Fördereinrichtungen auf Ensdorf-Duhamel
66806 Ensdorf
erstellt am 20/2/2005

Serie Wahrzeichen des Saarbergbaus (Teil 10): Die Fördereinrichtungen auf Ensdorf-Duhamel Quelle: link www.delfslotta.de

Dampfmaschinen und Stahlfachwerk


Die Ensdorfer Grubenanlage Duhamel, links das eingeschossige
Fördermaschinenhaus, daneben das 35 Meter hohe Stahlfachwerk-
Fördergerüst. Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Das Landschaftsbild des Saartals wird auf Höhe der Kreisstadt Saarlouis von den umfangreichen Tagesanlagen der Grube Duhamel geprägt, die zum Bergwerk Ensdorf der Deutschen Steinkohle AG gehören. Erste Erwähnungen einer noch planlosen Kohlengräberei im Ensdorfer Raum stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die systematischeErschließung der Kohlenlagerstätte setzte mit der Verstaatlichung der Saargruben im Jahre 1751 durchden Fürsten Wilhelm-Heinrich zu Nassau-Saarbrücken im Zuge seiner absolutistischen Wirtschaftspolitik ein. Wichtige Etappen in der Entwicklung des Ensdorfer Bergwerks waren im 19. Jahrhundert die Abteufung eines ersten Tiefbauschachtes im Jahre 1826 und die Fertigstellung des 2350 Meter langen Ensdorfer Stollens im Jahre 1842, eines Transportstollens, der die verkehrsungünstige Lage der Grube wesentlich verbesserte.


1918 wurde der erste "Ensdorfer Dampf-Gigant"
aufgestellt - Technik vom Feinsten zum Anfassen.
Photo: Delf Slotta – link www.delfslotta.de

Zwischen 1861 und 1913 ließ der Preußische Bergfiskus weitere Schächte niederbringen, zuletzt den Saarschacht, der von der französischen Grubenverwaltung der "Mines Domaniales Françaises" (1920-1935) in "Duhamel-Schacht" umbenannt wurde. Dadurch sollten die Verdienste Jean-Baptiste Duhamels um den 1810 erstellten so genannten "Saarkohlen-Atlas" gewürdigt werden. Darin waren auf 66 Kartenblättern die Ergebnisseeiner systematischen Erforschung der Kohlenlager an der Saar zusammengetragen worden. 1925 wurde die Schachtanlage Duhamel zum selbstständigen Bergwerk erklärt.

Auf der Ensdorfer Grubenanlage sind die Fördereinrichtungen der besondere Blickfang. Sie stellen gleichzeitig die wichtigsten technischen Denkmäler des Bergwerks dar. Über dem im Jahre 1913 angehauenen und nach kriegsbedingten Verzögerungen erst 1917 fertiggestellten Duhamel-Schacht wurde im selben Jahr das 35 Meter hohe Fördergerüst aufgestellt. Die filigrane Eisenfachwerkkonstruktion ist ein Produkt der Dillinger Firma Meguin. Dieses "Deutsche Strebengerüst" war von vorne herein auf eine Doppelförderung ausgelegt worden. Der querrechteckige Grundriss und die breit ausgestellten Streben weisen darauf hin. Die Doppelförderung wurde schließlich im Jahre 1936 eingerichtet. Dabei verstärkte die legendäre Saarbrücker Stahlbaufirma Seibert zugleich das Fördergerüst für die zusätzliche Belastung. Zudem erhielt es den auffälligen kastenförmigen Kranaufbau.

Vor dem Gerüst steht der aus zwei Maschinenhallen gewinkelt zusammengesetzte, eingeschossige Baukörper des Fördermaschinenhauses. Über dem Eingang auf derNordseite erhebt sich ein kleines Turmgeschoss, das von einem flachen Pyramidendach gedeckt ist. Lisenen gliedern die Schmal- und Längsseiten in einzelne Wandfelder, Rundbogenöffnungen belichten das Innere. Dort befinden sich in voneinander getrennten Räumen zwei Dampffördermaschinen, die zu den Kostbarkeiten im Objektbestand des Saarbergbaus gerechnet werden müssen.

Das dampfbetriebene, der östlichen Förderung dienende Aggregat I ist im Jahr 1918 als zweizylindrige Zwillings-Maschine konstruiert worden. Die beiden Zylinder liegen in großen Abmessungen auseinander, denn sie bewegten eine 1700 Millimeter breite Trommel von 7500 Millimeter Durchmesser, die das über 800 Meter lange Förderseil aufspulen mußte. Im Jahre 1963 wurde anstelle der Trommel eine sogenannte Koepe-Scheibe eingebaut. Durch das nach seinem Erfinder benannte System der Koepe- Scheibe wurde es möglich, zwei Förderkörbe "gegeneinander" fahren zu lassen. Lieferfirma der noch "aus Kaisers Zeiten" stammenden Maschine war die Zweibrücker Dingler AG. Das technische Wunderwerk erbringt eine Nennleistung von 2989 PS, hat 905 Millimeter- Zylinder und 900-Millimeter-Kolben, die Kolbenstangen messen vorn 185 und hinten 150 Millimeter.

Im Jahr 1936, einer Phase der Hochkonjunktur des Deutschen Bergbaus, ließen die Saargruben AG ebenfalls von den Zweibrücker Dinglerwerken, deren Produkte als Marken-Artikel der deutschen Industrie galten, einen zweiten Dampf-Giganten aufstellen. Die Fördermaschine II arbeitet bis heute auf der westlichen Förderung. Sie erbringt eine Leistung von 4780 PS. Die Zylinder messen 1100 Millimeter, die Kolbenstangen vorn 230 und hinten 200 Millimeter.

Es ist als Glücksfall zu werten, dass sich in Ensdorf diese sehenswerten Anlagen, denen höchste technikgeschichtliche und industriekulturelle Bedeutung zukommt, in der ursprünglichen Gestalt und Funktion erhalten haben.

Text und Fotos: Delf Slotta

IV Steinkohle 3/2002

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