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Villa Vopelius in Sulzbach
66280 Stadtverband Saarbrücken | link www.sulzbach-saar.de

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Die Villa Vopelius
Quelle: link www.vhs-sulzbach.de

Wie der Name bereits besagt, geht der Bau der Villa Vopelius zurück auf die Familie Vopelius, die für die industrie in Sulzbach und in Schnappach eine entscheidende Rolle spielte. Denn Carl Philipp Vopelius ist es zu verdanken, dass sich erst in Schnappach und dann in Sulzbach selbst Glashütten etablierten, die länger als 140 Jahre einen lukrativen Gewerbezweig in der Region darstellten.

Trotz einer für damalige Verhältnisse aufwendigen Sozialpolitik erwirtschafteten die Sulzbacher Glashütten hohe Gewinne und ermöglichten den Mitgliedern der Familie Vopelius einen geradezu fürstlichen Lebensstil, von dem die zahlreichen, heute allerdings zum Großteil abgerissenen Familienvillen Zeugnis geben.

Eine davon ist die heute noch zum Teil erhaltene Villa Vopelius in der Sulzbachtalstrasse. Sie wurde im Auftrag von Charlotte Braun, Carl Philipp Vopelius Tochter, im Jahre 1837 von einem italienischen Architekten errichtet, der sich den Bauformen der italienischen Renaissance verpflichtet fühlte. Erst im Jahre 1864 wurde der Kernbau durch zwei flach gedeckte Seitenflügel erweitert, die nach vorne hin eine Art Ehrenhof ausbildeten. In Anlehnung an italienische Villenbauwerke wurde auch hier ein äußerst repräsentativer Bau inmitten einer großen Parkanlage geschaffen, der im hinteren Bereich über die Offnung von Loggien und Arkaden den Bezug zur Landschaft herstellte.

In Anlehnung an den Renaissancearchitekten Andrea Palladio (1508-1580) orientierte sich auch die Villa Vopelius an Rationalität und Monumentalität und am Gedanken des Zentralbaus [vlgl. einige Palladio-Villen]. Über einem annähernd quadratischen und axialsymmetrischen Grundriß schließt ein flaches Zeltdach den zweigeschossigen, ursprünglich ockerfarbenen Bau ab. Drei Fensterachsen ordnen rhythmisch die Fassaden, als deren weitere Gliederungselemente grüne Gesimse zur Anwendung kamen. Ein umlaufendes Gurtgesims, sowie ein Sohlbankgesims trennten ganz klar die beiden Geschosse des Kernbaus und betonten die klare Quaderform, Die Trennung wurde aber auch unterstrichen durch die Verwendung von unterschiedlich bearbeiteten Steinen für Erd- und Obergeschoß; unten zeigte die Rustika eine deutlich greifbarere Struktur als das glatte Mauerwerk oben. Aus Kostengründen wurde bei der Rustika allerdings auf eine komplette Ausführung in Stein verzichtet und außer an Hausecken und Fensterrahmungen wurde mit einem Imitat aus Putz gearbeitet, das den Eindruck einer homogenen Sandsteinoberfläche vermittelt. Gegensätzlich sind auch die Einfassungen der Fenster, die unten ohne besondere Rahmung in die Rustika eingebunden sind, oben aber ganz im Sinne des Klassizismus mit einem Architrav versehen sind, der wie die Rahmung selbst eine starke Profilierung aufweist.

Die Schauseite zur Strasse war ansonsten eher dezent gegliedert, während die Rückseite zum Park einen ziemlich aufwendigen Aufbau aufweist. Eine Portalarchitektur mit geradem Abschluß rahmte die Eingangstür vorne und diente gleichzeitig als Balkon. Dieser wurde einerseits durch ein umlaufendes Gurtgesims dem Bau integriert, andererseits trug er wie die aufwendige Türrahmung zur Akzentuierung der Mittelachse bei, die auch bei der Gestaltung der Rückseite aufgegriffen wurde. Dort war die mittlere Fenstertür des Obergeschosses mit zwei Volutenkonsolen hervorgehoben. Das durch die Hanglage ermöglichte ebenerdige Souterraingeschoß wurde im Außenbereich als offener Gang aus fünf Arkaden mit Rustikagliederung gestaltet und diente gleichzeitig als Stütze einer flachgedeckten Säulenhalle toskanischer Prägung. Auch hier zeigte sich wieder die verbindende Rolle des Gesimses, das sie der Fassade einband und so die Geschlossenheit des Baus betonte. in Anlehnung an den Kernbau hatten auch die beiden Seitenflügel zur Gartenseite hin Arkadenöffnungen, sowie drei Fenster und Brüstungen aus schräg gestellten, vermauerten Ziegeln als Begrenzung der Dachterrasssen. Nach oben schloß das Hauptgebäude unterhalb des ursprünglich mit Naturschiefer gedeckten Daches mit einem hölzernen Traufgesims mit Zahnschnittfries ab. Auch das Innere war von der Mittelachse ausgehend ziemlich feudal gestaltet. Hohe, wohlproportionierte Räume gruppierten sich im Eingangsbereich um einen hallenartigen Flur, der den Blick vom Eingang über das Foyer zu Garten und Loggia hin freigab. Das Erdgeschoß war ehemals zu Repräsentationszwecken ausgebaut, im Obergeschoß befanden sich die Schlafräume und im Dachgeschoß die Räume für das Personal, während im Keller die Küche und die Vorratsräume untergebracht waren.

Straßenausbau und andere städtebauliche Objekte verunstalteten den Bau erheblich. Die Verbindung zum Park riß vollkommen ab, der rechte Seitenflügel wurde abgerissen und der Zustand verschlechterte sich zusehends.

Einen Aufschwung erlebte die Villa Vopelius, nachdem sie im Jahre 1982 in die saarländische Denkmalliste aufgenommen worden war und sich die Denkmalbehörden um den Erhalt und eine neue Nutzung des Gebäudes bemühten. Verschiedene Eigentümer versuchten im Laufe der Jahre, ihre Pläne zu verwirklichen bis im Jahre 1996 die Stadt als damalige Eigentümerin den Bau an die Firma Kerber Consult GmbH verkaufte, welche die Villa zu privaten Wohnzwecken nutzen wollte. So wurde im Jahre 1997 mit der eigentlichen Sanierung in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Staatlichen Konservatoramt begonnen und heute ist uns dank auch der Unterstützung des Stadtverbandes der wesentliche Aussagewert der zeitgenössischen Architektur erhalten.

Dr. Brigitte Quack

Literatur:

Die Villa Vopelius in Sulzbach. Hrsg. Stadtverband Saarbrücken, Untere Denkmalschutzbehörde. Saarbrücken 1999. (Broschüre erhältlich für 4,-DM)

SulzbachlSaar. Eine Stadt im Wandel der Zeit. Hrsg. Dr. Karl L. Jüngst, Dr. Dieter

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