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Nordschacht des Bergwerks Saar
66822 Falscheid, Lebach
erstellt am 20/2/2005

Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 15): Nordschacht, Nebenanlage des Bergwerks Ensdorf Quelle: link www.delfslotta.de

Wo Technik und Ästhetik harmonieren


Das Fördergerüst des Nordschachtes in Falscheid bei Lebach
zählt neben dem Schacht IV des inzwischen stillgelegten
Bergwerks Göttelborn/Reden zu den jüngsten
und imposantesten Industriebauten des Saarbergbaus.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Stand der Technik - so lautete das Urteil nicht nur in Fachkreisen, als die im Lebacher Stadtteil Falscheid liegende Nebenanlage Nordschacht des Bergwerks Ensdorf im September 1987 mit einem zünftigen Bergfest in Betrieb genommen wurde. Der erste Spatenstich fand am 22. September 1981 statt. Sechs Jahre später präsentierte sich der fertiggestellte Nordschacht als schneeweiße Landmarke, malerisch gelegen zwischen den Wäldern und Feldern des Hoxberges. Die Nebenanlage des Bergwerks Ensdorf dient zur Bewetterung, Seilfahrt und zum Materialtransport und genügt sowohl hohen technischen als auch ästhetischen Ansprüchen. Die Tagesanlagen bestehen im Wesentlichen aus dem Kauen- und Belegschaftsgebäude, einem Kombinationsgebäude mit einer Reihe technischer Einrichtungen und einem großen Parkplatz für die Belegschaftsmitglieder. Aufgelockert und dennoch kompakt präsentiert sich diese Gebäudeeinheit. Durch die unterschiedliche Höhenanordnung der einzelnen Bauteile wird bereits bei der Zufahrt zur Schachtanlage das Gesamtbauwerk sichtbar. Die einzelnen Gebäude sind nach Höhenlage hintereinander gestaffelt, so dass sie sich treppenartig aufeinander reihen und im Hintergrund nur von dem 1986 fertiggestellten Fördergerüstüberragt werden. Erbaut von der Firma Mannesmann- DEMAG/Dillinger Stahlbau, ist dieses Gerüst schon zum damaligen Zeitpunkt als eine der technisch und optisch bemerkenswertesten Anlagen des Saarbergbaus gewürdigt worden.

Charakteristisch ist dabei die überaus steile Strebenführung. Die Streben haben Kastenprofilform. Durch die Lastenverteilung auf sechs Förderseile mit einem Durchmesser von je 48 Millimetern ergibt sich ein Seilscheibendurchmesser von 5,5 Metern. Die Seilscheiben sitzen an den Schnittpunkten der Streben mit den Bühnen in 35 Meter und 42 Meter Höhe. Die Körbe werden im Unterturm durch drei Flachseile geführt. Das Fördergerüst ist mit einer hydraulisch betätigten Hub- und Klemmvorrichtung bestückt.

Das insgesamt 48 Meter hohe Fördergerüst war mit einem Gewicht von rund 800 Tonnen das schwerste, das bis dahin im deutschen Bergbau errichtet worden war. Der Nordschacht hat einen Durchmesser von 7,5 Metern. Darin ist eine 2-trümige Großkorbförderanlage für den Materialtransport und für die Seilfahrt vorhanden. Der 2-etagige Materialkorb hat eine Breite von 2,2 Metern und eine Höhe von 14,2 Metern. Durch die Nutzlast von 35 Tonnen wurden auch neue Maßstäbe in Bezug auf die Transportmöglichkeiten gesetzt. Im westlichen Trum ist der mit 1,65 Metern schmälere 4-etagige Seilfahrtkorb geführt, der auf jeder Etage 40 Personen transportieren kann. Somit ist die gleichzeitige Seilfahrt von 160 Personen möglich.


1987 eine Weltneuheit: 6-Seil-Fördermaschine
mit Drehstromsynchron-Motor in einer Einheit.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Bei der Fördermaschine der Anlage Nordschacht handelt es sich um eine 6-Seil-Flurfördermaschine mit Drehstromsynchron-Motor in Direkt-Umrichtertechnik mit einer Leistung von 4 200 Kilowatt. Es war 1987 die größte Drehstromfördermaschine in einer Einheit, die bis dahin auf der Welt gebaut worden war. Der elektrische Teil stammt von der Firma BBC, der mechanische Teil von Mannesmann- DEMAG. Die Geschwindigkeit bei Materialförderung und Seilfahrt beträgt 12 Meter pro Sekunde; bei Schwerlast über 30 Tonnen ist die Geschwindigkeit auf 8 Meter pro Sekunde reduziert.

Der Nordschacht des Bergwerks Ensdorf im Saarland gehört zweifelsohne zu den Vorzeige-Anlagen des deutschen Bergbaus. Bei diesem Bauwerk wurden ökonomische Sachzwänge geschickt mit künstlerischen Gestaltungsmerkmalen und ästhetischen Belangen verknüpft. Dies erklärt den hohen Stellenwert des Nordschachtes innerhalb der jüngeren deutschen Industriearchitektur. Funktionalität und Wirtschaftlichkeit sind bei dieser modernen Anlage eine glückliche Verbindung eingegangen.

Fotos und Text: Delf Slotta

IV Steinkohle 8/2002

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