www.saarlandbilder.net | burgen & schlösser | karte | ortsverzeichnis
St. Ingbert Karte Geschichte Stiefel Kirchen Alte Schmelz Rischbachstollen Glashütte
Geistkircher Hof Hassel Oberwürzbach Reichenbrunn Rentrisch Rittershof Rohrbach Sengscheid
Stiefeler Schloß
letzte Änderung: 31/12/2004


Grundmauern einer salischen Turmburg


Grundruß nach Böhme


Heinrich-Kohl-Hütte auf dem Stiefel
link Pfälzerwald-Verein St. Ingbert
© link www.st-ingbert.de

Pfälzerwaldverein – Ortsgruppe St. Ingbert: link www.de-schdiwwel.de

Sengscheid
 
   

St. IngbertBurgen & Schlösserwww.saarlanbilder.net


Stiefeler Fels – Quelle: Bünte

Der Große Stiefel bei St. Ingbert
Quelle: link www.ensheim-saar.de

Der Große Stiefel ist zunächst einmal ein Berg im Südwesten der früheren Kreisstadt St. Ingbert, der wohl schon in vorrömischer Zeit besiedelt war und eines der interessantesten Bodendenkmäler in unserem Raum ist. Auf diesem Berg befindet sich das sog. Stiefler Schloss, heute nur noch als Ruine erhalten, ein großes Trümmerfeld nördlich davon sowie zwei interessante Felsen auf der Bergnase im Nordosten des Berges. Das Stiefler Schloss wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Archäologen Dr. Mehlis eingehend untersucht, wobei auch diverse Ausgrabungen durchgeführt wurden, über die der St. Ingberter Lokalhistoriker Wolfgang Krämer detailliert berichtet.

Böhme: Oberhalb von St. Ingbert-Rentrisch, erhebt sich die über 1 km lange Bergzunge des »Großen Stiefels« *. Im frühen Mittelalter wurde der Südwestteil durch einer geradlinig verlaufenden Abschnittswall mit vorgelagertem Graben vom übrigen Bergrrücken abgeriegelt. Aus dieser gut 300m langen und fast 100m breiten Befestigung stammt neben Keramik der merowingischen und karolingischen Zeit sowie solcher des 10.-12. Jahrhunderts auch ein Metzer Denar des späten 10. Jahrhunderts. Innerhalb dieser ausgedehnten, vermutlich nicht nur als Refugium genutzten Wallanlage wurde nahe der Südkante aus dem Erdaushub eines hufeisenförmigen Grabens eine Motte aufgeschüttet, auf der man offenbar eineen Holzturm errichtete. Wohl im 11. Jahrhundert grub man die mittleren Erdmassen des Hügels bis auf den gewachsenen Fels wieder aus, erbaute einen mächtigen rechteckigen Wohnturm von 8,4m x 11,4m Größe und schüttete die Erde wieder an, so daß wir es mit einer typischen Einmottung zu tun haben. Die Innenmaße des Steinturmes betrugen bei einer Mauerstärke von 1,8m etwa 4,8m x 7,8m. Das Gußmauerwerk war beidseitig mit rechteckigen, schichtgelagerten Hausteinen und verbauten Spolien verblendet. Gerade im Bereich der eingemotteten Turmburg (sog. Stiefeler Schloß) fand sixh vor allem die jüngere Keramik des 10.-12. Jahrhunderts. Beim »Großen Stiefel« wurde demnach wie beim »Schlössel« oberhalb Klingenmünster in eine ältere frühmittelalterliche Fliehburg während des 11. Jahrhunderts eine grabenumwehrte Turmburg hineingebaut. Mit aller gebotenen Vorsicht könnte man die frühmittelalterliche Wehranlage auf dem Großen Stiefel als eine Befestigung der Grafen im Saargau ansprechen. Ob die jüngere Turmburg von deren Rechtsnachfolgern, u.a. den seit etwa 1080 genannten Grafen v. Saarbrücken, erbaut und benutzt wurde, muß vorerst reine Vermutung bleiben.

* R. Seyler, die vor- und frühgeschichtliche Höhenburg auf dem Großen Stiefel bei St. Ingbert. Ber. Staatl. Denkmalpflege im Saarland 11, 1964, 87-119. – R. Schindler, studien zum vorgeschichtlichen Siedlungs- und Befestigungswesen des Saarlandes (1968) 14f. – J. Conrad u. St. Flesch, Burgen und Schlösser an der Saar (1988).

Einer der beiden Felsen hat die Form eines umgedrehten Stiefels und hat so wohl seinen Namen bekommen. Schon im Weistum von 1458 wurde der Fels als Styffel bezeichnet und war offenbar ein markanter Punkt der Gemarkungsgrenze.

Der Große Stiefel gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum Kloster Wadgassen und lag auf dem Ensheimer Bann, erstmals dokumentiert durch den Geometer Knoertzer auf der großen Bannkarte von 1765. Durch die Jahrhunderte hindurch dürfte der Stiefel immer wieder bewohnt gewesen sein, zuletzt im 18. Jahrhundert.

Bild Rechts: © Paul Glass

In der Nähe des Stiefelfelsens steht der Stiefelfels, ein Menhir, der unter dem Namen Teufelstisch bekannt ist. Auch er ist eine imposante Erscheinung auf dieser Bergkuppe.

In der Deutung dieser beiden Felsen gehen die Interpretationen weit auseinander. Wolfgang Krämer vermutet, dass sie auf natürlich Weise, also durch Erosion entstanden sind und den Bewohnern bereits in der Frühzeit als Kultstätte gedient haben, während Johann Weber die Ansicht vertritt, es handele sich bei ihnen lediglich um die Reste eines mittelalterlichen Steinbruchs, eine Meinung, der man nicht folgen kann, sobald man den Platz vor Ort in Augenschein genommen hat. Ein ehemaliger Steinbruch hinterlässt einfach andere Spuren als sie hier vorhanden sind.

Literatur: