Grube Velsen
66333 Völklingen/ GroßrosselnStadtverband Saarbrücken
letzte Änderung: 19/11/2006

Rossel auf - und abwärts

Bauerneck gehört zu Völklingen, Schafbach zu Großrosseln

Gruben & Schächtewww.saarlandbilder.netKarte

Staatliches Konservatoramt: link Denkmalliste des Saarlandes: Grube Velsen

Bestand: Torhaus, ehem. Pferdestall, ehem. Zechenhaus mit Waschkaue und Verlesesaal, ehem. Fördermaschinenhaus I, Fördermaschinenhaus einschl. Fördermaschine und Fördergerüst, am Gustavschacht II.

Im Gefolge umfangreicher Versuchsbohrungen zur Erweiterung der Grube Geislautern kam es 1899 mit dem Abtäufen des sog. Rosselschachts nördlich von Großrosseln zur Gründung einer neuen Grube, die 1907 nach den Oberberghauptmann Gustav von Velsen benannt wurde und im selben Jahr Anschluß an die Eisenbahnlinie Fürstenhausen-Großrosseln erhielt. Zwischen 1913 und 1917 wurde die ges. Tagesanlage großzügig ausgebaut und um den Schacht Gustav II erweitert, der als einziger noch in Betrieb ist und als Wetter-/und Seilfahrtschacht des Bergwerks Warndt dient, während die verbliebenen Tagesbauten heute überwiegend gewerblich genutzt werden.

Das Ensemble dokumentiert den während des Ersten Weltkrieges erreichten Ausbauzustand der Grube in seltener Dicht und Anschaulichkeit. Die Gebäude liegen auf einer künstlich angelegten Terrasse oberhalb des ehem. Grubenbahnhofs. Weiterhin sichtbares Wahrzeichen ist das Fördergerüst am Schacht Gustav II, ein dt. Strebengerüst, 1915 erbaut und 1936 verstärkt von der Firma Dingler, Zweibrücken. Da der Schacht über zwei Förderungen verfügte, setzt sich das zugehörige Fördermaschinenhaus aus zwei gleichen Bauteilen zusammen. Der Sandsteinbau, dem an der Stirnseite zwei Freitreppen vorgelagert sind, wird durch Rundbogenfenster und Lisenen gegliedert, wobei der Wandgrund ursprünglich hell abgesetzt war. Während im linken Teil heute eine Werkstatt untergebracht ist, befindet sich im rechten Teil noch die ursprüngliche Zwillingsdampfmaschine der Dingler-Werke aus dem Jahre 1916/17, die bis heute in Funktion ist und neben den Exemplaren in Ensdorf und Reden zu den ältesten Dampfmaschinen im Saarbergbau gehört. Das analog gestaltete Fördermaschinenhaus I ist inzwischen zur Heizzentrale umgenutzt.

Den Maschinenhäusern gegenüber liegt auf der anderen Seite der Grubenstraße der ausgedehnt, symmetrisch angelegte Komplex des 1908-11 errichteten Zechenhauses. In der Mitte erhebt sich beherrschend der zweigeschosssige Verwaltungstrakt, ein ungewöhnlich aufwendiger Bau, mit einem an der Fassade risalitartig vortretenden, von einem hohen Pyramidenhelm bekrönten Mittelturm. Auf das Sandsteinerdgeschoß mit korbbogigen Fensteröffnungen folgt ein verputztes Obergeschoß, in das gotisierende Fenster eingelassen sind. Am Turmobergeschoß, das von einem an der Stirnseite giebelförmig hochgezogenen Kranzgesims mit Rundbogenfries abgeschlossen wird, ist in einem Lünettenfeld das Bergbauemblem mit der Inschrift VELSEN GLÜCK AUF angebracht. Seitlich schließen sich nach kurzen, eingeschossigen Zwischenbauten links die Waschkaue (in den 20iger Jahren erwei- tert) und rechts der Verlesesaal an. Beide Bauten treten an der Grubenstraße mit ihren von gr. Segmentbogenfenstern durchbrochenen Schmalseiten in Erscheinung und nehmen mit ihrer Giebelbildung Beziehung zum Turm des Verwaltungsgebäudes auf. Hinter dem Zechenhaus liegt die in jüngerer Zeit aufgestockte ehem. Lampenkaue. Abgerundet wird das Ensemble durch das Torhaus mit Markenkontrolle, ein eingeschossiger Putzbau mit hohem Walmdach und Zwerchhäusern, und durch das versetzt anschließende zweigeschossige Gebäude des ehem. Pferdestalls. Zusammenfassend ist festzuhalten, daß das Ensemble Grube Velsen zweifellos bes. Bedeutung zukommt. Diese liegt ebenso in der Geschlossenheit der Anlage und der architektonischen Qualität ihrer Bestandteile begründet wie in der Vielfalt der dokumentierten Funktionen bis hin zu den Fördereinrichtungen.

Gruben & Schächte


Saarbrückenbilder von C.M. Jung

zugehörige Schächte:

Lunwigsschacht (vorm. Ostschacht)
– Schacht Velsen-West (Ludweiler)

siehe auch Grube Warndt


Grube Velsen 1917
Schächte Gustav I & II
link www.memotransfront.uni-saarland.de


Grube Velsen 1935
Schächte Gustav I & II


Rolf Schramm, Grube Felsen
Quelle: Saarheimat 3´ 1975