Schloß Blieskastel
Quelle: Medding
Die ehem. Burg Blieskastel, im Tal der Blies im südlichen Teil des Kreises St. Ingbert gelegen, mag schon im 10. Jahrhundert entstanden sein. Sie war der Sitz der älteren Grafen von Blieskastel, die 1237 ausstarben. Die Tochter des letzten Grafen, Elisabeth, stiftete 1234 das Kloster Gräfinthal. Burg und Herrschaft kamen an die Grafen von Salm, dann 1284 an Bischof Burkhard von Metz, der sie den v. Finstingen versetzte. Seit 1337 gehörte Blieskastel zu Kurtrier. Unter den trierischen Amtsmännern werden auch die Grafen von Veldenz genannt. 1343 wird der Ort erstmalig als Stadt erwähnt. 1440 übergab Erzbischof Jakob von Trier die Hälfte der Grafschaft und das "Hungericht" dem Ritter Friedrich von Loewenstein. 1522 wurde die Burg von Franz von Sickingen in seiner Fehde mit dem Kurfürsten von Trier zerstört. 1553 wurde die Herrschaft von Blieskastel an die Grafen von Nassau-Saarbrücken verpfändet. Im Dreißigjährigen Krieg ist Blieskastel zerstört worden. Um 1660 erwarben die Reichsfreiherren von der Leyen, die seit 1456 in Blieskastel Besitzungen hatte, die vollständige Grafschaft und erbauten 1661-64 ein neues Residenzschloß. Dehio-Gall vermutet Beziehungen zum Aschaffenburger Schloßbaumeister Georg Ridinger. Die aus dieser Zeit noch teilweise erhaltene schöne Orangerie ist wahrscheinlich von dem Trierer Baumeister Matthias Staudt erbaut worden.

Orangerie
Unter den Grafen v.d. Leyen erlebte Blieskastel im 18. Jahrhundert eine neue Blüte, besonders als die v.d. Leyen ihren Wohnsitz von Koblenz nach Blieskastel verlegten und dieses zur kleinen Residenz ausgebaut wurde. Unter der liebenswürdigen "großen Reichsgräfin" Marianne v.d. Leyen, einer geborenen Gräfin von Dalberg und Schwester des späteren Fürstprimas des Rheinbundes, entstand hier in Blieskastel ein bedeutendes Kulturzentrum. Eine rege Bautätigkeit entfaltete sich. Das Residenzschloß wurde weiter ausgebaut. und auf dem Schloßberg entstand eine Reihe hervorragender Schlößchen und Herrenhäuser für die Hofbeamten der kleinen Residenz, deren Baumeister der frührere Zweibrücker Baudirektor Christian Ludwig Hautt gewesen ist. Daneben wirkten kleinere Baumeister, wie A.G.F. Guillemard aus Lomgwy, Matthias Weysser und Peter Reheis und der Zimmermeister Franz Schmitt. In dieser Zeit entstanden auch die ehem. Schloßkirche, spätere Franziskanerklosterkirche, das ehem. Waisenhaus und das Regierungsgebäude. Mit der Französischen Revolution wurden die v.d. Leyen vertrieben und ihr Residenzschloß zerstört. Die Reste sind 1802 abgerissen worden. Trotzdem ist auch heute noch der Charakter der "kleinen Residenz" erhalten geblieben.