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Blickweiler
letzte Änderung: 21/1/2005


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OrtsverzeichnisRömerstätten

Blies ab- und aufwärts
entlang der Bliestalbahn
(auf diesem Streckenabschnitt ist nur noch der Bahndamm erhalten)
heute verläft auf dem Bahndamm der
link Bliestal-Freizeitweg

   
Blickweiler und seine Geschichte
Ein kurzer historischer Rückblick
Von Hugo Stumpf und Hans Hurth
Quelle: link www.blickweiler.de
dort noch viel mehr Blickweiler Geschichten !!!

Blickweiler ist ein uralter Siedlungsboden und kann auf eine weit über 1000 Jahre zählende Geschichte zurückblicken. Zeugnis für die Vorgeschichte legen zwei Steinbeile ah. 1912 übergab Hauptlehrer Trinkle dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer ein Steinbeil und 1914 übergab der Schmiedemeister Daniel Mayer dem Museum ein weiteres Steinbeil. Beide Gegenstände wurden auf dem Blickweiler Bann gefunden. Außerdem befinden sich auf dem Bann vorrömische Hügelgräber. Die bedeutendsten Funde entstammen jedoch der römischen Epoche. Diese sind:

Leichenaschenkisten. Glasuren mit Leichenbrand und Beigaben - sie zeugen von römischer Bestattung. Ein Säulenkapitell, eine Brunnenfassung und anderes deuten auf römische Bauwerke hin. Insbesondere aber ist die römische Töpferei zu nennen deren Töpferöfen im Gewann Heideacker und im Gewann Etzel freigelegt wurden. Die Töpfer arbeiteten hier etwa in der Zeit von 110 - 160 nach Christi Geburt. Die Töpferei zu Blickweiler zählte zu den "ostgallischen Manufakturen". Die Verbreitung der Blickweiler Töpferwaren reichte von Britannien bis zur mittleren Donau, wobei der Schwerpunkt deutlich im obergermanischen Bereich lag. Insgesamt sind in Blickweiler 21 Töpfer durch ihre Töpferzeichen auf dem Reliefgeschirr, der so genannten Sigillaten nachgewiesen. Auch andere Produkte wie Tassen, Teller und Schüsseln waren sehr verbreitet. Besonders sind die verzierten Terrasigillatagefäße hervorzuheben. Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts ist die Konkurrenz der Werkstätten von Rheinzabern offenbar so stark geworden, dass die Töpfer von Blickweiler gezwungen waren, den Betrieb einzustellen, oder sie sind in östlicher Richtung abgewandert um dem Absatzmarkt näher zu sein.

1666 gab es in Blickweiler 23 Haushaltungen. Nach dem 30jährigen Krieg, 1659, waren noch zwei Familien übrig. 1661 waren es noch 8 Familien. Die Neubesiedlung begann etwa um l698; in diesem Jahre konnten im Ort wieder 16 Familien nachgewiesen werden. Die Einwohnerzahl stieg nun ständig an. 1704 bis 1714 befanden sich im Ort 8 Fronpflichtige. Rechtsstreitigkeiten zwischen Kurtrier und den von Eltz im 16. Jahrhundert - es ging dabei um verschiedene Ansprüche auf das Dorf - wurden abgewiesen. 1666 empfing die Familie von der Leyen das Amt Blieskastel, zu dem auch Blickweiler gehörte zu Lehen. Blickweiler war Sitz einer Meierei innerhalb der Oberschultheißerei Blicskastel. Von 1798- 1814, zur Zeit der napoleonischen Kriege, gehörte der Ort zum Saardepartement. Arrondissement Saarbrücken, Kanton und Maine Blieskastel.

Von 1143-1816 der österreichisch-bayrischen Landesadministration in Kreuznach bzw. Worms unterstellt, kam der Ort dann 1816 zum bayrischen Rheinkreis. Landeskommissariat Zweibrücken, Kanton und Bürgermeisterei Blieskastel und 1902 zum Bezirksamt bzw. Kreis St. Ingbert. Das alte Dorf lag in hochwasserfreier Lage auf einer Bliesniederterrasse. Obwohl viele Umbauten an den alten Bauernhäusern erfolgten. ist der Kern des Ortes, der sich in unregelmäßigem Grundriss um die alte Kirche gruppiert, die etwa im 13. Jahrhundert entstand noch erkennbar. Die Deutung des Ortsnamens von Blickweiler, der für eine frühe Besiedlung im Mittelalter urkundet, ist durch die Beeinflussung der zugewanderten Germanen und durch die vor diesen hier wohnenden Keltoromanen zu begründen:

1. Die Weiler-Namen finden sich nur in den Ländern. welche vor der deutschen Einwanderung von Romanen bewohnt waren.

2. Das Grundwort vulare, später Weiler. entstammt der lateinischen Sprache.

3. Die Weilerorte finden sich dort, wo eine germanische, eine merowingische, oder fränkische Besiedlung stattfand etwa im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr.

Die erste Silbe eines Ortsnamens bezeichnet eine Person, vielleicht ein Blicco. die zweite Silbe deutet auf dessen Siedlungsland und seine Behausung hin - der Weiler des Blicco. In dieser Zeit dürfte die Ortsgründung stattgefunden haben. Blickweiler wird erstmals als Blickweiler in einer Urkunde, die im Mettlacher Urbar erfasst ist, im 12. Jahrhundert schriftlich erwähnt.

Blickweiler war zu dieser Zeit eine hofartige Siedlung, denn wiederholt spricht man in den Akten der nachfolgenden Jahrhunderte von Höfen zu Blickweiler. Die Grafen von Blieskastel wurden Grundherren von Blickweiler; Gräfin Elisabeth, die älteste Tochter des Grafen Heinrich von Blieskastel, stiftete 1243 das Kloster Gräfinthal. Sie bedachte das Kloster mit dem Patronatsrecht an der Kirche zu Blickweiler und Mengen und den Zehnten daselbst. Land und Leute gab sie hinzu, so dass das Kloster nun wichtigster Grundherr zu Blickweiler wurde. Der Pfarrer von Blickweiler war lange der Seelsorger der Kirche zu Blieskastel und den Annexen: Lautzkirchen, Alschbach Niederwürzbach, Seelbach, Biesingen, Wecklingen und Ballweiler. Das Kloster Gräfinthal und seine Güter; auch die zu Blickweiler, standen unter dem besonderen Schutz der Gräfin. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts mehren sieh die Urkunden und die Akten; sie hellen das Dunkel der mittelalterlichen Geschichte von Blickweiler etwas auf. Erwähnenswert ist ein Streitfall zwischen der Gemeinde Blickweiler und dem Kloster Gräfinthal wegen der Schäferei des Ortes. Dieser Streit und der Vergleich zwischen den Streitparteien erscheint uns aussagekräftig für die mittelalterliche Dorfgeschichte von Blickweiler, wir erhalten einen Einblick in das Alltagsleben und in die Gesetzgebung; wie dieselbe noch vielfach mit der heutigen vergleichbar ist. Die Gerichtsakte vorn Jahre 1438 sagt folgendes aus: "Es ist zu wissen, dass heute, am Sonntag nach dem Dreikönigstag, die Mißhelligkeit und der Zwietracht zwischen dem Kloster Gräfinthal und der armen Leute der ganzen Gemeinde Blickweiler, von uns, dem Gericht beigelegt wurden." Die Leute von Blickweiler behaupteten. dass die Schäfer des Priors ihre Schafe hüten müssten. Der Prior behauptete, dass er hierzu nicht verpflichtet sei.

Blickweiler im Wandel der letzten 125 Jahre

Die letzten 125 Jahre unserer Geschichte dürften zu dem bewegtesten Zeitabschnitt in der Menschheitsgeschichte überhaupt zu zählen sein. In allen Lebensbereichen hat sich in dieser Zeit eine Entwicklung vollzogen, wie sie in einem so kurzen Zeitabschnitt nie zuvor sein dürfte. Wenn man sich heute bemüht, sich in die Zeit vor 125 Jahren zurückzuversetzen, so dürfte es schwer fallen, wenn überhaupt möglich, sich ein Bild über die damaligen Lebensverhältnisse in unserer Gemeinde zu machen. Ein Fahrrad, in seinem Ursprung bereits 1814 entwickelt, war noch ein Luxusgegenstand, den sich bei weitem nicht jeder leisten konnte. Eine Pferdekutsche, im Volksmund "Scheeß" genannt, war ein Privileg besonders Begüterter und der wenigen wohlhabenden Leute, ganz zu schweigen von den sonstigen Errungenschaften unseres technisch so hoch entwickelten Zeitalters, die wir heute als eine Selbstverständlichkeit für uns beanspruchen. Den deutschfranzösischen Krieg 1870/71 eingeschlossen, musste die Menschheit in dieser Zeit drei Kriege über sich ergehen lassen, die sich an Grausamkeit und Brutalität mit zunehmender Technisierung steigerten. Vier verschiedene Währungen galten in dieser Zeit als gesetzliches Zahlungsmittel, wenn man von der kurzen Übergangswährung der Saarrnark im Jahre 1947 absieht, mit einer Inflation in den 20er Jahren, die gerade die sparsamen. weniger bemittelten Bevölkerungsschichten besonders hart traf. Gulden, RM, ffrs, RM. ffrs, DM, Euro.

Zeitgenossen sind früher zu Fuß auf ihre Arbeitsstelle gewandert. So Vetter Theis, auf dem Neunkircher Eisenwerk und später auf der Grube Rosseln beschäftigt. Da konnte man nicht jeden Tag zu seiner Familie zurückkehren; und die Arbeit auf dem Feld und im Stall ging zu Lasten von Frau und Kindern. In der Nacht von Sonntag auf Montag ging es auf Schusters Rappen, mit dem Rucksack auf dem Rücken, mit dem nötigen Proviant für eine Woche zur Arbeitsstelle, wo man die Woche über im Schlafhaus untergebracht war.

Immer wieder wird in Gemeinderatsbeschlüssen, wenn es an die Bestreitung wichtiger Ausgaben ging, über die enorm hohen Kosten der Armenunterstützung geklagt, die den Gemeindehaushalt über Gebühr belasteten. Mit einem Weck, den es bei der jährlichen Prüfung in der Schule gab, konnte man zu dieser Zeit einem Kind noch eine große Freude bereiten. Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts ernährten sich unsere Vorfahren überwiegend aus dem Ackerbau und der Viehzucht, der Leinenweberei oder als Tagner. Diese Berufs- bezeichnungen treten in dieser Zeit am häufigsten auf, -wobei auch bei sonstiger Beschäftigung noch Ackerbau im Nebenerwerb betrieben wurde, weil die Not dazu zwang. Mit der zunehmenden Industrialisierung um die Jahrhundertwende bildeten sich dann in immer stärkerem Umfang die sogenannten Arbeiterbauern. Der geringe Verdienst zwang zu diesem Nebenerwerb, der überwiegend zu Lasten der Frauen und Kinder ging. Der hohe Viehbestand führte zur Knappheit an Futter und Streu, weshalb man früher in den Wald "Laub scherren" ging, was sich bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts erhalten hat. In dieser Zeit bereits gingen die landwirtschaftlichen Nebenerwerbstätigkeiten nach und nach zurück, was auf die besseren Verdienstmöglichkeiten in der modernen Industrie zurückzuführen war. Die Wohnungsverhältnisse unserer Vorfahren können keinesfalls mit den heutigen verglichen werden. Familien mit 9, 10 und mehr Kindern waren keine Seltenheit, sondern die Regel. Die Schulferien, um nur ein Beispiel anzuführen, dienten nicht der Erholung der Schulkinder. Unter dem Einfluss der Ortsschulkommission wurden die Ferien in eine Zeit verlegt, in der die Kinder am nötigsten in der Landwirtschaft gebraucht wurden.

Das Dorfbild mit schlechten, kaum befestigten Straßen spiegelte den überwiegenden Charakter des Ackerbaues wieder. Pferde- und überwiegend Kuhfuhrwerke beherrschten das Straßenbild; fast jedes Haus verfügte über Scheune und Stallungen, die heute fast ausschließlich zu Autogaragen umgebaut sind. Schweine-, Gänse-, Schaf- und Geißenhirte zogen täglich durch die Straßen auf die Weide, letzterer allerdings nur im Spätsommer und Herbst, wenn die Wiesen abgeerntet waren. Die Gänse wurden vornehmlich in einer Klamm gegen Wolfersheim, die heute noch als "Gänseklamm" bezeichnet wird, gehütet, und nach der Getreideernte zogen die Gänseherden über die Stoppeläcker, um ja keine Ähren verkommen zu lassen. Den älteren Leuten ist der "Gänsehannes" aus dieser Zeit noch ein Begriff. Der Schweinehirt zog mit seinen Anvertrauten überwiegend in Richtung Sitters und Rückert. In einer Sitzung am 8. Juli 1894 befasste sich der Gemeinderat mit dem Schweineeintrieb in den Wald und fasste folgenden Beschluss: "Dem Schweinehirten ist das Einfahren in den Wald zu verbieten und soll ihm nur gestattet sein, die Herde am Waldsaum in den Schatten zu stellen." Am 7. März 1920 wurde ein Antrag des Schweinehirten Peter Bieringer um Erhöhung des Hirtenlohnes wie folgt entschieden: " Der Gemeinderat hat auf die Erhöhung von 50 Pfg. nichts einzuwenden, jedoch wird ersucht auf ordnungsmäßiges ges Hüten." Das Hüten der Schweine und Geißen wurde in unserem Ort am längsten aufrecht erhalten und zwar bis in die späten 20er Jahre. Der letzte Schweinehirt war Peter Müller und die Geißen wurden zuletzt gehütet von Frau Helene Winterroll. Nachdem Letztgenannte das allgemeine Hüten eingestellt hatte, zogen noch über Jahre hinaus in den Herbstmonaten die Geißen herdenweise auf die Weide, gehütet und beaufsichtigt von den Kindern der Geißenhalter.

In früheren Jahren musste man, um das Heimatrecht in einer Gemeinde zu erwerben eine Heimatgebühr entrichten, die laut Tarif vom 19. Juli 1868 wie folgt festgesetzt war: Für Inländer 100 Gulden, für Zollvereins- staatsangehörige 150 Gulden, für übrige Ausländer 200 Gulden. Diese Heimatgebühren werden in Gemeinderatsbeschlüssen noch bis in die späten 20er Jahre erwähnt und betrugen zu dieser Zeit 85 Mark, umgerechnet in die damalige Frankenwährung. So weit ein allgemeiner Überblick über die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren.

Bau der Bliestalbahn:


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Durch den Bau der Bliestalbahn wurde unsere Gemeinde 1879 Bahnstation und an den allgemeinen Verkehr angeschlossen. Die Gemeinde hatte zum Bau der Bahnlinie an die Direktion der Pfälzischen Bahnen einen Waldterrain abzutreten, was sie laut Beschluss vom 10. August 1879 zu einem geringen Preis tat, nachdem sich die Pfälzische Bahngesellschaft gleichzeitig verpflichtete, für die Gemeinde die neue Straßenstrecke nach Blieskastel zu erbauen. Eine alte Wegstrecke nach Blieskastel musste umgebaut werden, wozu die Gemeinde in Anbetracht der unter Wert abgegebenen Waldfläche einen Zuschuss des Distrikt beantragte. Diese Bahnlinie, zunächst nur eingleisig gebaut, gewann schnell eine besondere Bedeutung für den Durchgangsverkehr und wurde nach einigen Jahren auf zwei Gleise erweitert.

Bereits im Jahre 1905 wurde die vorhandene Rampe als Militärrampe gebaut und die Gleisanlagen an dieser Stelle zu Rangierzwecken erweitert. In den Kriegsjahren 1914/18 und 1939/45 kam der Bahnlinie eine besondere Bedeutung zu. In verstärktem Maß rollten Truppen- transporte und Fronturlauberzüge über diese Strecke, und mancher Frontsoldat, der von der West- zur Ostfront verlegt wurde, bekam bei dieser Gelegenheit seine Heimat noch einmal, für manchen zum letzten mal zu sehen. Den stärksten Personenverkehr dürfte diese Bahnstrecke in den 30er Jahren zu verzeichnen haben, als auf Veranlassung des damaligen Eisenbahnpräsidenten Nicklaus, ein Sohn unserer Gemeinde, ein verstärkter Schienenbusverkehr eingerichtet wurde. Durch die immer stärkere Verlagerung der Transporte von Schiene auf den Straßenverkehr und die zunehmende Motorisierung hatte die Bahnstrecke bald an Bedeutung verloren, zumal kein Durchgangsverkehr nach Saargemünd mehr bestand.

Es verkehrten an Sonn- und Feiertagen keine Züge mehr, und an den Wochentagen war der Personenverkehr aus Rentabilitätsgründen wesentlich eingeschränkt. Wäre das Gersheimer Kalkwerk nicht, wäre die Bahnlinie vielleicht schon eher stillgelegt worden als dies in den 80er Jahren dann geschah.

Wirtschaftsbetrieb

Schon vor der Jahrhundertwende bestanden in unserer Gemeinde, die damals etwa 700 Einwohner zählte bereits 5 Wirtschaften. Im Zusammenhang mit den Wirtschaftsbetrieben fasste der Gemeinderat am 31. Juli 1892 bei der Beratung über die Festsetzung der Polizeistunde folgenden, für unsere heutigen Verhältnisse interessanten Beschluss: "An Sonn- und Festtagen soll der Ausschank geistiger Getränke an im Wirtshaus befindliche Gäste der hiesigen Pfarrei während des Morgen gottesdienstes untersagt sein, damit die Pfarrangehörigen mehr ihren kirchlichen Verpflichtungen nachkommen oder wenigstens ihren Konfessionsgenossen kein Ärgernis gehen."

Noch im Jahre 1922, in einer Sitzung am 17. September, wird ein noch weitergehender Antrag eingebracht mit dem Begehren, die Wirtschaften Sonntagsmorgens während des Gottesdienstes zu schließen. Dieser Antrag wird jedoch von dem Gemeinderat zurückgewiesen. Man kam jedoch erneut zu der Entschließung Wirte daran zu erinnern, dass jegliches Zechen und Lärmen während des Gottesdienstes, insbesondere in der Nähe der Kirche zu vermeiden sei. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass in unserer Gemeinde nur jeweils an Kirchweih Tanzmusik erlaubt war, was auf ein Circulär des kgl. Bezirksamtes Zweibrücken vom 20. April 1860 zurückzuführen war. In einer Sitzung am 6. Juli 1898 hatte sich der Gemeinderat mit dieser Angelegenheit zu befassen, wobei es zu folgendem Beschluss kam: "Königliches Bezirksamt ist gehorsam zu bitten, gütigst genehmigen zu wollen, dass die hiesigen Wirte mit Tanzlokalen alljährlich am 1. Maisonntag und am Sonntag nach Jacobi Tanzmusik nach bürgermeisteramtlicher Genehmigung abhalten dürfen bis 11 Uhr."

Dieser Beschluss wurde u.a. wie folgt begründet: " In Erwägung, dass am 1. Maisonntag und am Sonntag nach Jacobi in der Umgebung Tanzmusiken stattfinden und solche sehr häufig und oft trotz strengen Verbots der Eltern von der hiesigen tanzlustigen gen Jugend besucht werden, was gewiss aus vielerlei Gründen nicht empfehlenswert für die Jugend und nicht angenehm für die Eltern ist!" Hierbei sei auch erwähnt, dass die Kirchweih früher als "Martinikerb" im November gefeiert wurde. Im August 1923 wurde eine Abstimmung in unserer Gemeinde durchgeführt mit dem Ergebnis, dass sich 72 für eine Verlegung der "Kerb" auf den letzten Sonntag im September aussprachen, bei 67 Gegenstimmen für die Beibehaltung der Martinikerb.

Dem Begehren der knappen Mehrheit folgend, hat der Gemeinderat am 26. August 1923 beschlossen. dass die Kerb in unserer Gemeinde ab 1924 am letzten Sonntag im September gefeiert wird. Zu dieser Zeit war die Kerb noch ein besonderer Feiertag. Wenn man sich in Anbetracht der ärmlichen Verhältnisse auch das ganze Jahr keinen Kuchen leisten konnte, aber an der Kerb hatten auch die Ärmsten Kuchen auf dem Tisch und getanzt wurde, wie vorstehend erwähnt, bis zum Jahre 1898 nur an der Kerb. Wenn sich auch der alte Brauch mit Kerwestrauß und Straußbuben in unserer Gemeinde noch bis heute erhalten hat, so hat der Tag doch nicht mehr diese Bedeutung wie in früheren Zeiten, da die Jugend heute durch Vergnügungen über das ganze Jahr hinaus übersättigt ist.

Terra Sigillata - Töpfereien in Blickweiler


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Im Jahre 1912/13 wurde in unserem Ort. auf Veranlassung von Museumsdirektor Dr. Prater vom hist. Museum für die Pfalz in Speyer, erstmals gezielt und planmäßig nach Funden aus der Römerzeit gegraben. Anlass hierzu waren frühere Funde bei verschiedenen Bauarbeiten. So wurden die ersten Tonscherben bereits beim Bau der Pfälzischen Bahnstrecke bei der hiesigen Bahnstation gefunden.

Bei den Ausschachtungsarbeiten zum Bau eines neuen, zweiklassigen Schulhauses im Jahre 1903, das 1938 zum Bürgermeisteramt umgebaut wurde, stieß man auf Mauerreste, welche als Bestandteile eines römischen Ziegelofens konstatiert wurden. Bei der Errichtung eines Wohnhauses in der Blieskasteler Straße (Peter Welsch), einige Jahre später, wurde ein umfangreicher Brennofen wegen Unkenntnis zerstört.

Nachdem nun im Jahre 1912 die Sigillata-Töpferei in Eschweiler Hof freigelegt werden konnte, erinnerte man sich auch der hiesigen Teilfunde und fing auch hier an zu suchen. Schon bald bestätigten sich die Vermutungen, und auch hier konnte die Lage einer gleichen Töpferei einwandfrei festgestellt sowie eine Abfallgrube mit Bruchstücken des Töpfereigutes freigelegt werden. Diese Fundstellen befanden sich in der Nähe des Kalkwerkes, hinter dem Wohnhaus Paul Welsch, dem sogenannten Etzelgarten, gegen den Heidenhübel zu.

Mitte der 20er Jahre hat auch der Landeskonservator des damaligen Saargebietes südlich der vorgenannten Fundstelle eine kleinere Abfallgrube festgestellt. Einige Monate später stieß man bei Fassung einer Quelle in der Nähe des Bahnhofes auf eine alte Brunnenfassung aus Eichenbohlen, die sich nach den dabei gemachten Scherbenfunden als Brunnen der Sigillatafabrik erwies.

Die Bedeutung dieser Ausgrabungsergebnisse und die fachmännischen Schlussfolgerungen aus dem gefundenen Material haben Professor R. Knorr und Dr. Sprater in ihrem Werk, "Die westpfälzischen Sigillata - Töpfereien von Blickweiler und Eschweilerhof" zusammenfassend niedergelegt. Das reiche Fundmaterial bestand aus Töpferschüsseln und Gefäßen wie Tassen, Schälchen, Bechern, Feldflaschen usw., die sich heute teilweise im hist. Museum der Pfalz in Speyer und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken befinden.

Rund um das Kalkwerk in Blickweiler
sowie der Kalksteinbruch auf dem Kalbenberg
von Dipl-Ing. Hugo Wannemacher


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Vorwort

Bericht über Fakten, Aussagen von noch unter uns lebenden Zeitzeugen, sowie mündlich weitergegebene Anmerkungen von Blickweiler Bürgern, welche um die Jahrhundertwende, 19./20. Jahrh. noch aktiv am Dorfgeschehen teilnahmen. Ferner aus mir zugänglichen, schriftlichen Unterlagen. die sich mit der Materie Kalkstein und Branntkalk befassen und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Manfred Sick, Ottweiler, ferner Unterlagen von den städtischen Archiven Neunkirchen und Saarbrücken, sowie den Saarbergwerken Saarbrücken.

Auf dieser Basis wurde es mir möglich eine verkürzte Darstellung zu geben über den Rohstoff Kalk, der in unserer engeren Heimat, dem Bliestal, in vielfältiger Form ansteht. Trochitenkalk, Nodesenkalk und Dolomitkalk also Weiß- und Graukalk. (Dr. phil.., nat., h.c. Guthörl, Saarbrücken).

Ebenso soll der Umgang unserer Generation mit dem Produkt Kalk welches beim Wiederaufbau unserer engeren Heimat Lind darüber hinaus in ganz Deutschland nach dem 1 . und 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte, festgehalten werden.

Also, für die ältere Generation soll die Kurzfassung dieses Berichtes einen Rückblick darstellen, der auch Teil ihres eigenen Erlebens ist. Die Jüngeren unter uns können. wenn sie es denn wollen, den mühsamen und beschwerlichen Weg ihrer Urgroßväter, Großväter und Väter im 20. Jahrhundert nachvollziehen.

Nutzung des Rohstoffes Kalk

Seit wann sich die Menschen des Rohstoffes Kalk bedienen, läßt sich nicht exakt nachweisen. Fest steht jedoch, dass die Römer, als sie um die Zeit 80-100 n. Chr. das Imperium Romanum bis nach Germanien ausdehnten, die Kunst des Kalkbrennens bereits verstanden.


Grundriss und Schnitt von Kalkofen 2 der römischen Kalköfen (nach Keller, 1964)
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Die primitiven Kalksteinverarbeitung im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Hier am Beispiel der Branntkalkherstellung in Wittersheim.

Durch die drei nebeneinander liegenden Brennöfen erkennt man den Ansatz schon, dass eine Kontinuität im Arbeitsablauf der Branntkalk - Herstellung angestrebt wurde.


Vorderansicht der Wittersheimer "Kalkbrennerei" (Becker 1987). Die Inbetriebnahme dieser recht fortgeschrittenen Anlage um 1840 - 1860.
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Draufsicht Wittersheimer "Kalkbrennerei" (nach Becker 1987)
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Querschnitt von Ofen III. Brennofen Wittersheim (Becker 1987)
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Beschichtung eines Ofens in Wittersheim. Arbeitstechnik: Die zu brennenden Kalksteine werden als selbsttragendes Gewölbe eingebaut. (Becker 1987)
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Der Kalkbrenner deckt die Ofenfüllung mit einer Lehm- schicht ab. (Becker 1987)
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Literaturnachweis: Blickweiler im Wandel der Zeit