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Martinskirche in Kölln
66346 Püttlingen, Stadtverband Saarbrücken
erstellt am 18/2/2005


Quelle: Martin Klewitz: Das Saarland


Quelle: Martin Klewitz: Das Saarland

Evangelische Kirche St. Martin in Kölln
Quelle: link www.bistum-trier.de

1223 wird die Kirche St. Martin in Kölln erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Simon III. von Saarbrücken auf den Rat seines Onkels, des Zweibrücker Grafen Heinrich, der aufstrebenden Praemonstratenserabtei Wadgassen die Kollatur der Kirche im "Collertal" zusammen mit dem ihm zustehenden dritten Teil des Zehnten schenkte. Erzbischof Theoderich von Trier bestätigte mit Zustimmung des Archidiakons Rudolf von Trier dem Abt Reiner von Wadgassen diese gräfliche Schenkung. Eine weitere Bestätigung der Wadgasser Rechte an der Kirche im "Coredal" erfolgte durch Papst Honorius III. am 8. April 1224 im Lateran.

Der Kirchort ist aber älter: Aufgrund des Martinspatroziniums wird vermutet, daß bereits im 7. Jahrhundert eine Kirche in Kölln stand, die um 900 zur Pfarrkirche erhoben worden ist. Aus ihr wurden die Pfarreien St. Martin in Heusweiler, St. Erasmus in Eiweiler und St. Willibrord in Wahlschied ausgepfarrt. Filialorte der Pfarrei St. Martin in Kölln waren Engelfangen (1400 als Ingelfingen erstmalig erwähnt) und - aus der Rodungszeit- die Orte Elm (1333 erwähnt), Guichenbach (1342), Bietschied (1373), Walpershofen (1393), Dilsburg (1423), Hilschbach und Rittenhofen (beiden 1423), Kurhof und Salbach (beide 1428), Sellerbach (1459), Herchenbach (1460) sowie Etzenhofen und Überhofen (beide 1515).

Die Ausgrabungen in St. Martin unter Leitung von Pfarrer Karl-Ludwig Rug und Konservator Karl Kirsch in den Jahren 1929 bis 1962 sorgten für neue Erkenntnisse im Blick auf die steinernen Kirchbauten: Demnach existierte in vorromanischer Zeit ein kleines Oratorium von 8,60 m auf 6,20 m mit einem in der Größe noch unbestimmten Chorraum nach Osten. Relativ schnell wurde ein neuer Bau errichtet, der an der Nordseite über eine Vorhalle verfügte. Auf diesen romanischen Bau bezieht sich die erwähnte Quelle von 1223. Ein dritter, frühgotischer Neu- oder Umbau des 13. oder 14. Jahrhunderts wird aufgrund vorhandener Architekturelemente angenommen. Der mit großen Quadern gemauerte Turm ist nicht eindeutig zu datieren, während der jetzige polygonale Chor aus dem 14. Jahrhundert stammt. Dieser Chor wurde im 15. Jahrhundert (Infolge eines Gewölbeeinsturzes?) neu gemauert und bei dieser Gelegenheit ausgemalt. Eine Inschrift am Portal "Michael Basts 1548" wird in Verbindung gebracht mit der Einwölbung des Kirchenschiffes. An der Nordseite der Kirche befand sich bis ins 18. Jahrhundert die bereits erwähnte Vorhalle, die von Konservator Kirsch auf die Zeit zwischen 1180 und 1200 datiert wird.

Bei den Ausgrabungsarbeiten wurden 1929 mehrere steinerne Sarkophage aufgefunden; alle Bestattungen waren bereits in früherer Zeit gestört worden. Weitere Sargfragmente wurden 1952 und 1956 entdeckt; die aus der letzteren Grabung waren in die Ostwand des zweiten Baus vermauert. Vermutlich stammen die Särge aus der Zeit vor 950.

Bei der heutigen Martinskirche handelt es sich um eine vierjochige Pseudobasilika mit orientiertem Chor. Das verzierte Hauptportal wurde 1956 nach historischen Fotos originalgetreu rekonstruiert. An der Südseite befindet sich ein Seitenportal, das im 18. Jahrhundert vermutlich als Hauptportal gedient hat. Die Baulast der Kirche war dreigeteilt: Die Gemiende vor Ort unterhielt den mächtigen Turm, die Abteil Wadgassen sorgte für den Chorraum, das Stift St. Arnual kam im Auftrag der Landesherrschaft der Unterhaltung des Kirchenschiffes nach.

Mit Einführung der Reformation wurde die Martinskirche evangelisch; Graf Philipp III. von Nassau-Saarbücken stiftet mit Datum vom 5. April 1600 die herrliche Kanzel. Die Kirche wurde dann infolge der Rèunion seit 1685 simultan benutzt; wieder waren es Praemonstratenser aus Wadgassen, die in Kölln die Messe lasen. Das Simultaneum endete um die letzte Jahrhundertwende. 1876 wurden sämtliche Fenster des Schiffes (außer den beiden östlichsten neugotisch verändert).

Der Chorraum hat ein kreuzgewölbtes Joch mit 5/8 Schluß. 1957 wurden die schon erwähnten mittelalterliche Deckenmalereien entdeckt und in den folgenden Jahren restauriert. Sie zeigen das Weltgericht, die Leidenswerkzeuge Christi, zwei (der vier) Evangelistensymbole und zwei Kirchenväter (Hieronymus und Augustinus) sowie einen Zyklus aus dem Leben des hl. Martin von Tours auf dem Chorbogen. Die Arbeiten stammen von der Hand einer ganzen Künstlergruppe, wie Stilvergleiche zeigten; die Zuweisung an den Maler Jost Haller muß aufgegeben werden. Im Chor befindet sich neben figürlichen Gewölbekonsolen ein spätgotischer Sakramentsschrein mit einem schmiedeeisernen Gitter. Die Fenster im Chorraum malte Meistermann-Schüler P. Bonifatius Köck OSB aus Tholey.

Evangelische Kirchengemeinde Kölln
Pfarrer Dr. Joachim Conrad
Dasbachstr. 6, 66346 Püttlingen
Tel.: (0 68 98)6 29 11

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