Püttlingen - Kirchen
letzte Änderung: 14/12/2004


"Kölltertaler Dom" (St. Sebastian/Berg)

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Die Liebfrauenkirche

Die Liebfrauenkirche im Stadtteil Bengesen ist in den Jahren 1888/90 zur Zeit des Historismus erbaut worden. Dombaumeister Wirz aus Trier errichtete unter ausschließlicher Verwendung gotische Bauformen eine dreischiffige, querhauslose Basilika mit eintürmiger Westfassade, eingezogenem Chor nebst Sakristei und Meßdienerkammer.

1953/54 erfuhr die Kirche unter der Leitung der Köllner Kirchenbaumeister Dominikus und Gottfried Böhm eine umfangreiche, grundlegende Veränderung durch einen Um- und Erweiterungsbau. Der Chor mit seinen Nebenräumen wurde abgerissen und an den so entstandenen Langhausrumpf im rechten Winkel ein Rechteckbau mit gerader Ostapsis in neugotischem Baustil angefügt, der von 44 Rundfenstern belichtet wird. Damit verlor die Kirche den Charakter eines Longitudinalbaues und nahm die Form eines Antoniuskreuzes an.

Das Besondere und Originelle ist der imposante, baldachinartige Überbau in der Mitte des Erweiterungsbaues. Er übergreift das alte Kirchenschiff und im Kreuzungspunkt wurde die Altarinsel errichtet, die dadurch die zentrale Bedeutung des Altares im Kirchenbau betont.

Ein Kunstsschatz besonderer Art ist ein ungewöhnliches Tabernakelretabel. Die stählerne Gefacharchitektur ist mit ausdrucksvollen Terrakottafiguren gefüllt, ein Werk des Künstlers Klaus Balke.

Künstlerische Bauformen, die eine Zugehörigkeit des Bauwerkes zu einer bestimmten Stilrichtung zulassen würden, besitzt die Kirche nur wenige. Langhaus und Turm können ihre Herkunft aus der Neugotik nicht verleugnen, der Erweiterungsbau ist nach modernen Architekturmerkmalen gestaltet. Als Gesamtbauwerk stellt die Liebfrauenkirche eine bemerkenswerte und vielbeachtete Zwischenstufe auf dem Weg zu einem neuen Stil im deutschen Kirchenbau dar.

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Der Köllertaler Dom
(Pfarrkirche St. Sebastian)

Das in der Industrialisierungsphase des 19. und 20. Jahrthunderts zu verzeichnende große Bevölkerungszuwachs im Köllertal machte 1908/1909 einen Kirchenneubau in der Pfarrei St. Sebastian/Berg notwendig. Er ersetzte die zu klein gewordene St. Michaels Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Baumeister war der aus Roden stammende Architekt Wilhelm Hector, der neben der Herz Jesu-Kirche in Köllerbach auch die Kirche St. Johannes der Täufer in Altenkessel erbaute, das damals noch zu der Gemeinde Püttlingen gehörte.


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Wilhelm Hector gestaltete den Kirchenbau nach dem Vorbild der Abteikirche Maria Laach in neuromanischen Bauformen. Um den Gläubigen eine gute visuelle und akustische Wahrnehmung und damit eine aktive Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen, schuf er eine dreischiffige Pfeilerbasilika zu drei Jochen mit einem Querschiff, das nur wenig das Langhaus überragt. Die Vierung und die Gewölbefelder des Mittelschiffes legte er quadratisch an, wobei ein Mittelschiffeld zwei Seitenschiffjochen entspricht. Die Besonderheit besteht darin, daß die Pfeiler nach dem "Echternacher System" gebaut sind, das heißt, die größeren, von Pfeiler zu Pfeiler gespannten Bögen werden durch kleinere Doppelbögen unterteilt, die auf Säulen ruhen. Der gestaffelte Dreiapsidienchor im Osten und die mächtige Doppelturmfassade im Westen geben der Kirche ein monumentales Aussehen.

Entsprechend der Liturgiereform wurde die Altarinsel in die Vierung hinein vergrößert und ein neuer Zelebrationsaltar und ein neuer Ambo errichtet, so daß die Eucharistiefeier inmitten der Gläubigen stattfinden kann. Der ehemalige Hochaltar, von den Bildhauern Frank aus Trier und Dreiser aus Bitburg geschaffen, ist einer der wenigen neuromanischen Baldachinaltäre im Bistum Trier. Bei ihrem Besuch in Maria Laach 1906 waren die Mitglieder des damaligen Kirchenvorstandes von dem 1897 von Kaiser Wilhelm II gestifteten Baldachin über dem Sakramentsaltar so begeistert, daß sie eine fast in Einzelheiten genaue Nachbildung, allerdings ohne Kuppel, über dem romanischen Hauptaltar der St. Sebastin Kirche errichteten.

Die beiden barocken Altarblätter des Querhauses stellen das Martyrium des Kirchenpatrones Sebastian und des hl. Vitus dar. Zu den Kostbarkeiten der Kirche zählen neben der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Skulptur einer sitzenden Madonna und den Kirchenfenstern mit alt- und neutestamentlichen Motiven die bronzenen Altarantependien des Saarbrücker Künstlers Ernst Alt; die Schnitzereien an Ambo und Sedilien fertigte der Püttlinger Heimatforscher Willibald Meyer.

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