link Pressemitteilung vom 02.06.2004
Stadtpressekonferenz, 2. Juni 2004
Landschaftspark Ludwigsberg -
Saarbrücker Geschichte sichtbar machen
Der erste Schritt auf dem Weg zur Reinszenierung der feudalen Gartenanlage auf dem Ludwigsberg ist abgeschlossen

Saarbrücken (red). "Vielen Saarbrücker BürgerInnen ist es nicht mehr bewusst, dass der Ludwigsberg ein höchst geschichtsträchtiger Ort ist. Im Rahmen eines von der EU unterstützten Projektes wollen wir diesen historischen Ort wieder erlebbar machen und damit einen Anziehungspunkt für unsere Bürger und auch Touristen schaffen", so Bürgermeister Kajo Breuer am Mittwoch im Rahmen der Stadtpressekonferenz.

Nicht weit von der Innenstadt der Landeshauptstadt Saarbrücken entfernt und auf drei Seiten von Siedlungen umschlossen liegt ein bewaldeter Hügel, der Ludwigsberg. Dieser ist Namenspatron für das an seinen Fuß sich anschmiegende Sportstadion Ludwigspark, die Realschule Ludwigsberg und den nahen Verkehrskreisel. "Leider ist die hier "untergegangene" Parkanlage inzwischen aus dem Bewusstsein der Menschen weitgehend verschwunden. Deshalb haben wir uns die Wiederentdeckung der unter dem Waldboden schlummernden, ungemein reichen feudalen Gartengeschichte als Ziel gesetzt. Eine Reihe von Untersuchungen, Planungen und Maßnahmen sollen bis Anfang 2006 zu einem wahrnehmbaren Abschluss gebracht werden", so die die Leiterin des städtischen Amtes für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft, Carmen Dams. Denn der heute so schlicht und unscheinbar daherkommende Ludwigsberg sei aufgeladen mit einer wechselvollen Geschichte (siehe unten: Historischer Hintergrund). "Geschichte soll sichtbar, erfahrbar und nutzbar gemacht werden, und zwar für die Saarbrücker genauso wie für Touristen. Alle Fraktionen im Stadtrat haben das Projekt deshalb unterstützt. Zu über 50 Prozent finanziert ist das Vorhaben über das transnationale INTERREG IIIb Programm "saul" (sustainable and accessible urban landscapes) der europäischen Union, bei dem das Saarland mit dem Pilotprojekt Saarkohlenwald vertreten ist.

Der Ludwigsberg ist dabei das südliche Eingangstor zum Saarkohlenwald" ergänzt Kajo Breuer. Der erste Schritt für eine Wiederinszenierung und Neuinterpretation des Ludwigsbergs ist zunächst eine gartenhistorische bzw. gartenarchäologische Bestandsaufnahme, die vom Gartenhistoriker Peter Jordan Ende Juni 2004 abgeschlossen sein wird. Die dazugehörigen gartenarchäologischen Grabungen an besonders wichtigen Punkten im Park unter Erlaubnis und in enger Abstimmung mit dem Landeskonservatoramt sind bereits beendet. Sie konnten mehrheitlich die bisherigen Vermutungen aufgrund früherer Arbeiten von Karl Lohmeyer und Dieter Heinz bestätigen. Besondere Orte des Gartens, wie Brunnenoval und Marlborough-Turm im Umfeld des ehemaligen Schlosses, Dianentempel und Theater im Dianenhain wurden durch Suchgrabungen eindeutig unter dem Waldboden festgestellt. Andere Elemente des Parks wie die Brücke über den Heiligengraben und der Sternenstall konnten nicht anhand der vermuteten Fundamente gefunden werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier überhaupt nichts vorhanden war. Hölzerne oder nur temporäre Bauten wären ohne weiteres möglich gewesen.

Aufbauend auf den Grabungsergebnissen und der gartenhistorischen Bestandsaufnahme wird von einem interdisziplinären Team aus Landschaftsarchitekten, Gartenhistorikern, Künstlern und Technikern bis zum Spätherbst eine Konzeption zur Sichtbarmachung der Geschichte erarbeitet. Vorgaben hierfür sind geringfügige oder nur zeitweilige Eingriffe. Die Planungen sollen in einem besonderen Verfahren mit der Bevölkerung rückgekoppelt werden. Das Waldgebiet werde als stadtnaher Freiraum zukünftig an Bedeutung gewinnen, weil südlich davon das Bahngelände zum neuen Dienstleistungsstandort Eurobahnhof entwickelt wird, prophezeit Gartenamtsleiterin Dams. Denn über den Umbau des Hauptbahnhofs wird es zukünftig möglich sein, aus der Innenstadt unter den Gleisen hindurch direkt auf den Rodenhof und in das Waldgebiet Ludwigsberg zu gelangen. Die günstige Lage des Ludwigsbergs wird auf diese Weise in doppelter Hinsicht betont. "Kulturelles Erbe und neue städtische Lebensqualität müssen auf dem Ludwigsberg klug miteinander verbunden werden. Das kann nur gelingen, wenn Geschichte mit neuen Mitteln sichtbar gemacht wird, ohne den bestehenden Wald zu beeinträchtigen. Eine Rekonstruktion des ehemaligen Landschaftsparks wäre unhistorisch und finanziell nicht zu vertreten", formuliert Kajo Breuer seine Ansprüche.

Konkret heißt das: alte Wege, Achsen, Blickbeziehungen und historische Orte sollen mit Mitteln der Landschaftsarchitektur, der Kunst (bildende Kunst, Musik, Theater, Licht- und Klanginstallationen...) und mit den Mitteln neuer Technik (GPS, Bewegungsmelder, Lasertechnologie...), sichtbar gemacht und zum Teil gestaltet werden. Carmen Dams: "Dem genuinen Landschaftsbild des Ludwigsparks soll im zeitgenössischen Wirtschaftswald mit Inszenierung nachgespürt werden".

Historischer Hintergrund:
Die zu einer Sommerresidenz gehörenden Ludwigsberger Gartenanlagen entstanden während der Regierungszeit des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken zwischen 1769 und 1791. Sie orientierten sich in einigen gestalterischen Grundmustern noch am gängigen barocken Gartenstil, nahmen aber zunehmend den in England entwickelten Stil des Landschaftsgartens auf. Berühmte Gärtner, wie Johann Friedrich Christian Koellner, Heinrich Ludwig Koellner und Friedrich Ludwig von Sckell hatten an der Parkanlage Ludwigsberg gearbeitet. Und noch eine Besonderheit darf nicht unerwähnt bleiben. Während andere Feudalherren ihren Besitz vor dem Zutritt des "gemeinen Volkes" schützten, öffnete der aufgeklärte Fürst Ludwig seinen Garten für die Allgemeinheit. Schlösschen und Garten wurden 1793 während der französischen Revolution zerstört. Erst 100 Jahre später pachtete die Gemeinde Malstatt-Burbach einen Teil des Ludwigsparks, um eine öffentliche Parkanlage dort zu errichten. Aus dem feudalen Park wurde ein Volkspark mit Restaurant, Musikpavillon, Sportplätzen und Spielplätzen. Während des Nationalsozialismus gab es Pläne, ein Ausbildungslager für die Hitlerjugend auf der Fläche des ehemaligen Schlosses zu errichten. Das Ludwigsparkstadion wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände der ehemaligen feudalen Weiheranlage erbaut. 1956 entstand an der Stelle des ehemaligen Lustschlösschens eine Mädchenmittelschule.

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