Bergehalde der Grube Jägersfreude
erstellt am 20/2/2005

Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 29): Die Bergeschüttungen der Grube Jägersfreude Quelle: link www.delfslotta.de

Der Bergbau als landschaftsprägende Kraft


Bergehalde der Grube Jägersfreude
© link Helmut Zimmer


Bergehalde der Grube Jägersfreude
anro 4/2/2005


Bergehalde der Grube Jägersfreude
leicht schneebedeckt macht sie sich wie ein Alpengipfel
anro 15/2/2005


Bergeschrägaufzug an der Grühlingstraße in den 60er-Jahren
Quelle: link www.delfslotta.de

Die Bergeschüttungen der ehemaligen Grube Jägersfreude dokumentieren eindrucksvoll die landschaftsprägende Kraft des Bergbaus. Sowohl die an der Autobahn 623 gelegene weithin bekannte Spitzkegelhalde als auch die beiden im Fischbachtal angelegten Flotationsweiher sind nahezu unverändert geblieben. Beide haben interessante Entstehungsgeschichten.

Der Kegelsturz der Grube Jägersfreude war im Mai 1957 in Betrieb genommen worden. Zum Antransport der Berge - des tauben, nicht kohlenführenden Nebengesteins der Steinkohle - aus der Aufbereitung dienten drei 800 Millimeter breite Bänder von insgesamt 545 MeterLänge, die am Pfeifershofweg und an der Grühlingstraße über zwei hohe Brücken geführt wurden. Am Fuß des Kegelsturzes kamen die Berge in einen Zwischenbunker und von dort in die Kippwagen des Schrägaufzuges. Im Juni 1964 hatte der Kegelsturz mit 1,5 Millionen Kubikmetern sein größtes Volumen erreicht und überstieg an seinem höchsten Punkt das natürliche Relief des Saarkohlenwaldes um 65 Meter. 1962 stellte die Grube Jägersfreude ihre Abbaubetriebe auf Vollversatz um; die beim Abbau der Lagerstätte entstandenen Hohlräume wurden wieder verfüllt.

Mitte 1964 wurden daraufhin erstmals mehr Blasberge gebraucht als in der Aufbereitung anfielen. Die Bergetransporte zur Halde wurden eingestellt und ein Konzept zur Rückgewinnung der Haldenberge entwickelt. Es sah unter anderem die Umkehrung aller Fördereinrichtungen sowie den Bau eines Stollens unter dem Pfeifershofweg vor. Die Rückgewinnung an der Halde sollte mit Hilfe eines Schrappers von zwei Kubikmetern Inhalt geschehen. Die Arbeiten wurden im Herbst 1964 begonnen und im Frühjahr 1965 abgeschlossen. Mit dieser Anlage wurden in der Spitze täglich bis zu 1000 Kubikmeter gefahren. Mit Stilllegung der Grube Jägersfreude als selbstständige Anlage 1968 wurde der Rückgewinnungsprozess eingestellt.

Der heute sichtbare Spitzkegel ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele dieser Bergeschüttungstechnik. Vom Gipfel, der 1994 als Zeichen der Solidarität mit dem Saarbergbau ein Haldenkreuz erhielt, bietet sich ein großartiger Panoramablick. Ähnlich spektakulär war die Entstehung der beiden neuen Jägersfreuder Absinkweiher. Bis ins Jahr 1961 entsorgte die Grube den beim Trennvorgang der "Flotation" anfallenden Feinbergeschlamm in einem Absinkweiher, der auf der alten südlich der Jägersfreuder Schächte gelegenen Bergehalde angelegt worden war. Als die Kapazitäten erschöpft waren, setzten die Planungen für den Bau eines großen Absinkweihers ein. Schließlich wurde ein 14 Hektar großes Gebiet im Fischbachtal als Standort gewählt.

Die Anlage der beiden Weiher machte Eingriffe in Natur und Landschaft erforderlich. Der Fischbach wurde umgeleitet. Er erhielt ein neues, an der Sohle zwei Meter breites Bett am Osthang des Tales. Das Bachbett wurde durch einen langgestreckten Damm mit vier Metern Kronenbreite von den Weihern getrennt. Für die Aushebung des Bachbettes mussten rund 30 000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Die Aufschüttung der Dämme erforderte etwa 80 000 Kubikmeter Erdreich. Das Fassungsvermögen der beiden Absinkweiher beträgt mehr als 200 000 Kubikmeter bei einer Oberfläche von nahezu 35 000 Quadratmeter.

Zunächst drückte ein Pumpwerk die Schlammtrübe durch eine 500 Meter lange Rohrleitung zum Entwässerungsbecherwerk, das am Fuße des Kegelsturzes an der Grühlingstraße stand. Dabei hatte die Pumpe einen Höhenunterschied von 45 Metern zu bewältigen. Von hier aus fiel nach vorheriger Abscheidung gröberer Bestandteile dieFeinschlammtrübe auf rund 220 Metern Länge um 25 Meter in einen Talkessel zur zweiten Pumpstation, um wiederum einen Kilometer weit um 45 Meter bis zum Gipfel der Leitung gehoben zu werden. Von dort floss sie mit Gefälle zu den Klärweihern. Die Beschickung der beiden Absinkweiher wurde 1968 eingestellt. Heute präsentieren sie sich als Lebensräume aus zweiter Hand, denen aus Gründen des Arten- und Biotopschutzes hohe Bedeutung zukommt.

Delf Slotta

IV Steinkohle 1/2004

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