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Grühlingstollen ©www.uni-saarland.de
Die Friedrichsthaler Grube wurde im 18. Jahrhundert gegründet und 1932 stillgelegt. Erhalten sind folgende denkmalgeschützte Bauten: das Fördermaschinenhaus des 1857 abgeteuften Schachtes I der Grube Friedrichsthal, ein schlichter Bruchsteinbau von 1860 und frühes Beispiel dieses Bautyps; Inspektionsgebäude der Inspektion IX Friedrichsthal-Quierschied, (Zum Grühlingstollen 2). Zu den Resten der Grube zählen auch zwei Stollenmundlöcher (Zum Grühlingstollen): Zum einen das Stollenmundloch des Grühlingstollens, 1856 in zeittypischer historisierender Sandsteinarchitektur mit Türmchen und Zinnen ausgeführt. Es wurde Anfang der 1980er Jahre restauriert und dabei stark ergänzt. Zum anderen der Stollenmund des Eingangsstollens zum Schacht Helene, der entsprechend den damals neuen Strömungen in der Industriearchitektur als einfache Öffnung mit schlichtem Blendrahmen errichtet wurde; seine Entstehungszeit liegt im Zeitraum 1910-1920. Schacht Helene I wurde ab 1857 abgeteuft, Helene II ab 1858. 1928 wurde zunächst Helene II, dann 1932 auch Helene I von der französischen Grubenverwaltung stillgelegt.
Gerhild Krebs
Quellen und weiterführende Literatur
- Schmitt, Armin, Denkmäler saarländischer Industriekultur. Wegweiser zur Industriestraße Saar-Lor-Lux, Edition Saar, Saarbrücken, ²1995, S. 142-145.
- Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Denkmalliste des Saarlandes, Saarbrücken 1996, erstellt vom Ref. 2: Inventarisation und Bauforschung (Dr. Georg Skalecki), Stand: 1. 8. 1996, S. 48-50.
- Stadtverband Saarbrücken (Hg.), Werkswohnungen des Preußischen Bergfiskus und der Mines Domaniales Françaises. Eine Dokumentation zum Werkswohnungsbau der preußischen und französischen Grubenverwaltung zwischen 1815 und 1935 im Stadtverband Saarbrücken, Saarbrücken 1985, S. 52-59.
erhaltene Denkmäler der Grube Friedrichstal
Quelle:www.denkmal.saarland.de
- Ehem. Fördermaschinenhaus des 1857 abgeteuften Schachtes I (Helenenstr. 8). Schlichter Bruchsteinbau von 1860, frühes Beispiel dieses Bautyps.
- Stollenmund des Eingangsstollens zum Schacht Helene (Zum Grühlingsstollen). Öffnung mit schlichtem Blendrahmen (Beton?), um 1910/20. Der Schacht Helene II, 1858 abgeteuft und 1928 stillgelegt, ist durch eine Aufmauerung jüngeren Datums kenntlich gemacht.
- Stollenmund des Grühlingsstollens (Zum Grühlingsstollen). Historisierende Sandsteinarchitektur mit Türmchen und Zinnen, bez. 1856. Um 1983 restauriert und stark ergänzt.
Grühlingsstollen
Quelle:www.uni-saarland.de
1747 wurde erstmals eine Glashütte mit Kohlenfeuerung in Friedrichsthal erbaut. Die zum Schmelzprozess benötigten Kohlen wurden im Tagebau geschürft. Man sprach von sogenannten Glashüttengruben, sie waren der bescheidene Beginn des später so mächtig aufblühenden Bergbaus. Nach 1817 wurden die Glashüttengruben vom preussischen Staat ( 1815 - 1919 ) übernommen. Das organisierte Bergbauwesen nahm damit seinen Anfang in Friedrichsthal.
Zur besseren Anbindung der Kohle an die Eisenbahn wurde 1856 der Grühlingsstollen angehauen. Die Kohlen wurden zunächst durch Seilförderung, später von Pferden zu Tage gebracht und auf einer die Bahn überquerenden Brücke zum Grubenbahnhof transportiert. Die Grühlingsstollensohle diente als Fördersohle für Schacht I und II der Grube Friedrichsthal. Neben der Verschickung der Kohle durch die Eisenbahn wurde um 1910 die Kohle auch vor Ort verkauft. Die Bauern kamen von weither mit ihren Fuhrwerken, um den Wintervorrat der hochwertigen Hausbrandkohle abzuholen. Auch die Friedrichsthaler Jugend hatte Gefallen an dem Grühlingsstollen gefunden. Sie fuhren mit leeren Grubenwägelchen tief in den Stollen hinein und kamen mit schreiendem Gepolter wieder hinaus. Damals waren diese Abenteuer möglich, als die Grubenwärter noch nicht so eifrig waren. Von 1906 bis zur Stillegung der Grube im Jahre 1927 wurde der Grühlingsstollen noch zur Fahrung bzw. zur Abwetterung genutzt. In den 30er Jahren begann der Stollen zu verfallen, gewann dann aber im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum für die Bevölkerung wieder an Bedeutung.
Nach jahrzehntelanger Verwitterung erfolgte Anfang der 80er Jahre die Restaurierung des Grühlingsstollens mit originalgetreuer Wiederherstellung von Zinnen, Schrift, Tor, Treppen und Stützmauer. Er kann heute als Musterbeispiel eines aufwendig gestalteten Stolleneingangs bezeichnet werden. Seitlich erheben sich zwei quadratische Türmchen mit Wasserschlag im Sockelbereich und Zinnenabschluss. Die Stirnwand zwischen den beiden Türmen ist etwas zurückgesetzt und mit einer Inschrift versehen. In ein sorgfältig gefügtes Steinquaderwerk steht in zwei Zeilen untereinander "Grühlingsstollen angeh. 1856" geschrieben. Der Grühlingsstollen stellt nun ein Industriedenkmal für die historische preussische Bauweise und für die Macht- und Repräsentationsmentalität der führenden Schichten des Bergfiskus an der Saar dar.
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