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Geislautern - Technologiezentrum des frühen Montanwesens
erstellt am 21/2/2005
Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 32): Der Völklinger Stadtteil Geislautern
Quelle: link www.delfslotta.de

Technologiezentrum des frühen Montanwesens


Repräsentatives spätbarockes Verwaltungsgebäude der
Eisenhütte in der Schlossstraße Nr. 20
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Nur wenigen ist bekannt, dassder heutige Völklinger Stadtteil Geislautern über Jahrhunderte hinweg ein bedeutsamer Montanstandort war. Zahlreiche Innovationen im Bereich des Bergbaus und des Eisenhüttenwesens sind hier auf den Weg gebracht worden. Die Anfänge der Geislauterner Eisenhütte gehen auf 1572 zurück. Damals erteilte der Landesherr, Graf Johann IV., die Erlaubnis, in der Grafschaft nach Erz zu graben sowie Hammer- und Schmelzwerke anzulegen.

Besondere Bedeutung erlangte die Eisenhütte dann in der napoleonischen Zeit. Der Kaiser Frankreichs hatte ein besonderes Interesse an Geislautern - aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen. Der Hütte wurde daraufhin eine praktische Berg- und Hüttenschule zur Ausbildung von Ingenieuren angeschlossen. Zum Direktor der Schule wurde Jean Baptiste Duhamel ernannt. Ein Akademiegebäude und Beamtenwohnungen entstanden. Unter anderem erhielt die Geislauterner Einrichtung den Auftrag, die Kohle-Vorkommen an der Saar karthographisch festzuhalten. Im Jahr 1810 hatten dann die Ingenieure Beaunier und Calmelet (siehe "Stollen und Schächte im Steinkohlenbergbau an der Saar", Teil 24) das Werk vollendet: den Saarkohlenatlas. Dieses Werk stellt die erste flächendeckende Erfassung der industriellen Strukturen in der Saarregion dar. Der Atlas wurde in den Folgejahren zur Grundlage der systematischen Erschließung der saarländischen Steinkohlenlagerstätte. Außerdem wurden in Geislautern Versuche zur Eisenverhüttung mit Steinkohle durchgeführt. Das Eisenwerk bestand zu diesem Zeitpunkt aus zwei Hochöfen, drei Frischfeuern und einer Schwarz- und Weißblechfabrik. Während die Eisenwaren größtenteils im Rheinland und in Holland abgesetzt wurden, verkaufte man Stahlerzeugnisse und Bleche fast ausnahmslos nach Frankreich.


Auszug aus dem Saarkohlenatlas von Beaunier und Calmelet 1810.

Im Jahre 1815 wurde das Eisenwerk Besitz des preußischen Staates, der es 1827 an die Gebrüder Stumm verkaufte. Die beiden Großindustriellen brachten es in die Dillinger Hütte ein, an der sie bereits maßgeblich beteiligt waren. In den 1840er-Jahren wurde ein Puddel- und Walzwerk in Betrieb gesetzt. Die ungünstige Verkehrslage und der Aufschwung des Hauptwerkes in Dillingen führten jedoch 1874 zur Stilllegung der Hochöfen und später auch des Puddelwerkes. 1884 wurden die Anlagen verkauft und in der Folgezeit die meisten Gebäude abgerissen. Die verbliebenen Baulichkeiten übernahm 1893 die Mühle Abel & Schäfer. Der größte Teil des Bergschulgebäudes fiel jedoch 1945 einem Großbrand zum Opfer und wurde später abgerissen.

Die Objekte und Spuren, die an den für das saarländische Montanwesen so wichtigen Standort erinnern, liegen allesamt in der Geislauterner Schloss-, Warndt- und Hammerstraße. In der Schlossstraße 20 hat sich das schmucke, in Teilen noch originale spätbarocke Verwaltungsgebäude der Geislauterner Eisenschmelze aus den 1820er-Jahren erhalten. Ihm gegenüber befindet sich eine aus drei Hüttenarbeiterhäusern bestehende Zeilenbebauung, die wohl zwischen 1822 und 1842 entstanden ist.


Dachreiter mit Schlägel und Eisen.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Diese Gebäudeeinheit Schlossstraße 16-18 ist sehr aussagekräftig. Über einem hohen Sockel erhebt sich der eingeschossige Bau, der noch die Sandsteingewände sowie das Satteldach mit den Falzziegeln als traditionelle Dachhaut aufweist. Inmitten des Geländes der Mühle Abel & Schäfer und dennoch gut einsehbar steht als einziges übrig gebliebenes "technisches Denkmal" ein ehemaliges Triebwerksgebäude mit durchgehendem Satteldach. Ein kleiner Dachreiter mit Schlägel und Eisen, den Symbolen des Bergbaus, krönt die schlichte Architektur. Das Gelände der einstigen Berghochschule, gelegen zwischen der Hammer- und Schlossstraße, wird von einer Umfassungsmauer eingerahmt. Eine Erinnerungstafel und der "Schlosspark" selbst weisen auf diese untergegangene Ausbildungs- und Forschungsstätte des Montanwesens hin.

Es ist zu hoffen, dass die wenigen erhaltenen Relikte der industriellen Vergangenheit Geislauterns dauerhaft gesichert und künftig verstärkt der Öffentlichkeit näher gebracht werden.

Delf Slotta

IV Steinkohle 4/2004

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