greifen Vorlagen auf, die mit der Einfuhr von Luxusgütern aus dem Mittelmeerraum gerade erst im keltischen Rheinland bekannt wurden. Hier ist ein Pflanzendekor die Vorlage, der aber in der Umformung durch einen einheimischen Goldschmied schon nicht mehr bildhaft-realistisch aufgefaßt ist, sondern nur als ornamentales Spielmaterial dient. Zusammen mit der Umformung mediterraner Tier- und Menschenbilder bildet sich in solchen Gestaltungen erstmals ein typisch keltischer Zierstil aus (Latènestil), der bis zum Niedergang der keltischen Welt prägend bleibt. Hintergrund dieses Stilwandels ist zweifellos auch ein geistig-religiöser Umbruch.

Quelle : A. Haffner, Die westliche Hunsrück-Eifel-Kultur. Römisch-Germanische Forschungen 36 (Berlin 1976) 220 Nr. 22 Taf. 17,1.3; 165,1-2.- J. Merten, Das dritte keltische Fürstengrab von Weiskirchen. Archäologisches Korrespondenzblatt 14, 1984, 389 ff.- H.-E. Joachim, Ösen-, Drei- und Vierknotenringe der Späthallstatt- und Frühlatènezeit. Bonner Jahrbücher 192, 1992,13 ff. Liste 2, 207.- R. Echt/ W.-R. Thiele, Von Wallerfangen bis Waldalgesheim. Saarbrücker Studien und Materialien zur Altertumskunde 3 (Bonn 1994) 43 ff. Abb. 12.- S. Rieckhoff/ J. Biel, Die Kelten in Deutschland (Stuttgart 2001).- H. Nortmann, Modell eines Herrschaftssystems - Frühkeltische Prunkgräber der Hunsrück-Eifel-Kultur. In : Das Rätsel der Kelten vom Glauberg (Stuttgart 2002) 33-46.

Hans Nortmann