großrosseln | warndt | saarlandbilder | karte | ortsverzeichnis
Grube Warndt
Karlsbrunn, 66325 Großrosseln, Stadtverband Saarbrücken
erstellt am 20/2/2005 – letzte Änderung: 8/1/2008

Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 25): Die Tagesanlage der Grube Warndt Quelle: link www.delfslotta.de

Funktionale Architektur voller Aussagekraft


Aufnahme während der Bauarbeiten für den Hauptförderschacht
Warndt im November 1960; die Höhe betrug erst 14,35 Meter.
Foto: DSK

Die bei Karlsbrunn an der deutsch-französischen Grenze gelegene Schachtanlage Warndt ist das jüngste Steinkohlenbergwerk im Saarrevier. Die Arbeiten an der neuen Grube begannen am 14. März 1958. Bei der Planung der Tagesanlage flossen mehrere Gesichtspunkte ein. Übersichtlich, in sich geschlossen, ästhetisch und zweckmäßig sollte die Anlage sein. Auch mögliche spätere betriebliche und technische Weiterentwicklungen spielten bei den Überlegungen eine Rolle.

Der Standort des Förderturmes und die Lage der Schachtachse wurden durch den Schacht und die untertägigen Grubenbaue bestimmt. Die Lage des Grubenbahnhofs hatte sich wiederum an der Trassenführung des Bundesbahnanschlussgleises "Großrosseln-Warndtschacht", an der Lage des Schachtes und an den Geländeverhältnissen zu orientieren.

Kernbau auf der rund 32 Hektar großen Betriebsfläche ist der weithin sichtbare, markante Förderturm mit seinen Einbauten. Am 20. Juli 1960 begann die Mannheimer Firma Philipp Holzmann mit dem Bau der exakt 69,70 Meter hohen Stahlbetonkonstruktion. Die Grundfläche des Bauwerks beträgt rund 17 auf 27 Meter, sein umbauter Raum rund 32 000 Kubikmeter. Mit Aggregaten und Geräten wiegt der Turm rund 13 000 Tonnen. Er steht auf vier einzelnen Gründungskörpern und wurde als kastenförmiges Scheibentragwerk ausgeführt. Für den Förderturm waren 5 000 Kubikmeter Beton, 450 Tonnen Rundstahl und 80 Baustahlgewebe erforderlich. Die Bauzeit betrug fast ein Jahr.

Die Anordnung der übrigen Gebäude der Tagesanlage richtete sich nach dem Förderschacht, der Zufahrtsstraße sowie dem Grubenbahnhof. Die Zufahrt von der Landstraße Ludweiler-Karlsbrunn erfolgt im östlichen Teil des Betriebsgeländes. Links von der Straße liegt die 65 Kilovolt-Freiluft-Schaltanlage, rechts davon das Pförtnerhaus mit Kaffeeküche, Telefonzentrale und Büroräumen.


Der Warndt-Schacht vor der Fertigstellung 1961.
Foto: DSK

Folgt man dem Weg des Bergmanns bei der Anfahrt, so erreicht man als nächstes Gebäude die Waschkaue. Im Bad wurden für rund 3 900 Bergleute Kleideraufzüge installiert sowie entsprechende Duschen und Bademöglichkeiten erstellt. Über einen zweigeschossigen Verbindungsgang gelangt man in das Zechenhaus. Im Erdgeschoss befindet sich der Zechensaal. Rund um den Zechensaal sind Betriebsbüros und weitere Räume angeordnet. Die Bergleute gelangen über eine breite Geschosstreppe in den Flur des ersten Obergeschosses und anschließend über eine geschlossene Brücke zur Lampenkaue und dem Förderturm.

Im ersten und zweiten Obergeschoss des Zechenhauses sind weitere Betriebs- und Verwaltungsräume sowie die Markscheiderei untergebracht.

Die Lampenstube selbst befindet sich im Anbauteil des Magazins. Sie bietet Raum für etwa 4500 Lampen und CO-Selbstretter. Der über 100 Meter lange Magazinbau wurde als Flachbau errichtet und hat an beiden Längsseiten überdachte Verladerampen für den An- und Abtransport von Materialien.

Das Werkstattgebäude schließlich wurde nordwestlich neben dem Förderturm in der Längsachse des Magazins errichtet. Auch dieses Gebäude sowie das Pförtnerhaus, das Zechenhaus und das Magazin, dessen Sichtflächen mit Birkenfelder Klinker verblendet sind, wurden als Stahlbetonskelettbauten ausgeführt. Die gewaltige Aufbereitung oberhalb des Grubenbahnhofs wurde für eine Durchsatzleistung von rund 600 Tonnen pro Stunde erbaut und zwischenzeitlich auf eine Leistung von 1 280 Tonnen pro Stunde erweitert.

Neben Schwerflüssigkeitsscheidern und Setzmaschinen in der Feinkohlenaufbereitung ist für die Feinstkornaufbereitung eine Flotation vorhanden.

In der einheitlichen Gestaltung der Tagesanlagen der Grube Warndt manifestiert sich der Wille, die Lagerstätte im Warndt neu aufzuschließen. Im Saarbergbau ist kein zweites ähnlich einheitlich gestaltetes Ensemble einer großzügig angelegten Architektur mit solch großdimensionierten Baukuben erhalten.

Die Tagesanlage ist seit ihrer Entstehung kaum verändert worden. Deshalb sind die Gebäude dieser Schachtanlage wichtige und wertvolle technische Zeugnisse der Zeit um 1960. Neben dieser regionalen Bedeutung tritt die Schachtanlage Warndt auch auf nationaler Ebene in die Reihe der wenigen vollständigen Neugründungen von Bergwerksanlagen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gebäudeeinheit der Grube Warndt dokumentiert dabei die Wirtschafts- und Technikentwicklung des Bergbaus in besonders eindringlicher Weise.

Delf Slotta

IV Steinkohle 7/2003

Gruben & Stollen | Tabelle | saarlandbilder