Völklinger Hütte
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erstellt am 30/12/2004


Völklinger Hütte 1929 – Quelle: link server02.is.uni-sb.de


Völklinger Hütte 1937


© Bernd Langmack 30/12/2004 link www.industriekultur-fotografie.de


© Bernd Langmack


© Horst Bauer 17/2/2004 link www.industriekultur-fotografie.de


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Thomasstahlwerk 1896


Glasgebläsehalle – Quelle: link server02.is.uni-sb.de/huette

Die Gasmaschinen im Gebläsehaus lieferten die nötige Verbrennungsluft ("den Wind") für den Verhüttungsprozeß. An der Entwicklung dieser Gebläsemaschinen war die Völklinger Hütte von Anfang an beteiligt, so daß das Gebläsehaus mit den noch erhaltenen Maschinen ein Blick auf die Geschichte dieser für die Eisen- und Stahlindustrie so wichtigen Technik eröffnet.

Im Inneren des Gebläsehauses erstreckt sich die Maschinenhalle über das ganze Obergeschoß. Sie enthält sechs Gasgebläsemaschinen aus den Jahren zwischen 1905 und 1914 und ist seit einigen Jahren Schauplatz verschiedenster kultureller Veranstaltungen, z.B.: Konzerte, Theater und Modenschauen. Sie diente auch schon als Filmschauplatz.


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Das Pumpenhaus gehört, wie der Wasserturm, zum Wasserversorgungssystem des Hüttenwerks. Zur Kühlwasserversorgung waren 20 Pumpen, aufgeteilt auf drei Pumpstationen, in Betrieb. Das Pumpenhaus I wurde 1910 erbaut und weist heute noch die damals typischen Bauzitate auf. Zu dieser Zeit hatten sich schon Gasmaschinen für den Antrieb von Dynamos und Gebläsen bewährt, woraufhin die Hütte auch für das Pumpenhaus zwei Zwillingsmaschinen erwarb, die bis heute vollständig erhalten geblieben sind. Als Reserve wurde ihnen noch eine Dieselmaschine zur Seite gestellt. Als Kühlwasser wurde grob gereinigtes Saarwasser benutzt.

Der Wasserturm (Bild von 1929)
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Der Wasserturm (darunter die Dächer der Handwerkergasse) in der Rathausstraße gehörte zum Wasserversorgungssystem des Hüttenwerks. Der Wasserbedarf für Kühlung, Druckwasser und andere Verwendungszwecke war erheblich. So lag der Gesamtverbrauch der Hütte an Kühlwasser in den 50'er Jahren bei 6-8 Millionen m³ im Monat, wovon der größte Teil zur Kühling der Hochöfen benötigt wurde.

Mit seinen großflächigen rechteckigen Formen ist der Wasserturm im Stil moderner sachlicher Industriearchitektur gehalten, wobei konstruktive Bauteile wie das Betonfachwerk zugleich die ästhetische Aufgabe erfüllen, den Baukörper zu gliedern.

Durch seine Größe und prägnante Gestalt ist der Wasserturm von weitem sichtbar und gehört zur Silhouette Vöklingens als Hüttenstadt.

Die Geschichte der Völklinger Hütte

1873Der Hütteningenieur Julius Buch gründet bei Völklingen ein Stahlwerk. Sechs Jahre später wird das Werk wieder geschlossen. Die hohen Zölle verteuern die Einfuhr von Roheisen.
1881Carl Röchling kauft das stillgelegte Stahlwerk in Völklingen. Er setzt auf die Produktion von Roheisen: 1883 wird der erste Hochofen angeblasen.
1890Die Unternehmenspolitik Carl Röchlings zeigt Erfolg: Die Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke sind der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands
1891Eröffnung des Thomas-Stahlwerks der Völklinger Hütte. Relativ spät führt Carl Röchling das Thomas-Verfahren auf der Völklinger Hütte ein. Deshalb kann jetzt auch die lothringische Minette in Völklingen verhüttet werden. Bis 1963 wird im Völklingen die Minette eingesetzt.


Völklinger Hütte 1892 – Quelle: link server02.is.uni-sb.de


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Die Völklinger Hochofengruppe wurde zwischen 1882 und 1916 erbaut und umfaßt sechs Hochöfen und 18 Winderhitzer. Die Hochöfen sind durch Leitungen und diverse Anbauten verdeckt und erst bei näherem Hinsehen erkennbar. Das Bild der Hochofenanlage wird vor allem von den Schornsteinen und den Gasabzugsrohren bestimmt. Aufgrund der hohen Beanspruchung mußten die Hochöfen alle fünf bis zehn Jahre neu ausgemauert werden. Erst in den zwanziger Jahren bildete sich eine einheitliche Hochofensilhouette mit ca. 23m Höhe und einem Gestelldurchmesser von ca. 4,5m heraus.

1897Die erste Koksbatterie wird in Völklingen direkt neben den Hochöfen erstellt. Die Röchlings haben viel Erfahrung mit der Verkokung der Steinkohle. Im Sulzbachtal haben sie eine der größten Kokereien im saarländischen Industrierevier betrieben.


Kokerei 1897 – Quelle: link server02.is.uni-sb.de/huette


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Während der Sinterprozeß die Schmelzstoffe für den Hochofenprozeß bereitstellte, sorgte die Kokerei mit dem Koks für den Brennstoff und das Reduktionsmittel zur Roheisengewinnung. In den ersten Jahren des Hochofenbetriebs bezog die Völklinger Hütte ihren Koks von der firmeneigenen Kokerei in Altenwald. Ab 1897 jedoch wurden schon die ersten Koksöfen auf dem Gelände der Völklinger Hütte angeheizt. Wie man auf dem Bild erkennen kann, besteht die Kokerei aus mehreren Komplexen (oder auch Batterien genannt), in denen die Koksöfen dicht aneinandergereit angeordnet sind.

1900Zwei Jahre zuvor ist die erste Gasgebläsemaschine in Betrieb gegangen, die mit dem Gas aus den Hochöfen angetrieben wird. Die Gebrüder Röchling erkennen sofort die Bedeutung der Gasmaschine für die weitere Entwicklung der Eisenindustrie. Gegenüber der Hochofengruppe wird das Gebläsehaus errichtet.
1911Die Hängebahnanlage zur Beschickung der Hochöfen entsteht. Die Völklinger Hütte produziert auf Hochtouren. An den Hochöfen und im Thomas-Stahlwerk wird unter den schwersten Arbeitsbedingungen Eisen und Stahl für den Aufbau der Industriegesellschaft hergestellt.


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Der Erzschrägaufzug, oder auch Erzschrägbrücke genannt, wurde im Zeitraum zwischen 1911 und 1918 erbaut. Er ist Teil eines Seil- und Hängebahnsystems, welches die für den Verhüttungsprozeß benötigten Koks- bzw. Erzmengen zu den Hochöfen transportierte. Die beiden Schrägaufzüge stellten in der damaligen Zeit gewissermaßen eine kleine technische Besonderheit dar, da z.B. ihre Steigungen immerhin ca. 48% betragen. Als technische Besonderheiten des Seil- und Hängebahnsystems sind unter anderem die Gesamtlänge der Gleise zu nennen, die ca. 5,8 km beträgt, desweitern die 310 Kippwagen und die 150 Weichen.

1928Auch die Sintertechnik bietet die Chance, Abfallprodukte des Verhüttungsprozesse - Feinerz, Gichtstaub - zu recyclen. Das feine Material wird in der Sinteranlage bei 1300° C zu stückigem Material zusammengebacken und dann in den Hochofen eingefüllt. In Völklingen entsteht eine der modernsten Sinteranlagen in Europa - damals auch eine der größten.
1944Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges etwa 70.000 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene in den Bergwerken, Hütten und Fabriken des Saarreviers. In den Röchling'schen Eisen- und Stahlwerken waren es bis Kriegsende Tausende Frauen und Männer, vorwiegend aus Russland, Polen und Jugoslawien. Aber auch Menschen aus Italien, Holland, Belgien und Luxemburg waren während dieser Zeit unter schwersten Bedingungen im Einsatz in der Eisen- und Stahlproduktion.
1952Die Völklinger Hütte hat den Höchststand der Produktion erreicht. Der Bauboom der Nachkriegszeit beschert dem Röchling'schen Eisen- und Stahlwerk satte Umsatzraten.
1965Mehr als 17.000 Menschen arbeiten in der Völklinger Hütte. Es ist die höchste Beschäftigtenzahl in der Geschichte der Völklinger Hütte.
1975Die weltweite Stahlkrise erfasst auch die Völklinger Hütte. 1982 werden die Eisen- und Stahlwerke in Völklingen und Burbach zu ARBED-Saarstahl zusammengelegt.
1980Nahe des Völklinger Eisenwerkes entsteht ein neues Stahlwerk. Im Blasstahlverfahren wird das Roheisen aus den Hochöfen zu Stahl weiterverarbeitet.
1986Die Hochöfen der Völklinger Hütte werden stillgesetzt. Tausende von Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Eisenzeit in Völklingen geht zu Ende.
1992Teile der stillgelegten Hütte werden unter Denkmalschutz gestellt, das Eisenwerk wird Industriedenkmal. 1994 erklärt die UNESCO die Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe.
1994Die UNESCO erklärt die Völklinger Hütte zum "Weltkulturerbe".
1999Das Saarland gründet die neue Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte - Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
2000Erstmals besuchen mehr als 104.000 Menschen das Weltkulturerbe Völklinger Hütte.
2004In der Möllerhalle wird das Science Center "Ferrodrom - die Erlebniswelt des Eisens" eröffnet.
10-jähriges Jubiläum der Völklinger Hütte als UNESCO-Weltkulturerbe.


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Die Handwerkergasse war Sitz der Bauabteilung des Hüttenwerks, die unter anderem für die Aufrechterhaltung eines reibungslosen Produktionsablaufs zuständig war. Für Umbaumaßnahmen und Instandsetzungsarbeiten, die während des laufenden Betriebs anfielen, waren Handwerker der verschiedensten Berufe beschäftigt. So waren z.B. Mitte der fünfziger Jahre über 100 Arbeiter für die Handwerkerkolonne tätig. Reparaturen fanden häufig an Sonn- und Feiertagen und meist unter großem Zeitdruck statt. Heute wird die Handwerkergasse von der Staatlichen Kunsthochschule für ihre Zwecke genutzt.

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