Stadtrundgang durch Saarbrücken
erstellt am 10/1/2005 – letzte Änderung: 14/1/2005
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Ensemble Schloßplatz Quelle: link www.denkmal.saarland.de

Historisch bezeichnet das Ensemble Schloßplatz den Ort, von dem die Entwicklung der Siedlung und späteren Stadt Saarbrücken ihren Ausgang genommen hat. Auf dem nach Norden und Osten steil abfallenden Plateau ist ertmals 999 eine Burg urkundlich bezeugt. Im Schutze der Burg, seit dem frühen 12. Jahrhundert Sitz der Grafen von Saarbrücken, entstand westlich anschließend eine Siedlung, die 1277 bereits befestigt war. Reste der mittelalterlichen Burg kamen bei Ausgrabungen zutage. Im übrigen sind als älteste bauliche Zeugnisse im Bereich des Ensembles zu nennen die spätgotische Schloßkirche und die Alte Brücke, die seit 1546/48 die beiden Städte Saarbrücken und St. Johann miteinander verbindet.

Städtebaulich und architektonisch ist der Schloßplatz eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Als Auftakt zum Ausbau Saarbrückens als Residenzstadt ließ Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken anstelle des Renaissanceschlosses, das Anfang des 17. Jahrhunderts als Nachfolger der mittelalterlichen Burg entstanden war, 1738- 48 ein neues Residenzschloß errichten. Axial auf die Vordergasse (heute Schloßstraße) bezogen, öffnet sich die Dreiflügelanlage mit ihrem Ehrenhof zum Platz, der in den 1750er Jahren durch Beseitigung einer Häuserinsel und Um- bzw. Neubau der platzbegrenzenden Gebäude ein neues Gesicht à la moderne (Stengel) erhielt. Hervorzuheben sind, vom Schloß aus gesehen, linker Hand das Erbprinzenpalais, gegenüber das Rathaus und rechter Hand die fürstliche Lingerie und Remise, deren weiträumiger Gewölbekeller unter dem Kreisständehaus noch erhalten ist.

Gleichzeitig entfaltete sich eine rege Bautätigkeit auch in den auf den Platz mündeten Straßen, namentlich in der Talstraße und in der Hohlgasse (heute Am Schloßberg). Innerhalb von etwa zwei Jahrzehnten hatte der gesamte Schloßbereich damit unter Wilhelm Heinrich und seinem Architekten Friedrich Joachim Stengel eine gänzlich neue Gestalt angenommen, die Goethe noch lebhaft vor Augen stand, als er auf seinen Besuch 1770 rückblickend diese kleine Residenz als einen lichten Punkt in einem so felsig waldigen Lande charakterisierte.

Als Goethe seine Erinnerungen in Dichtung und Wahrheit publizierte, hatte die Revolutionszeit bereits ihre Spuren am Schloßplatz hinterlassen. Im Jahr 1793 abgebrannt, war das Schloß, in dessen Besitz sich nun mehrere Saarbrücker Bürger teilten, um 1810 zu Wohnzwecken stark verändert wiederaufgebaut worden, ohne indessen selbst in dieser reduzierten Form seine dominierende Stellung innerhalb der Platzanlage zu verlieren.

Wesentliche Veränderungen erfuhr der Platz erst wieder in unserem Jahrhundert. An Stelle der früheren Lingerie und Remise entstand das Kreisständehaus, das sich mit neubarocken Formen dem Erscheinungsbild des Platzes einzufügen versuchte. 1938 wurde im Zusammenhang mit weiteren Barockisierungsmaßnahmen zwischen Ehrenhof und Schloßplatz eine Freitreppe mit Auffahrtsrampen angelegt.

Im Zuge dieser Umgestaltung verschwanden auch zwei Denkmäler vom Schloßplatz: das Standbild Bismarcks (1898 von Adolf Donndorf), im Zweiten Weltkrieg verschollen, und das Kriegerdenkmal des 7. Ulanenregiments (1913 von Fritz Klimsch), das 1957 in den Stadenanlagen einen neuen Standort fand.

Empfindliche Substanzverluste brachte der Zweite Weltkrieg. Der Wiederaufbau nach 1945 stellte teils im Äußeren den Vorkriegszustand wieder her (Altes Rathaus, Nordflügel des Schlosses, Schloßstraße 2), teils entstanden moderne Ersatzbauten, die jedoch Fluchtlinien und Gebäudehöhen beibehielten (Schloßplatz 6-7, Talstraße 2- 12).

vergleichsweise kompromißlos gibt sich das Kreiskulturhaus, erbaut 1954-56 anstelle der kriegszerstörten Orangerie (1786/87 von B. W. Stengel).

Der Schloßgarten, ursprünglich bis zur heutigen Zähringerstraße sich ausdehnend und schon im 19. Jahrhundert auf den in Terrassen abfallenden Teil bis zur Spichererbergstraße verkürzt, erfuhr in den 60er Jahren an der Seite zur Saar nochmals eine Schmälerung. Um Raum für die Stadtautobahn mit Hochwasserumgehung zu gewinnen, wurde vom Schloßfelsen ein beträchtliches Stück abgetragen und die Stützmauer entsprechend zurückgenommen - eine in der Öffentlichkeit heftig umstrittene Maßnahme. Vom ursprünglichen Verlauf der Schloßmauer zeugt noch ein unter der Straßendecke sichtbar belassener Mauerrest.

Nicht minder kontrovers verlief in den 70er Jahren die Diskussion um die anstehende Generalrenovierung des Schlosses, wobei der zunächst vorgesehenen Rekonstruktion des Stengelbaus als Alternative die Sanierung des überkommenen Bestandes mit Ergänzung um einen neugestalteten Mittelpavillon gegenübergestellt wurde. Durchgesetzt hat sich schließlich letztere Auffassung. Die 1982 unter der künstlerischen Leitung von Gottfried Böhm, Köln, begonnenen Arbeiten sind 1989 zum Abschluß gekommen. Im Zusammenhang mit der Schloßrenovierung wurde auch der Schloßplatz umgestaltet, der nach Beseitigung der Freitreppe von 1938 und Ausgleich des Niveauunterschieds zum Ehrenhof wieder ein stufenloses leichtes Gefälle wie im 18. Jahrhundert aufweist.

Trotz aller Zerstörungen und Veränderungen, die an derart prominenter Stelle sicher auch einen eigenen Dokumentwert für die wechselvolle Geschichte des Landes gewinnen, hat der Schloßbereich dank der Kontinuität der städtebaulichen Situation und dank der Qualität der erhaltenen Bausubstanz seine barocke Prägung bewahren können und stellt sich heute als Ensemble von herausragender künstlerischer, städtebaulicher und geschichtlicher Bedeutung dar.

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