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Marpingen
letzte Änderung: 9/12/2004


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Ortsteile: Alsweiler, Andreashof, Bauernschänke, Berschweiler, Buchwald (bei Urexweiler), Einöder Hof (bei Berschweiler), Gut Weihertal (bei Urexweiler), Habenichts (bei Urexweiler), Jakobshof, Keltenhof, Kreuzhof I und II, Münchborner Hof (bei Berschweiler), Petershof, Rheinstraße (mit Johanneskapelle), Rothenberger Hof (bei Berschweiler), Römerhof I und II (bei Alsweiler), Schullandheim (bei Berschweiler), Urexweiler


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ortsverzeichnis

Geschichte
Quelle: link www.marpingen.de

Marpingen und seine Nachbarorte Alsweiler, Berschweiler und Urexweiler bilden seit dem 01. Januar 1974 eine Einheitsgemeinde im Landkreis St. Wendel.

Im Nachgang zu der Gebiets- und Verwaltungsreform zum 01.01.1974 erhielten die so neu gegründeten Gemeinden neue Wappen. So wurde der Gemeinde Marpingen mit Urkunde des saarländischen Ministers des Innern vom 20. Juni 1983 das Recht erteilt, folgendes Wappen als Gemeindewappen zu führen:

"Unter grünem, mit zwei Spitzen abgeteiltem Schildhaupt, darin eine vierblättrige goldene heraldische Rose, durch eine eingebogene Spitze gespalten; Vorne in Gold ein gestümmelter roter Adler, hinten in Gold ein gekrönter Roter Löwenkopf, unten in Blau ein linksgewendeter silberner Doppelhaken mit einer Mittelsprosse und stumpfen Enden."

Gleichzeitig wurde der Gemeinde Marpingen das Recht verliehen, die Farben "Grün-Gelb" als Gemeindefarben zu führen.

In einer landschaftlich reizvollen und historisch bedeutsamen Gegend des Saar-Nahe-Berg- und Hügellandes erstreckt sich dieser schon früh besiedelte Raum mit seinen leichten Höhen und dem wichtigen Knotenpunkt im Wareswald, wo die alten Handelsstraßen Metz-Mainz und Trier-Straßburg sich kreuzten. Davon zeugen zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Funde. Erste Fundberichte kann man dem Lagerbuch der Abtei Tholey aus dem Jahre 1755 entnehmen. Seither tauchten immer wieder Funde aus unsystematischen Grabungen oder Plünderungen auf und häufig wurde von ganzen Mauerzügen berichtet, die im Gelände sichtbar waren. Etliche Inschriftensteine und Skulpturen aber auch bronzene Gegenstände und Münzen wurden im Wareswald bereits entdeckt. Im Wurzelwerk umgestürzter Bäume wurden ganze Säulen sichtbar.


Beigaben aus einem keltischen Grab, Marpingen,
Hinter dem Gehemm, Quelle: Dr. Glaser


Römisches Brandgrab in einer Steinkiste, Berschweiler,
Gemeindewald Seyener Schachen, Quelle: Dr. Glaser

Die TERREX GmbH (von den Gemeinden Marpingen, Nonnweiler, Oberthal, Tholey und dem Landkreis St. Wendel gegründet) hat sich die Erforschung archäologischer Denkmäler im Kreisgebiet zum Ziel gesetzt, wobei ein Forschungsschwerpunkt der Wareswald ist. Hier versteckt sich eine bedeutende gallorömische Siedlung am Verkehrsknotenpunkt zweier Hauptverkehrsachsen der Römerzeit. Seit Beginn des Jahres 2001 werden im Wareswald bei Alsweiler systematische Grabungen nach modernen archäologischen Methoden durchgeführt. Dabei werden die Struktur und das Aussehen der Siedlung, der Straßen und des Gräberfeldes erforscht. Die Ergebnisse werden dem interessierten Publikum zugängich gemacht. Es besteht die Möglichkeit unter fachkundiger Anleitung an der Ausgrabung teilzunehmen.

Die heutigen Orte der Gemeinde sind nicht als Fortsetzung der einstigen keltoromanischen Siedlungen anzusehen. Der Ursprung Marpingens geht auf eine fränkische Siedlung nach Abschluss der Völkerwanderung um das 5. Jahrhundert zurück.

Der Ortsname leitet sich von dem Begründer Marbod oder Merbod ab. Die Weilerorte entstanden während der ersten mittelalterlichen Ausbauperiode im 7. bis 8. Jahrhundert. Erstmals erwähnt ist Marpingen in einer Urkunde aus dem 11. Jahrhundert als "Castellum Marpendinum" eines Ritters Emich. Ein Lehensverzeichnis von Verdun um 1200 führt Marpindingue als einen zur Schirmherrschaft des Grafen von Blieskastel zählenden Ort auf. Nach dem Aussterben dieses Grafengeschlechts fallen Alsweiler und Marpingen gegen Ende des 13. Jahrhunderts an das Herzogtum Lothringen. Ein Burglehen der Schaumburg, mit dem Schutz des Tholeyer Klosters und seiner Besitzungen betraut, hatte um 1350 Ritter Michael von Merpedingen inne.

Um die gleiche Zeit lebte in Urexweiler ein Ritter Sybodo von Exwilre. Berschweiler und Urexweiler kamen im Mittelalter zur Grafschaft Saarbrücken und in dieser wiederum zur Herrschaft Ottweiler. Die Banngrenze von Marpingen gegen Berschweiler und Urexweiler bildete zugleich die Landesgrenze zwischen dem lothringischen bzw. späteren Pfalz-Zweibrückerischen Amt Schaumburg und Nassau-Saarbrücken. Auf dieser Grenze stehen heute noch die großen Grenzsteine aus dem 18. Jahrhundert mit den entsprechenden Wappen. Die weitere territoriale Zugehörigkeit der Ortsteile von Marpingen ist durch die französische Revolution entscheidend mitbestimmt worden. Bei der Besetzung durch die Revolutionstruppen verschwanden die früheren Landes- und Grundherren; mit ihnen fielen auch alle überholten feudalen Rechte ohne Entschädigung fort.

Marpingen ist im Kreis St. Wendel der einzige "ingen-Ort", der als Siedlung aus der fränkischen Landnahmezeit existiert. Im Gegensatz zu den zahlreichen "weiler-Orten" aus der ersten mittelalterlichen Ausbauperiode, ist er damit wohl unter den älteren Orten des Kreises einzustufen.

Nach den Befreiungskriegen kamen Alsweiler, Marpingen und Urexweiler 1816 zum neu geschaffenen Fürstentum Lichtenberg mit der Hauptstadt St. Wendel an den Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Er trat 1834 sein Gebiet als Kreis St. Wendel an den König von Preußen ab. Berschweiler verblieb in dem zuvor geschaffenen Kreis Ottweiler.

Kurz danach, am 3. Juli 1876, ereignete sich im Härtelwald (Marpingen) etwas Einzigartiges: an diesem Tag soll hier die Muttergottes drei achtjährigen Mädchen erschienen sein. Ein Ereignis, das andernorts (Lourdes/Fatima) weit größere Beachtung erfuhr und noch heute Ströme von Pilgern nach sich zieht.

1997 hat David Blackbourn, USA, ein weltweit vielbeachtetes Buch über diese Marienerscheinung mit dem Titel "Wenn Ihr sie wieder seht, fragt wer sie sei!" veröffentlicht. Seit diesen Tagen im Jahr 1876 kamen und kommen Jahr für Jahr viel Gläubige und Pilger nach Marpingen in den Härtelwald, um in der dortigen Kapelle zu beten und die Gottesmutter Maria um Hilfe zu bitten. Im Jahr 1999 - also 123 Jahre nach den v.g. Ereignissen von 1876 - soll die Muttergottes gleich mehrfach im Härtelwald erschienen sein. Tausende von Menschen (alleine rund 35.000 anl. der letzten sog. Erscheinung im Oktober) fanden sich in Marpingen ein, um der Muttergottes zu huldigen, zu beten oder einfach um nur dabei zu sein. Die kath. Kirche prüft seitdem noch immer an der Echtheit dieser so genannten Erscheinungen.

Aus ihrer wechselvollen Vergangenheit gingen Marpingen und seine unmittelbaren Nachbardörfer Urexweiler, Alsweiler und Berschweiler am 01. Januar 1974 als eine Großgemeinde von jetzt rund 12.000 Einwohnern mit eigenständiger Verwaltung hervor. Mit dem wachsenden Verkehr und der sozialen Differenzierung der Bevölkerung seit 1945 wurden aus den einstigen Bauerndörfern gepflegte Wohnorte für die vielen Berufspendler. 1984 feierte Marpingen sein 900-jähriges Bestehen im Rahmen mehrerer Großveranstaltungen.

Zwischenzeitlich haben Handel und Gewerbe in der Gemeinde Marpingen Einzug gehalten. Sie wurde so zu einer attraktiven und modernen Wohngemeinde, die sich immer mehr zu einer leistungsstarken Einkaufsstätte entwickelt.