merzig | saar | saarlandbilder | karte | ortsverzeichnis
Kreuzberg
66663 Merzig, Kreis Merzig-Wadern
erstellt am 21/1/2008


Photo: „Dr. Alzheimer


Kreuzberg um 1890 – Photo: link www.weinberg-merzig.de


Photo: „Dr. Alzheimer


Bild: SR 2007


Bild: SR 2007


Bild: SR 2007

Weinbau am Kreuzberg
Merziger Volkszeitung 1884-1893, 20er und SZ 1977
Auszüge aus "Kreistadt Merzig an der Saar und Sefersbach", 1990, Franz Büdinger und Willi Geier
Quelle: link www.weinberg-merzig.de

Die älteste Urkunde des Weinbaues im Kreise Merzig datiert aus dem Jahre 1197.

In einer Schenkungsurkunde des Papstes Colestin werden dem Kloster Wadgassen das Gut Merzig übertragen unter besonderer Erwähnung der Weinberge.

Wie winzig die Anpflanzung am Anfang des 19. Jahrhunderts war, geht daraus hervor, daß 1816 nur 34 Morgen mit Reben bestanden waren, und zwar in den Gemeinden Merzig 10, Beckingen 16 und Besseringen 8 Morgen. In wenigen Jahren dehnte sich der Weinbau auf 197 Morgen im Jahre 1827 und auf 245 Morgen im Jahre 1833 aus. In drei Jahren wird dann die Anbaufläche verdoppelt, so daß 1838 408 Morgen als Wingert bebaut wurden. Jedoch der Höhepunkt war erreicht. Im Jahre 1851 beträgt die Weinbaufläche 217 Morgen, um im Jahre 1863 auf 129 Morgen reduziert zu werden.

Die Jahre 1815-1845 bringen einen für die damalige Zeit geradezu gewaltigen Aufschwung. Vor allem das Weinsteuergesetz des Jahres 1820 trug sehr zur Ausbreitung des Weinbaues bei. Diese Weinsteuer stand keineswegs in einem proportionalen Verhältnis zur hohen Bier- und Branntweinsteuer. Die Folge war eine bedeutende Zunahme des Weinkonsums.

Der Zusammenschluß des deutschen Zollvereins trug als weiterer wichtiger Moment zum Aufschwung des Weinbaues bei. Durch die Zollgrenze war die Einfuhr ausländischer Weine durch hohe Einfuhrzölle erschwert. Die niedrige Weinsteuer begünstigte somit den einheimischen Landwein als Massenkonsumgut.

Die Nachfrage führte zu höheren Preisen, die hinwiederum den Bauern dazu anregten, seine Weinberge auszudehnen, um durch größeren Ertrag an den gestiegenen Weinpreisen ein schönes Stück Geld zu verdienen.

Ertragreiche, weniger gute Weinreben wurden angepflanzt. So waren im Jahre 1836 vierhundertundacht Morgen mit Rebstöcken im Kreise Merzig bestanden. Zu irgendeiner kommerziellen Bedeutung haben es die mittleren Saarweine nicht gebracht.

Als besten Wein schätzte man den „Merziger” und den „Beckinger”.

Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Konkurrenz der unteren Saarweine einsetzte, als durch neue erhöhte Weinsteuern der Bier-, Viez- und Branntweinkonsum stieg, als durch die Freihandelsära im deutschen Zollverein (Freihandelsvertrag mit Napoleon III. 1862) die Einfuhrzölle auf Weine bedeutend reduziert wurden, da setzte ein allmählicher Rückgang des Weinbaues ein.

Nach einer "Beschreibung des Regierungsbezirks Trier 1849" wurde im Kreise Merzig an 26 Orten Weinbau betrieben (s. „Geschichte des Kreises Merzig, Schulrat Kell”).

Noch um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren die Sonnenseiten vom Kreuzberg, Stephansberg und Hohen Berg bepflanzt. Die wichtigsten Weinbergslagen in Merzig waren „Druden”, „Kreuzberg”, „Stephansberg”, „Schladt”, „Daufels”, „KeIterhaus” und „Kobisch”.

Doch um die Jahrhundertwende war die Blütezeit vorbei. Den wenigen noch ansässigen Weinbauern war nach dem Kriege von 1870 von Frankreich her eine starke Konkurrenz erwachsen. In den Jahren 1907 bis 1910 betrug der durchschnittliche Jahresertrag in Merzig nur noch 17 Fuder, die man vorzugsweise aus gemischten Traubensorten kelterte.

Der Weinertrag fand hauptsächlich über den örtlichen Verbrauch Verwendung.

Flaschenweine aus einem überschüssigen Quantum wurden sogar nach Frankfurt am Main geschickt und dort auch gern getrunken.

Bestockt waren die bäuerlichen Weingärten der engeren Heimat durchweg mit der Rebsorte "Elben", die bei reichem Ertrag wenig anspruchsvoll war, aber einen sehr geeigneten Trinkwein zum Durststillen lieferte. Der Anbau blauer Trauben war am Kreuzberg und am Stephansberg auf dem eisenhaltigen Boden möglich. Einige Bauern legten Wert auf Qualitätsweine und bauten die anspruchsvollen Rieslingsreben, die geschätzte Traminerrebe und ausgesuchte Burgundersorten an. Um 1900 besaß das Pfarrgut St. Peter einen Wingert am Merchinger Weg; Dechant Reiß kelterte jährlich seine zwei Fuder Wein. Zur gleichen Zeit waren die alteingesessenen Merziger Familien Beuriger, Marx, Maringer und Schütz Eigentümer der für den Weinanbau geeigneten Südhänge auf dem Kreuzberg.

Die Merziger Weinbauern waren um 1900 gleichzeitig Landwirte. Sie düngten ihre Wingerte mit Mist aus den eigenen Viehställen. Man zahlte für einen Tag Arbeit im Weinberg 16 Groschen. Sobald die Weinberge im Saft waren (etwa Anfang September), schloß man die Weinberge. Von da ab war es auch verboten, über das "Zappenpädchen" auf den Kreuzberg zu gehen.

Die Weinlese eröffnete man mit feierlichem Glockengeläut. Die Leute trugen die Trauben mit Holzbottichen an den Fuß des Berges und schütteten sie dort in Bütten auf kleinen vierrädrigen Karren. Schon am gleichen Abend floß nach dem Keltern der süße Traubensaft ins Faß. Den Abschluß der Weinlese bildete ein frohes Fest.

Die Merziger Weinbauern ließen am Johannistag ihren Wein in der Kirche segnen.

Dieser Segen sollte allen, die Wein tranken, Kraft und Gesundheit und den Kranken Genesung spenden. Der "Pledschgeist", der in den Weinbergen des Kreuzberges umging, ersparte den Merzigern teure Weinbergshüter einschließlich Besoldung und Rente.

Durch Unrentabilität wurde ein Weinberg nach dem anderen in Obstgärten verwandelt. Dieser Prozeß wurde beschleunigt, als die Rebkrankheiten sich mehr und mehr ausbreiteten. Ihre Bekämpfung bedeutete eine solch gewaltige Erhöhung der Selbstkosten, daß die meisten Winzer, die noch aus Tradition an ihren Weinbergen hingen, diese aufgaben.

Die Anbaufläche verminderte sich für die Stadt Merzig im Jahre 1906 auf 92, bis 1909 auf 60, bis 1914 auf 50 und bis 1919 auf 25 Morgen.

saarlandbilderkarteortsverzeichnis