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Ludweiler-Warndt
letzte Änderung: 31/1/2008


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RömerstättensaarlandbildeKarteOrtsverzeichnis

gallorömische Steinbildwerke vom Weiherdamm
Quelle: Saarheimat 6´ 1985

Schacht Ludweiler


reformierte Kirche
(anstelle der Hugenottenkirche von 1720)
1786/87 von Balthasar Wilhelm Stengel
Turm 1877, Erweiterung 1958.

In Ludweiler findet sich das
link Warndt-Heimatmuseum


Gallo-römisches Steinbildwerk
gefunden um 1825 bei Weiherdamm
Quelle: Saarheimat 6´ 1985

Ludweiler
Quelle: link www.memotransfront.uni-saarland.de

Ludweiler wurde von 12 reformierten Familien aus Creutzwald um Daniel und Osias de Condé gegründet (zwischen 3. April und 8. Juni 1604). Es ist die älteste hugenottische Neugründung auf linkshreinischem deutschem Gebiet und einzige Gründung einer französisch-reformierten Pfarrgemeinde im Saarland. Die Ansiedler in Lud(wigs)weiler waren rechtlich besser gestellt als die meisten alteingesessenen Einwohner der Grafschaft Saarbrücken. Die Zuwanderer blieben zunächst in der Glashütte von Creutzwald tätig. Sie durften laut Niederlassungsprivileg des Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrücken ihre Religion frei ausüben und eine Kirche mit Pfarrhaus errichten. Ein reformierter französischsprachiger Pfarrer wurde ihnen zugestanden, der vom Landesherren angestellt wurde. 1605 wurde Barthelmy du Cloux aus Metz als Pfarrer in dem neuen Dorf tätig. 1616 errichtete der Glashüttenbesitzer Jean Jacques de Thiétry (aus der Gegend von Darney, Südlothringen) die erste Glashütte in Ludweiler, zugleich die erste in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken. Der Glasverkauf wurde durch die Brüder Johann und Peter Asslinger (Asselain) von St. Avold im südlichen Warndt aus über Holland organisiert.

Die Entwicklung des 350-400 Einwohner starken Dorfes wurde 1635 durch den 30jährigen Krieg gewaltsam unterbrochen, als im Grenzraum französische und schwedische Verbände gegen kaiserliche und lothringische kämpften. Die Ludweiler flohen wie ihre Landesherren zeitweise nach Metz; viele kehrten nie zurück. Nach 1660 lebten in Ludweiler vorwiegend frankophone reformierte Neubürger aus Metz und seinem Umland sowie schweizerische Reformierte aus dem Berner Oberland. Die neuen Bürger waren nicht mehr nur Glasmacher, sondern übten eine breite Palette von Berufen aus. Das Edikt von Fontainebleau (1685) galt formell an der Saar zwar nicht, weil das Edikt von Nantes (1598) hier auch nicht gegolten hatte, dennoch wurde die reformierte Kirche in Ludweiler wie die im nahen Wilhelmsbronn von französischen Truppen niedergebrannt und der Ludweiler Pfarrer zur Auswanderung gezwungen (November 1685). Einen eigenen Pfarrer erhielt Ludweiler erst wieder ab 1720 mit Jean Pierre Guiffardi√®re, dem Schwiegersohn eines deutschen reformierten Pfarrers aus der Pfalz; ihm folgten später deutschsprachige Pfarrer. Nach den 1730er Jahren kamen aus Frankreich oder dem Herzogtum Lothringen keine Glaubensflüchtlinge mehr nach Ludweiler. Aufgrund der französischen Sprache und der reformierten Konfessionszugehörigkeit blieb Ludweiler religiös fast homogen, nur wenige Lutheraner und Katholiken lebten im Dorf. Ludweiler war das religiöse Zentrum für das gesamte Ostlothringen und Saarlouis, von wo reformierte schweizerische Söldner der französischen Garnison zum Gottesdienst kamen. Darüber hinaus war es bis zur Gründung der reformierten Saarbrücker Pfarrgemeinde (1747) und der Fertigstellung der dortigen Friedenskirche (1751) auch religiöses Zentrum für Saarbrücken und St. Johann. Die zunächst französischsprachigen Gottesdienste wurden in Ludweiler bereits Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend um Gottesdienste in Deutsch ergänzt, da sich die Ludweiler Bevölkerung sprachlich zu assimilieren begann und die Reformierten aus Saarbrücken, Geislautern, Naßweiler wie auch die schweizerischen Soldaten aus Saarlouis kein Französisch verstanden. Während der 1794 beginnenden Amtszeit von Pfarrer Zimmermann (†1840) wurde Deutsch allmählich einzige Predigtsprache. Die französische Sprache der einstigen Zuwanderer, zuletzt ein rudimentäres Patois (ungrammatisches bzw. dialektal gefärbtes Französisch), war Mitte des 19. Jahrhunderts bereits weitgehend verschwunden, da Ludweiler seit 1815 zu Preußen gehörte und die Unterrichtssprache seither Deutsch war. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten die meisten Männer aus Ludweiler in den Kohlengruben von Geislautern und Kleinrosseln (Petite-Rosselle). Die reformierten Traditionen hatten sich in einem Assimilierungsprozeß an die lutherischen Traditionen und deren Bekenntnis ebenfalls aufgelöst, einzig das Abendmahl mit ungesäuertem Brot und Rotwein hat sich in Ludweiler bis heute gehalten. Durch den historisch interessierten Pfarrer Friedrich Mohns (Amtszeit 1936-1974), selbst hugenottischer Herkunft, wurde das¬†Geschichtsbewußtsein der heutigen Pfarrgemeinde Ludweiler wiederbelebt. Im Jahr 2000 wurde am Ortsrand von Freyming-Merlebach, wenige Meter von der saarländischen Grenze, in Anwesenheit von saarländischen und lothringischen Politikern ein Gedenkstein zur Erinnerung an die grenzüberschreitende 1000jährige Geschichte des Warndt enthüllt.

Hugenottenkirche Ludweiler

Die im Jahre 1786 neu errichtete Kirche nach Plänen von Balthasar Wilhelm Stengel war der vierte reformierte Kirchenbau an derselben Stelle in Ludweiler. Die schlichte, heute denkmalgeschützte Saalkirche mit drei Fensterachsen auf den Längsseiten und zwei auf den Schmalseiten wurde giebelständig mit Glockentürmchen zur Straße erbaut. 1876/77 wurde ein großer Glockenturm vor den Giebel gesetzt und damit der ursprünglich schlichte, streng calvinistische Ausdruck der Kirche gemildert.

Gerhild Krebs