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Geschichte von Niederwürzbach
Quelle: link www.niederwuerzbach.de
Erstellt am 2.12.2004

Schloß- und Parkanlage der Grafen von der Leyen um 1790
Quelle: Saarheimat 6´ 1976

zurück: Die Niederwürzbacher Schlösser

Vom Niederwürzbacher Weiher

Text: A. Langendörfer – Bearbeitet von KLAUS RUFFING

Der Weiher ist nicht eine Schöpfung des Leyenschen Grafenhauses. Er bestand schon lange vor ihrer Zeit. Ja, die Bodenverhältnisse machen es wahrscheinlich, dass an seiner Stelle von jeher sich das Wasser staute. Ein tiefes und enges, von steilwandigen Hängen eingefasstes Tal hat hier unser Heimatbach, der Würzbach, in die Buntsandsteintafel eingewaschen. Eine wasserundurchlässige Schicht, vielleicht die zweite Buntsandsteinsohle hat wohl das Wasser gestaut und das ganze Würzbachtal und seine Seitentäler in ein einziges Sumpfgebiet verwandelt. An den tiefsten Stellen bilden sich Lachen, Tümpel und kleine Weiher, die durch Dämme und Bodenaushub erweitert wurden. Die Oberamtsrechnung der Leyenschen Verwaltung von 1786 zählt eine ganze Reihe von Weihern auf: der Bremmenweiher, der Alte Weiher, der Holzweiher, der Papierweiher, der Bohrweiher, der Mühlenweiher, Grafen- und Philippsweiher, der Hecken- und Rittersmühlenweiher. Weichboden, Sumpf und Schlamm gab es mehr als genug um die Weiher. Der heutige Bahnhofsvorplatz, die Binn bis zum Petersberg und Seelbacher Berg, das Tälchen zwischen letzterem und Lahnscheider Wald gehörten zum Weihergebiet. Gerade dieser Teil verschlammte immer mehr. Die Niederwürzbacher warfen vor vielen Jahren einen Wall auf von der Binn zur Mühle. Der obere Weiher wurde nach und nach trockengelegt, der Weiher auf seine heutige Größe gebracht. Man schätzt sie auf etwa 12 ha, etwa 50 Morgen bei einer Länge von über 1 km und einer Breite von120-130 m. Der Bau der Würzbachtalstraße mag ihren Teil zur Einengung bzw. Trockenlegung beigetragen haben. "Nauweiher" nannten Würzbachs Bewohner das jetzt gestaute Wasser. "Neuweiher" hieß es später und schließlich kurzweg Weiher, als man nicht mehr wusste, dass auch einmal das Gebiet der Binn Weiher war. Zum Vergleich der Namengebung sei der Name einer Ortsstraße, der "Nauweg" oder "Neuweg", von der Binn zur Höhe führend, genannt. Der heutige Ausbau des Mühlendammes in Beton geschah 1939 im Zuge der "Reichsverteidigungsmaßnahmen".

Bevor die ersten fürstlichen Anlagen an Niederwürzbachs Weiher entstanden, war er lediglich für die gräfliche Finanzkasse von Bedeutung. (Mühlzins und Fischertrag). Durch zahlreiche Fischweiher suchte man damals die sumpfigen Täler nutzbar zu machen. Manche Leyensche Fischweiher sind allerdings verlandet und versandet oder durch Menschenhand trockengelegt worden. So erinnern nur noch spärliche Dammreste an den Allmendweiher und an den Cremerweiher in der Schmalzgrube am Ausgang des Kirkeler Tales. Das Staatsarchiv Speyer enthält einige Schriftstücke über die Fischerei im Würzbacher Weiher 1669 und 1755. Daraus geht z.B. hervor, dass der große Niederwürzbacher Mühlenweiher, der am 24. Oktober 1755 gezogen wurde, "an Karpfen 41 1/2 Ztr. und an Hecht 8 1/4 Ztr." ergab. Im Jahre 1792 ist die durchschnittliche jährliche Einlieferung an Fischen in die Hofküche aus dem Niederwürzbacher Weiher veranschlagt mit "120 Ztr. Karpfen = 1800 Gulden, 80 Ztr. Hecht und Perschen = 1600 Gulden, Krebse = 60 Gulden. Trierer Fischhändler übernahmen gewöhnlich die Ausbeute. Einnahmequelle für den jeweiligen Besitzer, das war also die Bedeutung des Würzbacher Weihers bis zum Regierungsantritt der Gräfin Marianne.

1807 ging der Weiher in den Besitz des gräflichen Sekretärs Johann Jakob Schaller über. Fischfang und -verschleiß lagen in seiner Hand, bis ihn der Tod 1828 abrief. Leopold Cherdolle pachtete dann im Auftrag seines Vaters Nikola Cherdolle, Gutsbesitzer in St.Ingbert und Käufer und Eigentümer der ehemals Leyenschen Waldungen um St.Ingbert, die Fischerei des Würzbacher Weihers und schloss mit der Frau Witwe Jakob Schaller in der Mühle "Mon Plaisir" den Pachtvertrag ab. Oft wechselte der Weiher seinen Besitzer bis er schließlich in Besitz der Gemeinde gelangte.

Aus der DORFGESCHICHTE - bis zum Ende des 30-jährigen Krieges 1648

Schwarz Alwin

1460 Die ersten Namen von Niederwürzbacher Einwohnern kennen wir aus der Niederwürzbacher Urkunde von 1460, eine Urkunde, die Dr. Wolfgang Krämer in einem Heimatmuseum im Schwarzwald zufällig fand und auch erwarb. Dieser Kaufbrief des Junkers Hans III von St. Ingbrecht (+1498) über den Kauf eines sogenannten Hubgerichts (1) zu Niederwürzbach im Jahre 1460, beinhaltet u.a. folgendes:

Wir diese hienach geschriben nemlich Lorentz uff diese Zyt Meiger zu Nyderwirzbach, Lorentz Schüssler, Peter Niclaus, Authis Meiger, hunde (Büttel), Hanns Lorentz, sin brüder und gödelmann (Pate), alle geschworn huber des Hupgerichts des obgenannten dorffs.

Dem Simon von Bitsch, genannt Gentersberger, wird in der brüderlichen Teilung das Dorf Seelbach mit all seiner Gerechtigkeit und Zugehör es seien Leute, Güter, Zehent Kirchensatz oder anderes zugebilligt.

Um diese Zeit war der Ort Seelbach schon eingegangen. Die letzten Bewohner haben sich in Niederwürzbach angesiedelt. Seelbach hatte seinen eigenen Bann und Bezirk und den hatten sich die Würzbacher nun angemaßt. Es kam zu einem Streitfall zwischen dem Gentersberger und den Würzbachern. 1485 berichtet Johann von Bisch (Kreisarchiv Speyer): Von dieser Zeit an sind der Niederwürzbacher und Seelbacher Bann zusammengezogen und für einen Bann gehalten worden und ist vom Dorf Seelbach jetzt unter nichts weiter übrig, denn die Kirch, welche die Niederwürzbacher noch heutigen Tags als ihr Mutterkirch besuchen.

1486 Der Schultheiß Dytterich von Ormesheim und Niclas Honne zu Bonsingen (Biesingen) legen am 31. Oktober 1486 in Güte einen Streit zwischen Symont von Bitsche, gen. Gentersberger, und der Gemeinde Niederwürzbach wegen des Waidgangs im Seelbacher Bann folgendermaßen bei:

1. Die Gemeinde soll den Weidgang auch in Zukunft genießen, dafür aber, wie von alters hergebracht dem Symont von Bitch alljährlich 2 Malter Hafer an seinen Meier in Seelbach liefern

2. Werden auf dem Seelbacher Bann Wohnungen errichtet und Leute angesiedelt so soll die Weidgangsgerechtigkeit und die Haferlieferung aufhören (Kerbzettel, Papier in Waal VII 4º N 2081)

1504 Weisthum (2) von Seelbach und Niederwürtzbach 1504. (Archiv Schloß Waal). Zu Seelbach unter der Linde, nicht weit von der Kirche, wird nach altem Herkommen der Jahrtag (3) am 15. Juni 1504 abgehalten. Anwesend sind der "erenveste junher Emmerich von Löwenstein", Ludwig von Thayn, der Amtmann des Kurfürsten von Trier zu Blieskastel, als Einrufer der Schultheiß Petgynß (Petgens) Michael von Ormesheim, Heyngynß (Heingens) Nickel von Erfweiler als Hunde (Büttel) und da zu Seelbach "keyn Zentner" (Zehent?) Diebolt, Großnickel und Stuffenhans alle dry scheffen zu Seelbach ond Nyderwürtzbach.

1535 Bärbel die Schäfersfrau und Barte, beide von Niederwürzbach, wurden wegen Diebstahls von einem Hochgericht zum Tode verurteilt. (Dr. Wolfgang Krämer - Das Amt Blieskastel, von Sulger.)

1542 Anstet v. Bitsch gibt am 8. September 1542 seine Mühle zu Würtzbach dem Belz Jacob und Lorentz von Lautzkirchen in Erbbestand gegen einen jährlichen Zins von 4 fl. zu je 26 Räder Weißpfennig, zahlbar an Martini dem Meier von Fechingen. Diese Mühle hatte die Familie Belz bis Anfang des 17. Jahrhunderts im Erbbestand. 1618 galt die Mühle als verfallen.

1553 bis 1634 Das Amt Blieskastel befindet sich in Pfandherrschaft von Nassau Saarbrücken. In Niederwürzbach gibt es trierische, zweibrückische und gentersbergische Untertanen. Trierisch waren 5 Feuerstätten und 1 Hofstatt. Die Leibeigene und frondienstpflichtige 17 Hausgeseß mit ungefähr 7 Führen mußten die Frondienste beim Blickweiler Hof (4) verrichten. (Dr. Wolfgang Krämer - Das Amt Blieskastel, von Sulger.)

1553 Seelbach ist ein Dorfgewesen, ist aber zerstört und ein anderer Dorf in dem Bann aufgebauen, heißt Niederwirzbach (Kreisarchiv Speyer).

1558-73 Um diese Zeit wird bei einer Zeugenaussage ein Arnold von Würtzbach genannt. Er sei etwa 65 Jahre alt, vor etwa 38 Jahren nach Würtzbach gekommen. Von den Alten sei er als Gerichtsmann auf die Gemerk und Zeichen des Würtzbacher Bannes gewiesen worden. (Es ging um die Niederwürzbacher Banngrenze und Grenzsteine).

1566 Türkenschatzung 1566 (Eine Kriegssteuer zur Bekämpfung der Türkeneinfälle bei der Besitzstand und Vermögen der Familien geschätzt wurde.) Die Niederwürzbacher Underthanen im Hochgericht Bliscastel:

1. Lorenzen Hanss11. Henrich
2. Lorenz zu Würzbach12. Arnolts Nickell
3. Hanss Schäffer13. Rummen
4. Georg Wannenbach14. Sant Hanss
5. Mattis zu Würzbach15. Hanss Treiger
6. Johan der Würt16. Peter Baltz Müller
7. Wendlinge17. Jung Hanss Schweinhirt
8. Hanss Neumüller18. Peter Gembss
9. Osters Barbell19. Peter Dorlich
10. Merttins Nickell20. Haupert Belz Müller

(Es sind lediglich die Familienvorstände aufgeführt. Die Einwohnerzahl kann man auf das 3- bis 4-fache schätzen.)

1574 In diesem Jahr werden die Erben des Jung Nickeis zu Würzbach genannt.

1588 Friesen Hans (1598 ein Strohschneider) zu Würzbach, erhält 1588 2 Gulden, 7 Alb, 2 Pf für 550 Ziegel.

1598 Das Untertanenverzeichnis des Amtmannes J. Friedrich von Eltz vom 18. Februar 1598

Niderwurtzbach: Diess Dorff gehört in den Hoff Blickweyler seindt leibeigen zum Hauss Bliescastel und mir Johan Friedrich Her zu Eltz mit Gebott und Verbott halben zugethan.

Fuhrleuth:

1. Seylers Paulus
2. Lorentzen Hanss
3. Osters Nickel
4. Wenndmachers Margrett
5. Lor Jocob
6. Hemelss Hanss

7. Bach Hanss und sein
8. Eydem Rymann
 
9. Sant Wilhelm
10. Hanss Dreher
11. Jacob Dreher

 
"seind zwo Ehen in einem Hauss,
haben ein Fuhr gemein."
 
"Vater und Sohn
in einem Hauss"

Einspennige:

12. Schaff Hanss der Artzt
13. Schaff Herich sein Eydem
(in einem Haus)
14. Adam Becker
15. Kyrrer
16. Friessen Hanss, Strohschneider

17. Beltz Peter Jacob
18. Stro Matthiss
19. Friedrich Stroschneider
20. Nicklauss der Beltzmüller
21. Beltz Herrich
22. Caspar Daglohner

Hindersassen: (5)

23. Diether
24. Johannen Elss und
25. Wendel ihr Sohn, in einem Hauss
26. Frantz der Schmit ist Zweybrückisch
27. Wendels Hanss ist Junker Hanss Werners von St. Ingbrecht

Diese vier frohnen nit gehen Castel mit den andern, sondern thun allein Jars zwo Hochgerichtsfuhren zum Hauss Castell.

1618 Der Müller der Bannmühle an der Blies Pauel Bosgen bekam 1618 vom Erzbischof in Trier die Erlaubnis, die verfallene Mühle am Würzbacher Weiher wieder aufzubauen.

1626 Die Würzbacher Mühle heißt jetzt "Die Neumühle"

1637 Niederwürzbach wird vollständig eingeäschert.

1643 sind noch 7 Personen aus Niederwürzbach zum Kirchenbesuch verpflichtet. (H.J. Becker)

(Fortsetzung folgt)

Erläuterungen:

(1)Hubgericht:Ein Gericht, das über Geldstreitereien zu entscheiden hatte.
(2)Weithum:mhd: wistuom - Rechtsweisung; auch ungeschriebenes Gewohnheitsrecht des Mittelalters von Rechtskündigen der Gerichtsgemeinde regelmäßig dargelegt; seit dem 13. Jahrhundert aufgezeichnet, bes. das bäuerliche Weistum; dieses ist eine Quelle alten Volksgutes
(3)Jahrtag:Gerichtstag
(4)Blickweiler Hof:Der Blickweiler Hof war ursprünglich ein Freit- und Flickhof, der von Burgmännern besetzt war, die in des Grafen Dienst standen; anscheinend war dieser Besitz der Kirche von Blickweiler anhängig und gelangte mit Patronat als Schenkung an das Kloster Gräfinthal.
(5)Hindersassen:Zugezogene Neubürger, die noch nicht die üblichen Dorfrechte hatten (Holzrecht, Laubrecht...)

Anmerkung: Die "DORFGESCHICHTE im Überblick" in der 1. Folge (Seiten 10 u. 11) wurde auch von Schwarz Alwin erstellt.

weiter: Die Eisenbahn in Niederwürzbach

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