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Der Rötel und die Oberthaler Rötelkrämer
Quelle: link www.oberthal.de

Was ist Rötel?

Rötel ist ein stark eisenoxidhaltiger roter Ton und eine Bildung der Perm-Formation. Rötel findet sich im unteren Rotliegenden der oberen Kuseler Schichten. Die Permzeit ist die Formation, die vor ca. 250 Millionen Jahren dem Kohlenzeitalter folgte.

Rötel besitzt eine natürliche Festigkeit, fühlt sich demgemäß fettig an, haftet gut auf Papier, Holz und Gewebe und ist wasserabweisend. Rötelspuren oder auch entsprechende Anstriche werden durch Feuchtigkeit nur noch dauerhafter. Rötel enthält bis zu 32 % Eisen bzw. Eisenoxid, wovon die rote Farbe herrührt.

Vorkommen und Rötelgewinnung

Rötelvorkommen finden sich am Schaumberg im Dreieck Theley, Hasborn und Selbach, am Mommerich im oberen Bliestal in Oberthal, Gronig, Güdesweiler und Bliesen, in Hofeld, Mauschbach, Gehweiler, Grügelborn, Urweiler, St. Wendel und Remmesweiler sowie am Litermont bei Buprich.

Rötel findet sich in Schichten, Flözen und sogenannten "Nestern" und wurde größtenteils im Tagebau gewonnen. Hierzu wurden 2-3 Meter tiefe Kaulen ausgehoben, die, sobald sie unten an der Sohle nach allen Seiten hin "ausgeraubt" waren, wieder zugeschüttet wurden. Untertage-Betriebe gab es in Buprich im Peterswald, zwischen Selbach und dem Hofgut Imsbach bei Theley sowie in Gronig auf dem Kahlenberg.

Die Oberthaler "Rötelkrämer"

Die wichtigsten mit dem Abbau und dem Vertrieb von Rötel befaßten Ortschaften waren Theley, Selbach, Gronig, Gehweiler, Grügelborn und vor allem Oberthal. Dazu gab es zahlreiche Rötelhändler oder Rötelkrämer in Bliesen, Roschberg, Furschweiler, Namborn und Urweiler.

Allein die Oberthaler gelten heute noch als "Die Rötelkrämer", was darauf hindeutet, daß im oberen Bliestal der Rötelabbau und -vertrieb besonders intensiv und vor allem auch lange betrieben wurde.

Von den Oberthalern weiß man, daß sie den Rötel im Winter gruben und im zeitigen Frühjahr zusammen mit Ehefrau und Kindern auf ihre mit Eseln oder Pferden bespannten Fahrzeuge luden, um dann auf Handelsfahrt zu gehen. Die Oberthaler Rötelkrämer bereisten so während der Sommermonate halb Europa. Einige kamen bis nach Marseille und zur spanischen Grenze. Andere fuhren hauptsächlich die Nordseehäfen an, bzw. kamen bis nach Ostpreußen und Oberschlesien. In den Häfen hatten die Oberthaler Rötelkrämer oft ihre beste und treueste Kundschaft. Hier war der Rötel ein begehrter Artikel. Geglühter Rötel - mit Öl vermischt - diente als äußerst haltbarer und widerstandsfähiger Schutzanstrich für die hölzernen Schiffsplanken.

Pünktlich am zweiten Wochenende im September waren dann alle Rötelkrämer wieder zu Hause angekommen und feierten ein großes frohes Fest, die Oberthaler Esels- oder Rötelkrämerkirmes.

Die Rötelkrämer waren in der Regel arme Leute. Dennoch, sie waren frei und unabhängig und schafften es immer wieder, mit der Familie, mit den meist erbettelten Kleidern, dem geringen erzielten Gewinn ihrer Handelsfahrten sowie den beiden Ziegen oder den paar Hühnern über den nächsten Winter zu kommen und damit eine insgesamt anerkennenswerte Lebensleistung zu vollbringen.

Die Verwendung des Rötels

Rötel wurde bereits vor ca. 30.000 Jahren von den Höhlenbewohnern in Nordspanien und Südfrankreich (Altamira, Lascaux, Pech-Merle) für die Höhlenmalereien verwandt.

Mit Rentierfett vermischter Rötel diente erwiesenermaßen bereits den Urmenschen zur Körperbemalung.

Die Griechen - zur Zeit Homers - schützten das dem Wasser ausgesetzte Holz ihrer Schiffe mit Rötelfarbe.

Bei den Römern wurden zur Zeit Marcus Pontius Cato die Häuser mit Kreide getüncht und mit Rötel verschönert (Türpfosten, Deckenbalken, Fenster- und Türstütze). Auch nutzten die römischen Töpfer den Rötel zur Herstellung ihrer "Terra sigillata".

Gemahlen und mit Wasser gemischt, gebrauchten die Zimmerleute schon früh den Rötel, um die Schnüre hineinzutauchen, mit denen sie dann auf en zu behauenden Balken die entsprechenden Linien anbrachten.

Die Bauern zeichneten ihre Schweine und Schafe sowie ihre Frucht- und Mehlsäcke mit Rötel.

Größere Mengen Rötel fanden stets Verwendung beim Bestreichen von Türen, Fenstern und Häusern (Mischungen aus Rötel mit Wasser und Öl).

Die Schiffsbauer an der Kanal- und Mittelmeerküste stellten mit Rötel gut haftende und gegen Meerwasser unempfindliche Anstriche für die Holzplanken ihrer Schiffe her. Sie waren lange die besten und treuesten Kunden der Rötelkrämer.

Maler und Zeichner tönten den Rötel durch Zusatz von Füllmitteln wie Gips, Schlämmkreide oder Schwerspat ab und stellten daraus weiche Zeichenstifte aller Schattierungen her.

Rötel - mit Honig vermischt - wurde lange gegen die sogenannte "Mundfäule" (Herpes) empfohlen.

Der Rötel in der Kunst

Ab Mitte des 15. Jahrhunderts fand Rötel dann langsam als Mal- und Zeichenmittel Verwendung. Den Durchbruch schreibt man Leonardo da Vinci zu, der kurz vor 1500, nämlich mit den Entwürfen zum Reiterdenkmal des Francesco Sforza und zum "Abendmahl", zwischen 1442 und 1499, die frühesten Beispiele schuf. Die bekannteste von ihm geschaffene Rötelzeichnung ist sein berühmtes Selbstbildnis von 1510.

Andere große Meister, die den Rötel bevorzugten, waren Michelangelo, Raffael, Corregio, Armenini, Cennini (er spricht von Amatito = Blutstein), Imperto (er spricht von "Grafio rosso"), Fra Bartolomeo, Andrea del Sarto, Carraci sowie Jordaens und Rubens in den Niederlanden bzw. Freminet, Clouet, Watteau und Robert in Frankreich.

In der jüngeren Vergangenheit waren es dann vor allem Bonnard, Maillol, Monet und Kokoschka, die oft und gerne zum Rötelstift und zum Rötelpulver griffen, obwohl zum Ende des vergangenen Jahrhunderts der neuentdeckte Bleistift und die neuen chemischen Farben den Rötel doch sehr stark aus der Kunst verdrängt hatten.

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