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Zechenhaus der Grube Reden
66578 Landsweiler-Reden, Schiffweiler, Kreis Neunkirchen
erstellt am 19/2/2005

Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 8): Das Zechenhaus der Grube Reden Quelle: link www.delfslotta.de

Einziger Großbau an der Saar aus den 1930er-Jahren


Symmetrien und rechte Winkel bestimmen die strenge
Architektur des Zechenhauses.
Auf Reden wurden Ende 1995 die letzten Kohlen gehoben.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Bereits seit dem 15. Jahrhundert wird im Schiffweiler Raum nach Steinkohlen gegraben. Der Bergbau im großindustriellen Maßstab setzte hier jedoch erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Der preußische Staatsminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752-1814) wurde namensgebend für die im Jahre 1847 im so genannten Grubenwald angehauene Schachtanlage, die ihre Anfänge in einem im Klinkenthal 1846 angeschlagenen Wasserlösungsstollen hat. Die Grube Reden entwickelte sich in der Folgezeit, auch aufgrund ihrer Anbindung an die im Jahre 1852 eröffnete preußische "Saarbrücker Bahn", glänzend. In den Jahren 1850, 1856, 1887 und 1914 wurden weitere Schächte niedergebracht. Entsprechend überzog ein "Wald" von Fördergerüsten die Tagesanlagen dieser "Eisenbahngrube". Am 29. Dezember 1995 wurden aus dem Schacht V von Reden die letzten Kohlen gehoben. Reden hatte nach 148 Jahren aufgehört, ein selbstständiges Bergwerk zu sein. Die Anlage wurde dem Verbundbergwerk Göttelborn/Reden zugeschlagen. Nach dessen Stilllegung bleibt Reden Standort der zentralen Wasserhaltung für den Ostraum des Saarreviers.

Kernbau und Wahrzeichen der noch immer eindrucksvollen Redener Tagesanlagen ist das großdimensionierte Verwaltungs- und Kauengebäude. Die Errichtung dieses Zechenhauses ist im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Grube zu einer Großförderanlage im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches zu sehen. Reichsminister Hermann Göring hatte bei seinem legendären Propaganda-Besuch im November des Jahres 1935 auf Reden dieses Vorhaben angekündigt. Entsprechend investierte die Saargruben AG in den Auf- und Ausbau der Grube und unter anderem auch in den Neubau eines modernen und repräsentativen Zechenhauses mit Badekaue, Lampenkaue, Steigerstuben, Lohnhalle, Magazin, Verbandsstuben, Markenkontrolle, Erfrischungsraum und Abstellraum für Fahr- und Motorräder.

Noch im Jahr 1935 war das alte Grubenkonsumgebäude und das am Eingang der Grube stehende Hubertushaus niedergelegt worden. Schon am 10. August 1936 setzten die Arbeiten zur Errichtung dieses nach damaligen Maßstäben sehr großen Zechenhauses ein. Der Rohbau des Gebäudes war am 1. Juli 1937 fertiggestellt. Seine feierliche Einweihung und Inbetriebnahme erfolgte schließlich am 10. Juli 1938 im Beisein von Vertretern der Partei, der Behörden und der Belegschaft, wobei in den Berichten überwiegend der Begriff "Gefolgschaft" Verwendung findet. In der Festveranstaltung wurde immer wieder die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft des Saarbergmannes betont, zugleich wurden die Leistungen der Saargruben AG seit der Übernahme am 1. März 1935 gepriesen. In ähnlicher Weise kommentierte die Presse das Ereignis.

Entstanden war ein großer, gewinkelter Baukörper. Dieser ist in den 1980er-Jahren in der südlichen Verlängerung des Nordflügels erweitert worden. Die "historischen" Kernstücke des Gebäudes sind der Nord- und der Westflügel, wobei der Westflügel das Hauptportal aufnimmt. Der Ziegelbau wurde in zwei farblich unterschiedlichen rotbraunen Arten aus Birkenfelder Klinker errichtet. Symmetrien und rechte Winkel prägen sein Erscheinungsbild. Die bewusst sachlich gehaltenen Fassaden finden einen besonderen Blickfang im mächtigen, von Pfeilern unterteilten Eingangsportal. Es zeigt im Innern als Ornamente antikisierende Mäander-Bänder. Diese Motive sind Ausdruck einer strengen Architekturauffassung, wie sie der Nationalsozialismus für "wichtige" Gebäude anzuwenden pflegte. Eine zusätzliche Überhöhung erhält die imposante Architektur durch die überlebensgroße Skulptur des "Saarbergmannes", die aus der Werkstatt des Bildhauers Fritz Koelle (1895-1953) stammt und mit der Eingangssituation korrespondiert. Der "Redener Hannes", wie die Bergmannsfigur von den Einheimischen liebevoll genannt wird, ist ein ausdrucksstarkes Beispiel für die heroisierende Darstellung des Arbeiters im Dritten Reich.

Der landesgeschichtliche Wert sowie die kunsthistorische und architektonische Bedeutung des Redener Zechenhauses sind hoch. Es ist im Denkmälerbestand des Saarbergbaus das einzige Beispiel eines Großbaus aus den 1930er-Jahren. Es muss in seiner für die Jahre des "Dritten Reichs" charakteristischen Monumentalarchitektur als hervorragendes, um nicht zu sagen herausragendes Dokument seiner Zeit bewertet werden.

Sein dauerhafter Bestand kann - glücklicherweise - mittlerweile als gesichert gelten, seitdem die Landesregierung beschlossen hat, die Anlage Reden im Zuge ihrer strukturpolitischen und industriekulturellen Aktivitäten zum "Zukunftsstandort", der eine besondere Behandlung und Förderung erfahren wird, zu erklären.

Schon jetzt ist das Zechenhaus die Attraktion innerhalb der "Schiffweiler Bergbauwege", die im Auftrag der Gemeinde Schiffweiler entwickelt wurden und im September 2000 der Öffentlichkeit übergeben worden sind. Seitdem gilt: Wer sich an über 40 Stationen sowohl über allgemeine bergbauliche Sachverhalte als auch über die Besonderheiten des örtlichen Bergbaus informieren möchte, ist hier auf Reden am richtigen Ort.

Delf Slotta/Fotos: Delf Slotta

Steinkohle 1/2002

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